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Schleswig-Holstein

23. August 2017 | 08:28 Uhr

Rumänien : Lynchjustiz an Straßenhunden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach dem Tod eines Jungen durch Straßenhunde in Bukarest ist in Rumänien eine regelrechte Hetzjagd auf die Streuner ausgebrochen.

In Rumänien läuft seit Wochen eine einzigartige Hatz auf Straßenhunde. Von „Lynchjustiz“, „Massaker“, „Barbarei“ und „blutiger Hetzjagd“ sprechen Tierschutzverbände. Auch deutsche Organisationen vom Deutschen Tierschutzbund über Vier Pfoten und den Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) bis Tasso laufen Sturm gegen den Ausbruch von Hass und Gewalt, der Anfang September seinen Ausgang nahm.

Anlass war den Informationen zufolge ein Beißvorfall auf einem Privatgelände in Rumäniens Hauptstadt Bukarest, bei dem ein vierjähriger Junge getötet wurde. Das Kind sei mit seinem Bruder unbeaufsichtigt auf ein Privatgelände gelaufen, hieß es. Nur wenige Tage später verabschiedete das Parlament ein Gesetz, das die Tötung von herrenlosen Hunden nach 14 Tagen Tierheimaufenthalt erlaubt – und das, obwohl laut einem Urteil des rumänischen Verfassungsgerichts vom vergangenen Jahr Straßenhunde unter Schutz stehen. Der deutsche Tierschutzbund hat beim rumänischen Botschafter in Berlin gegen das Gesetz protestiert.

Zudem werde eine aufgepeitschte Bevölkerung von Medien und Politikern regelrecht zur Lynchjustiz an Hunden aufgerufen – „und viele Bürger beteiligen sich an der blutigen Hetzjagd auf Welpen, trächtige Hündinnen, Junghunde und erwachsene Tiere“, beschreiben vor Ort tätige Mitarbeiter des bmt die Situation. Die aufgestaute Wut der Menschen wegen der Korruption und der schlechten wirtschaftlichen Situation werde „auf die Straßenhunde kanalisiert“, so auch die Kritik von Tasso.

Tatsächlich ist die Zahl der herrenlosen Hunde ein Problem in Rumänien; allein in Bukarest sollen es mehrere Tausend sein. Tierschützer appellieren immer wieder, dass die Tötung dieses Problem nicht löst, sondern nur eine Kastration der Tiere, und Verbände wie Vier Pfoten und der bmt organisieren gemeinsam mit örtlichen Tierschützern Kastrationsaktionen.

„Unsere mobilen Streunerhilfe-Teams haben in den letzten Jahren alleine in Bukarest 10 600 Streuner eingefangen, kastriert und wieder freigelassen, in ganz Rumänien belaufen sich die Zahlen der behandelten Tiere auf rund 100 000“, so der Kampagnendirektor von Vier Pfoten Gabriel Paun. Vor wenigen Tagen nun berichtete die Tierärztin Dr. Anca Tomescu, die die Vier-Pfoten-Streunerhilfe in Rumänien leitet, dass die Behörden ihrem Team den Zugang zur Bukarester Tierklinik verwehren und damit ihre Arbeit unterbinden.

Tierschützer werfen Medien und Behörden außerdem vor, den tragischen Tod des Jungen zum Anlass zu nehmen, um den Aktivitäten der rumänischen „Hundemafia“ Vorschub zu leisten. Denn die Beseitigung des Streunerproblems sei ein einträgliches Geschäft, hatte die bmt-Vorsitzende Petra Zipp kürzlich in einem Interview mit „Schleswig-Holstein am Sonntag“ erklärt: „Die Hundefänger lassen sich von Gemeinden für das Einfangen und Unterbringen der Tiere bezahlen. Die sperren sie dann unter unwürdigen Bedingungen ein, viele sterben noch während des Transportes oder im Lager. So spart man sich die Kosten für die spätere Tötung.“

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erstellt am 22.Sep.2013 | 11:27 Uhr

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