Feinstaub-Verordnung : Luftverpester Holzofen: Verbraucher müssen nachrüsten

Gemütlich, aber umweltschädlich: Durch Holzfeuerungsanlagen wird in Deutschland mehr Feinstaub produziert, als aus Auspuffen von Pkw und Lkw kommt.

Gemütlich, aber umweltschädlich: Durch Holzfeuerungsanlagen wird in Deutschland mehr Feinstaub produziert, als aus Auspuffen von Pkw und Lkw kommt.

Mehr Feinstaub als Lkw und Pkw – ab 2018 müssen viele Anlagen umweltfreundlicher werden. Aber auch richtiges Heizen ist wichtig.

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01. Dezember 2017, 21:08 Uhr

Es wird kalt in Schleswig-Holstein. In vielen Wohnzimmern knistern jetzt wieder die Kaminfeuer, volle Holzkörbe, behagliche Wärme, die Flammen tauchen die eigenen vier Wände in ein romantisches Licht. Rauch steigt vielerorts aus den Schornsteinen. Zeit für Gemütlichkeit.

Aber jetzt kommt der Stimmungsdämpfer: Kaminöfen schaden der Umwelt – insbesondere ältere Modelle. Und so könnte es für viele Menschen auch in Schleswig-Holstein schon ab 1. Januar 2018 heißen: Austauschen, nachrüsten oder der Ofen ist aus. Eine Verordnung soll den Schadstoffausstoß reduzieren.

Heizen mit Holz gilt als ökologisch. Aber das stimmt nur bedingt. Denn die Anlagen sind regelrechte Feinstaubschleudern. 18.000 Tonnen stoßen die sogenannten kleinen Holzfeuerungsanlagen in Deutschland jährlich in die Atmosphäre, berichtet das Umweltbundesamt (UBA). Mittlerweile mehr als die Emissionen aus den Motoren von LKW und PKW – wobei hier der Reifenabrieb nicht mit eingerechnet ist. Hinzu kommen andere Schadstoffe wie etwa organische Verbindungen aus unvollständiger Verbrennung – darunter auch krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.

Rund 15 Millionen dieser Einzelraumfeuerungsanlagen gibt es in Deutschland (UBA, 2016). In Schleswig-Holstein liegt die Zahl bei rund 400.000 Anlagen, sagte der Technische Landesinnungswart Jens Uwe Reimers gegenüber shz.de.

Besonderes problematisch sind die älteren Modelle. Bereits seit dem 22. März 2010 gelten deshalb neue Regelungen für Kaminöfen und Holzheizkessel. Die 1. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz (1.BImSchV), die sich mit Grenzwerten, zulässigen Brennstoffen und der Überwachung befasst, wurde erneuert.

Die größten Luftverpester sollen nach und nach aus dem Verkehr gezogen werden. Für alte Öfen hatte man allerdings lange Übergangsfristen festgelegt, die je nach Datum der Typprüfung zwischen 2015 und 2025 auslaufen. Die Grenzwerte (150 mg/m3 Staub und 4 g/m3 CO) sind zudem weniger streng als jene für Neuanlagen. Für Öfen, die im Zeitraum zwischen 1974 und 1984 errichtet wurden, läuft diese Frist am 31. Dezember 2017 ab.

Übergangsfristen für bestehende Einzelraumfeuerungsanlagen:

Zeitpunkt der Typenprüfung laut Typenschild Zeitpunkt der Nachrüstung/Außerbetriebnahme
Vor dem 01.01.1975 (oder nicht mehr feststellbar) 31.12.2014
01.01.1975 bis 31.12.1984 31.12.2017
01.01.1985 bis 31.12.1994 31.12.2020
01.01.1995 bis 22.03.2010 31.12.2024

Schornsteinfeger überprüfen das Einhalten der Grenzwerte. Bei Überschreitung kann eine veraltete Anlage ausgetauscht, oder mit einem Filter nachgerüstet werden. Es gibt aber auch Ausnahmeregelungen: Öfen, die die einzige Heizmöglichkeit einer Wohnung darstellen, historische Öfen (vor 1950 errichtet), Herde, Badeöfen, offene Kamine und handwerklich vor Ort gesetzte Grundöfen sind von der Nachrüstverpflichtung ausgenommen. Weitere Informationen etwa über Grenzwerte, zulässige Brennstoffe und die Überwachung gibt das UBA.

