Happy-End eines Kunstkrimis : Lösegeld-Erpessung gescheitert – Nolde-Gemälde ist zurück

Nach fast vier Jahren waren Flensburger Ermittler dem mutmaßlichen Drahtzieher auf die Schliche gekommen.

<p>Martin Schulte ist Leiter der Kulturredaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags.</p> von
12. Januar 2018, 16:42 Uhr

Flensburg | Die Geschichte klingt wie der Auszug aus einem schlechten Drehbuch: Etwas zu verworren – und reichlich konspirativ. Dabei sind es Details aus einem ganz realen Fall, die bereits am späten Donnerstagabend durchsickerten. Da wurde öffentlich, dass ein Nolde-Gemälde, das vor knapp vier Jahren aus einer Kirche im dänischen Ølstrup gestohlen wurde, wieder aufgetaucht ist – und sich mittlerweile in Polizeigewahrsam befindet.

Das gestohlene Nolde-Gemälde:

Das Altarbild „Christus zu Emmaus“ von Emil Nolde aus dem Jahr 1904.
Foto: Nolde Stiftung Seebüll

Das Altarbild „Christus zu Emmaus“ von Emil Nolde aus dem Jahr 1904.

 

Das 60 mal 80 Zentimeter große Altar-Bild mit dem Titel „Christus zu Emmaus“ (Foto) war im März 2014 entwendet worden. Es gab damals keine Einspruchs-Spuren an der Kirchentür, die Polizei vermutete, dass sich die Täter über Nacht hatten einschließen lassen.

Am Freitag nun gab die Staatsanwaltschaft Flensburg Details zu dem Fall bekannt. Demnach habe sich im November 2016 ein Erpresser unter dem Pseudonym „Kulturfreund“ an die Nolde-Stiftung in Seebüll gewandt und das Bild gegen eine „Aufwandsentschädigung“ von 130.000 Euro (ein Zehntel des postulierten Wertes von 1,3 Millionen Euro) angeboten. Die Stiftung informierte daraufhin die Polizei. Die Flensburger Kripo tat sich zunächst schwer, der Spur des Erpressers zu folgen, denn der „Kulturfreund“ kommunizierte mit der Nolde-Stiftung ausschließlich über verschlüsselte Online-Kanäle.

Im November 2017 dann der Durchbruch: Nachdem eine Anwaltskanzlei aus Schleswig-Holstein von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht worden war, stießen die Ermittler auf einen Mann, der derzeit (und auch schon zur Tatzeit) eine Haftstrafe absitzt. „Wir hatten den Verdacht, dass er die Diebe aus dem Gefängnis heraus bei der versuchten Erpressung unterstützt hatte“, sagte gestern Ulrike Stahlmann-Liebelt von der Staatsanwaltschaft Flensburg. Der Mann konnte am Ende überzeugt werden, bei der Rückgabe des Bildes zu vermitteln. Am 22. Dezember des vergangenen Jahres wurde „Christus zu Emmaus“ schließlich in einer Privatwohnung von einem Rechtsanwalt an die Polizei übergeben. „Obwohl es in Decken eingewickelt und wohl einigermaßen sorgfältig verwahrt worden war, war an einigen Stellen Farbe vom Bild abgeplatzt“, sagte Stahlmann-Liebelt; im Zuge der Rückgabe sei kein Geld gezahlt worden sei.

Derzeit befindet sich das Bild noch bei der Polizei: „Für weitere Untersuchungen und Spurensicherungen“, wie es offiziell heißt. Denn die Diebe und Erpresser seien noch nicht gefasst, deshalb würde die Polizei auch entsprechend weiter ermitteln. „Für uns wichtig, zunächst einmal das Bild zu sichern.“

Astrid Becker, stellvertretende Direktorin der Nolde-Stiftung, bezeichnete das Auffinden des Gemäldes als großen Glücksfall. Das 1904 entstandene Gemälde sei laut Becker eine Auftragsarbeit für eine dänische Adelsfamilie gewesen.

Wann das Altar-Gemälde nach Dänemark zurückgeht – und ob es künftig wieder in der Ølstruper Kirche ausgestellt wird, war gestern noch nicht klar.

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