ADFC startet Aktionsjahr : Lübeck: Immer Ärger mit Geisterradlern

Radler müssen mit empfindlichen Strafen rechnen, wenn sie auf der falschen Straßenseite fahren und von der Polizei erwischt werden. Foto: dpa
Radler müssen mit empfindlichen Strafen rechnen, wenn sie auf der falschen Straßenseite fahren und von der Polizei erwischt werden. Foto: dpa

In Lübeck fahren Radler oft auf der falschen Straßenseite, weil das zahlreiche Ausnahmen der Verkehrsordnung zulassen. Der ADFC macht mit einem Aktionsjahr auf das drängende Verkehrsproblem aufmerksam.

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12. April 2013, 10:34 Uhr

Lübeck | Ein gefährliches Ärgernis: Oft sind Radfahrer auf der linken Fahrbahnseite unterwegs - gegen den Verkehr. Strafen und Kontrollen haben nur wenig bewirkt, diese Unsitte zu beseitigen. Der ADFC in Lübeck hat deshalb das Aktionsjahr gegen Geisterradler gestartet.

Jeder Radfahrer kennt die Situation: Soll man für ein kurzes Stück des Weges zwei Mal vor einer Ampel warten? Oft wird dann der Fahrradweg oder der Gehweg auf der linken Seite benutzt. Dabei wird die Gefährlichkeit an Einmündungen und Grundstückszufahrten unterschätzt. "In Lübeck wird rund ein Viertel der Unfälle von Radfahrern verursacht", sagt Carsten Kramer von der Lübecker Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC). Das sei deutlich mehr als beispielsweise in Kiel.

Radler kennen Verkehrsordnung oft nicht

Der ADFC nennt auch Gründe, warum in der Hansestadt das Problem der Geisterfahrer so groß ist. An vielen Stellen - zum Beispiel in der Geniner Straße oder im Herrenholz - werden die Radfahrer per Verkehrszeichen gezwungen, die linke Fahrbahnseite zu nutzen. Laut Straßenverkehrsordnung dürfe es aber eine solche Beschilderung nur in extremen Ausnahmesituationen geben, so Cramer.

Aber auch das Problembewusstsein der Radfahrer fehle häufig. Laut einer Umfrage glauben 17 Prozent der Radler, dass sie einen linksseitigen Radweg nutzen dürfen. 28 Prozent finden ein solches Verhalten in Ordnung, weitere 38 Prozent sind auf der falschen Seite unterwegs, obwohl sie es nicht für richtig halten.

"Bußgelder werden nicht helfen"

"Nur Bußgelder werden nicht helfen", glaubt Cramer. Den Radfahrern müsse die Gefährlichkeit selbst deutlich werden. Das hätten die Erfahrungen mit unbeleuchteten Fahrrädern gezeigt. Diese Verkehrsteilnehmer würden selten in Unfälle verwickelt werden, weil ihnen klar ist, wie gefährlich ihr Verhalten ist. Entsprechend defensiv werde gefahren.

Der ADFC möchte bis Oktober mit vielen Aktionen auf das Problem des Geisterradelns aufmerksam machen. Los geht es am Sonnabend, 13. April, um 10.30 Uhr am Werkhof in der Kanalstraße mit einer Fahrraddemo rund um die Stadt. Ziel ist der Klingenberg. Dort wird den ganzen Tag über an einem Infostand für sicheres Radfahren geworben.

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