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Tag des Erfinders : Made in SH: Berühmte Erfindungen aus Schleswig-Holstein

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Anti-Rutsch-Socken und das Faxgerät kennt jeder. Aber wer hätte gedacht, dass diese Erfindungen aus Schleswig-Holstein kommen. shz.de hat sich auf die Suche nach bekannten Tüfteleien gemacht.

Am Sonntag ist der Tag des Erfinders. shz.de hat sich deswegen in der schleswig-holsteinischen Geschichte umgesehen und nach bekannten Erfindungen aus dem Land geforscht. Dabei kamen einige Überraschungen zutage.

Fax

Erfinder Dr. Rudolf Hell während seines Geburtstagsempfangs anlässlich seines 100 Geburtstag im Kieler Rathaus.
Erfinder Dr. Rudolf Hell während seines Geburtstagsempfangs anlässlich seines 100 Geburtstag im Kieler Rathaus. Foto: imago/Nordpool/Tittel
 

Mehrere Erfindungen, die die Kommunikation revolutioniert haben, kommen aus Kiel. Hier entwickelte der Ingenieur Dr. Rudolf Hell 1956 das Faxgerät. Das Kleinfaxgerät KF 108 brauchte damals um die vier Minuten zur Übertragung einer DIN A5-Seite über die Telefonleitungen. Nach den neuesten Standards mag einem diese Zeit sehr lang vorkommen – damals aber trat das Gerät seinen internationalen Siegeszug an. Viele Postverwaltungen nutzen das Fax zur Übertragung von Telegrammen.

Noppensocken

Inzwischen gibt es die Flocken in allen denkbaren Designs.
Inzwischen gibt es die Flocken in allen denkbaren Designs. Foto: MAHE
 

Die nächste Erfindung dürfte eher die Kleineren unter uns interessieren. Was tun, wenn man beim Spielen, Toben und Laufen lernen andauernd ausrutscht? Diese Frage stellte sich Manfred Heuer, als seine Tochter mit dem Laufen begann. Der Luftfahrtingenieuer hatte eine Maschine zum Beflocken von T-Shirts gebaut. Kurzerhand funktionierte er seine Erfindung um: zum Anbringen kleiner Silikonpunkte auf Socken. Das war die Geburtsstunde der ersten Anti-Rutsch-Socken. 1987 brachte er mit seiner Firma MAHE aus Nortorf die warmen und hilfreichen Socken auf den Markt. Mittlerweile gibt es sie nicht nur mit Punkten, sondern mit verschiedenen Mustern wie Karotten oder Tieren.

Kreiselkompass

Der Kreiselkompass wird auch heutzutage noch verwendet, wie an Bord dieser Segelyacht.
Der Kreiselkompass wird auch heutzutage noch verwendet, wie an Bord dieser Segelyacht. Foto: imago/Mcphoto
 

Für die Schifffahrt war die Erfindung des Konstrukteurs und Fabrikanten Hermann Anschütz-Kaempfe wichtig: Der Kreiselkompass funktioniert unabhängig vom Erdmagnetismus und zeigt daher die astronomische Nordrichtung an. Ab 1901 entwickelte er den damals gebräuchlichen Magnetkompass weiter. 1904 war es soweit: Mit der Kaiserlichen Marine in Kiel erprobte Anschütz-Kaempfe seinen ersten Kreisel-Richtungshalter in der Ostsee. Seitdem arbeitete er ständig an seiner Erfindung weiter. 1907 folgte der erste Kreiselkompass der Welt, der ein Jahr später bereits auf dem Linienschiff SMS Deutschland verwendet wurde. 1925 kam der verbesserte Kugelkompass auf den Markt. Neben dem GPS ist die optimierte Variante, der Drei-Kreisel-Kompass, noch immer das wichtigste Navigationsinstrument für Schiffe.

Echolot

Das Echolot hilft den Kapitänen zur Bestimmung der Wassertiefe.
Das Echolot hilft den Kapitänen zur Bestimmung der Wassertiefe.
 

