Breklum/Tansania : "Mama Massai" hat geheiratet

Traumhaft gutes Verhältnis: Die Söhne ihres Mannes tragen die Stiefmutter auf Händen. Foto: sh:z
Traumhaft gutes Verhältnis: Die Söhne ihres Mannes tragen die Stiefmutter auf Händen. Foto: sh:z

Die Missionarin Angelika Wohlenberg aus Breklum heiratet am 7. Mai. Seit einem Vierteljahrhundert lebt sie in Tansania.

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03. Mai 2011, 08:42 Uhr

Glücksburg/ Breklum/ Tansania | Was ihre Freunde und vor allem sie selbst nicht für möglich gehalten haben: Missionarin Angelika Wohlenberg, besser bekannt als "Mama Massai", hat geheiratet. Mit den Freunden aus Deutschland wollen sie und ihr Ehemann Erwin Kinsey diese Hochzeit am 7. Mai im Missionszentrum Breklum feiern. Im Pfarrhaus von Breklum ist "Geli" aufgewachsen.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert teilt die frühere Krankenschwester und Hebamme (Ausbildung in der Flensburger Diakonissenanstalt) das harte Leben der Massai im Norden von Tansania. Die lieben und verehren die blonde Norddeutsche wie eine Heilige. Der sh:z hat regelmäßig über "Sister Angelika" berichtet, wenn sie die Kirchengemeinden in der Region besuchte, um für Geldspenden zu werben, damit die Massai beim Brunnenbau, Schulgründungen oder beim Kampf gegen die Mädchenbeschneidung unterstützt werden konnten. Über Fortschritte berichtete das "Energiebündel" Angelika Wohlenberg ebenso regelmäßig wie begeistert.

Bewundert wird sie in Tansania und in Deutschland wegen ihres Mutes, unverwüstlichen Humors, des Einfühlungsvermögens und ihres unerschütterlichen Glaubens. Ihr Ziel ist es, Veränderungen zu wagen und doch Massai zu bleiben - Menschen mit einer unverwechselbaren Kultur. Das ist in zahlreichen Veröffentlichungen und Büchern nachzulesen, in denen von Angelika Wohlenberg selbst oder von anderen Autoren über ihr "wildes" Leben geschrieben wurde. (Während der Ausbildung in Flensburg hatte sie den Spitznamen "Tarzan".)

Dass in diesem Leben einmal Platz für einen Ehemann sein könnte, hielt sie selbst für am unwahrscheinlichsten. Und doch, so schreibt sie es in bezaubernder Verliebtheit, habe Gott ihrem Leben eine neu Richtung gegeben. "Erwin trägt mich auf Händen", jubelt sie.

"Manchmal, wenn ich an mein Temperament und mein Sister Haraka-Syndrom (die schnelle Schwester) denke und mir Gedanken mache, wie er mit mir fertig werden soll und ihn besorgt frage: Bin ich normal?, kommt immer als Antwort: Dont be normal, be Angelika!"

Erwin ist 58 Jahre alt, seit vier Jahren Witwer, kommt aus Vermont/USA. Angelika Wohlenberg erzählt: "Er wuchs auf einer Rinderfarm auf, hatte sechs Geschwister. Seine Frau starb 2006 an Leberkrebs, und er hat sie liebevoll bis zum Ende begleitet." Erwin lebt in Arusha am Mount Meru in einem schönen Haus mit großem Garten, Bioanbau, Milchziegen und Bienen. Erwin hat Agrarwissenschaft studiert und leitet ein Entwicklungsprojekt namens "Global Service Corps" in Arusha/ Tansania.

"Er lebt schon länger in Tansania als ich. Seine drei Söhne sind nach dem Studium alle wieder nach Tansania zurückgekehrt und wohnen bei ihm im Haus. Ich kenne sie gut. Sie waren früher bei mir im Kindergottesdienst, ich habe mit ihnen im Schwimmbad getobt. Wir sind

uns zugetan, was ja wichtig ist bei meiner Beziehung zu ihrem Vater", berichtet Wohlenberg.

"Erwins Frau war meine Freundin. Nach ihrem Tod blieb eine tiefe Traurigkeit bei ihm zurück, die er immer im Herzen trug. Ich möchte sein Herz aufheitern. Gott hat mir ja ein besonders fröhliches Herz geschenkt, mit dem ich jetzt den Erwin anstecken möchte. Er kann schon wieder lachen. Es klingt sehr schön. Er ist ein gläubiger Christ, hat eine höfliche freundliche Art, die alle Herzen gewinnt. Wir beide sprechen oft Kiswahili statt Englisch miteinander und merken es noch nicht mal, weil uns beiden diese Sprache sehr vertraut ist. Er ist besonnen und gibt gute Ratschläge. Wir sind glücklich mit der Situation und machen das Beste draus."

In Breklum werden von der Familie und den Freunden von Angelika Wohlenberg die Vorbereitungen für die deutsche Hochzeitsfeier getroffen. Sie kommentiert schmunzelnd, dass man hier ja nicht spontan afrikanisch feiern kann, also unter einem Baum fünf Ziegen schlachtet und Löcher für Außentoiletten gräbt.

Noch ist Angelika Wohlenberg unter der alten Adresse zu erreichen: angelika@habari.co.tz "Meinen Namen habe ich noch nicht geändert. Das ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich. Mit dem Pass muss ich in Deutschland zum Amt gehen. Dann werde ich Wohlenberg-Kinsey heißen."

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