Bei neueren Anlagen wird die Einhaltung der Grenzwerte geprüft, bevor ein Gerätetyp auf den Markt kommt. Deshalb sollte beim Kauf darauf geachtet werden, dass eine entsprechende Bescheinigung beiliegt. Der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) bietet eine Datenbank zur Recherche der Werte des jeweiligen Ofens an.

Kritik kommt allerdings von Umweltschützern, die die Durchschlagskraft der Verordnung in Frage stellen. Ergebnisse der von der EU-Kommission geförderten Studie „beReal“ haben etwa ergeben, dass der Schadstoffausstoß bei der Zulassungsmessung geringer sei, als im Normalbetrieb.

Messgeräte, die Schornsteinfeger benutzen, seien zudem wenig genau, sagte Axel Friedrich vom HKI gegenüber der Frankfurter Rundschau. Ein weiteres Problem sei, dass die Grenzwerte sich an der Masse und nicht an der Anzahl der Partikel orientieren. „Gerade die ultrafeinen Teilchen sind jedoch besonders gesundheitsgefährdend", so Friedrich weiter.

In Schleswig-Holstein seien die meisten austauschpflichtigen Anlagen bereits erneuert, teilte Reimers mit. Viele Betreiber hätten sich darum schon in den vergangenen Jahren gekümmert, nachdem sie bei der Feuerstättenschau darüber in Kenntnis gesetzt wurden. „Anfang des Jahres gab es noch etwa 4500 Einzelfeuerstätten, die bis zum 31. Dezember nachgerüstet, stillgelegt, per Messung nachgewiesen oder ausgetauscht werden müssen.“

In den meisten Fällen lohne sich eine Nachrüstung mit einem Feinstaub-Filter nicht. „Das kostet rund 1500 Euro. Dafür kann man sich lieber einen modernen, umweltfreundlichen Kaminofen kaufen. Damit spart man dann auch bis zu 50 Prozent Feuerholz“, so der Experte. Übrigens: Auch die Art der Befeuerung und die Qualität des Holzes haben Einfluss auf die Feinstaubproduktion.

Heizen mit Holz – Tipps für zuhause:
 

Bedienung

Durch falsches Nachlegen oder zu wenig Feuerholz kann die Emission von Feinstaub deutlich erhöht werden. Brennt das Holz am Anfang zu langsam ab, entstehen zudem viele unverbrannte Kleinstoffe. Deshalb sollte das Holz von oben angezündet und die Luftzufuhr erst verringert werden, wenn das Holz gut brennt.

Brennstoffqualität

Ein Kamin ist keine Müllverbrennungsanlage. Häufig wird aber auch ungeeignetes Holz verbrannt. Durch richtige Lagerung erhält man trockenes Feuerholz. Dieses muss unbehandelt sein. Ideal ist eine Holzfeuchte deutlich unter 20 Prozent. Gesetzlich sind bis zu 25 Prozent erlaubt. Gleichmäßig große Holzscheite sorgen für einen gleichmäßigeren Abbrand.

Optimale Abgasanlagen

Bei zu wenig Zug oder zu geringen Abgastemperaturen verbrennt das Holz nicht richtig.

Neuste Ofentechnik

Es wurden mittlerweile viele Innovationen hervorgebracht, die für bessere Wirkungsgrade sorgen.

Schornstein

Wenn sich im Schornstein oder Ofenrohr eine Rußschicht festsetzt, wird der Ausstoß höher. Eine regelmäßige Wartung ist deshalb nötig.

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