Neben dem Kreiselkompass ist das Echolot von Alexander Behm ein gängiges Gerät in der Schifffahrt. Es dient der Messung von Wassertiefen. Das Prinzip ist einfach: Man misst die Zeit, die zwischen dem Senden eines Schalls und der Ankunft der von einem Gegenstand reflektierten Schallwelle vergangen ist. Grund für Behms Interesse war der Untergang der Titanic. Seine Versuche, ein Eisberg-Ortungssystem zu entwickeln, mündeten im Sonometer. Mit dem Kreiselkompass-Erfinder Hermann Anschütz-Kaempfe arbeitete er in Kiel weiter an seiner Entwicklung. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte er zudem das Behm-Lot, das heutzutage als Echolot bekannt ist. Neben der Schifffahrt wird es auch in der Luftfahrt und der Geologie genutzt. Alexander Behm war über die Erfindung des Echolts hinaus ein fleißiger Tüftler: Er meldete über 100 Patente an.

Scheibenwischer (ach nein, doch nicht)

Keine schleswig-holsteinsiche Erfindung: Der Scheibenwischer stammt aus den USA.
Keine schleswig-holsteinsiche Erfindung: Der Scheibenwischer stammt aus den USA. Foto: Hendrik Schmidt
 

An dieser Stellte sollte vielleicht mal ein lang anhaltendes Gerücht klar gestellt werden: Albert Wilhelm Heinrich von Preußen gilt als Erfinder des ersten Scheibenwischers. Er erhielt 1908 ein Patent für ein von Hand betriebenes „Abstreiflineal“, das bei Regen für einen besseren Durchblick sorgte. Allerdings war er nicht der Erste. „Den Scheibenwischer gab es nämlich schon seit 1903, erfunden von einer Amerikanin, Mary Anderson aus Alabama“, sagt Historikerin Christina Schmidt, die ihre Doktorarbeit über Prinz Heinrich schreibt.

Scuddy

Klein, faltbar und leicht: Der Scuddy hat eine europaweite Straßenzulassung.
Klein, faltbar und leicht: Der Scuddy hat eine europaweite Straßenzulassung. Foto: Scuddy
 

Eine Erfindung, die auf jeden Fall made in Schleswig-Holstein ist, ist der Scuddy. Das ist ein Elektroroller, der einer Vespa ähnelt. „Aber unser Roller wiegt mit 27,5 Kilogramm rund 100 Kilo weniger als eine Vespa“, sagt Scuddy-Erfinder Jörn Jacobi. Zusammen mit seinem Kumpel Tim Ascheberg hat er bereits das Abitur gemacht, Maschinenbau studiert und einen Master in BWL drangehängt. Erfahrungen beim Fahrzeug-Bau sammelten die beiden bei der Formula Student der Fachhochschule Kiel. 2009 begannen dann die ersten Tüfteleien am Roller. Mit Erfolg: Seit Februar 2013 sind bereits über 100 Roller in ganz Europa ausgeliefert worden. Der Elektro-Roller hat eine Reichweite von 30 Kilometern und kann mit einem Ladegerät an einer normalen Steckdose geladen werden. Wer sich jetzt fragt, warum der Roller Scuddy heißt: „Es setzt sich aus Scooter und Buddy (Freund) zusammen“, sagt Jacobi. „Er ist so klein, dass er wie ein Freund  immer mit dabei ist.“

Der Club der Erfinder

Für ihre Ideen sind die Mitglieder des Erfinderclubs gerade ausgezeichnet worden. Symbolbild
Für ihre Ideen sind die Mitglieder des Erfinderclubs gerade ausgezeichnet worden. Symbolbild Foto: imago/McPhoto
 

Schleswig-Holsteins Tüftler und Erfinder haben übrigens seit 14 Jahren einen eigenen Club. Gerade zurück von der Erfindermesse in Nürnberg ist Hans-Jürgen Lenz vom Erfinderclub Schleswig-Holstein. Und der Ausflug hat sich gelohnt: „Für einen Gartenhäcksler, der so fein zerkleinert, dass man gleich kompostieren kann, haben wir eine Goldmedaille gewonnen“, sagt er. Mit elf Erfindungen war der Club vertreten, und acht Medaillen brachten sie mit in den Norden zurück. Die nächsten wegweisenden Erfindungen made in SH sind also gesichert.

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erstellt am 07.Nov.2014 | 21:00 Uhr

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