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Lauenburg, Flensburg, Kiel : Liegengebliebene Hundehaufen: Das 10.000-Euro-Geschäft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hundehalter in SH müssen die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner entsorgen. Sonst kann es teuer werden.

Lauenburg/Kiel/Flensburg | Hundebesitzer im Land sind aufgeschreckt – zumindest im äußersten Südosten Schleswig-Holsteins. In Lauenburg an der Elbe flatterte den Haltern ein Schreiben der Stadt ins Haus, das unmissverständlich klar macht: Wer seiner Pflicht zur Entsorgung des Hundekots nicht nachkommt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro. Grundlage dafür ist das neue Hundegesetz des Landes, das seit dem 1. Januar in Kraft ist. Die „Bergedorfer Zeitung“ berichtete über diesen Fall – und über prompte Reaktionen von Hundebesitzern via Facebook. „Unverhältnismäßig und überzogen“ sei das, meinen die Halter.

Konflikte zwischen Hundehaltern und anderen Spaziergängern gibt es immer wieder - auch aus anderen Gründen. In Kollmar beispielsweise forderten die Piraten jüngst Hunde-Zonen, weil sie in den freilaufenden Hunden eine Gefahr sehen.

„Das ist lediglich der rechtlich vorgegebene Rahmen“, beruhigte gestern Thomas Burmester, Leiter des Bürgeramtes der Stadt Lauenburg, gegenüber dem sh:z. „Aber so läuft das natürlich nicht.“ Vielmehr werde beim ersten Mal zunächst nur eine Ermahnung ausgesprochen – und im Wiederholungsfall sei dann vielleicht ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro fällig, sagt Burmester. Zudem räumt der Lauenburger Bürgeramtsleiter ein: Ein Bußgeld wegen eines Hundehaufens sei in seiner Stadt noch nicht verhängt worden.

Ob überhaupt jemals in einer Gemeinde in Schleswig-Holstein ein Hundebesitzer wegen der Hinterlassenschaft seines Vierbeiners zahlen musste, ist bislang nicht bekannt. „Wir haben ebenfalls noch kein Bußgeld verhängt“, sagt jedenfalls Clemens Teschendorf, Sprecher der Stadt Flensburg. Die Kontrollmöglichkeiten seien allerdings auch gering. Denn: „Sie müssen ja zunächst einen Hund in flagranti erwischen – und dann muss gerade jemand vor Ort sein, der befugt ist, die Personalien des Halters aufzunehmen“, sagt Teschendorf. Dies sei ein immens hoher Aufwand – und kaum zu leisten.

Dies wird in Ahrensburg im Kreis Stormarn genauso gesehen: „Wir laufen nicht auf Schritt und Tritt hinter jedem Hundehalter her“, sagt Stadtsprecherin Imke Bär. Es werde auch niemand wegen des neuen Hundegesetzes neu eingestellt. Gleichwohl habe die Stadt in einer Mitteilung nochmal darauf hingewiesen, „dass die hohen Strafen drohen“.

Zwar galt eine fahrlässig platzierte Hinterlassenschaft auf dem Bürgersteig schon immer als Ordnungswidrigkeit – aber die Möglichkeit, deshalb hohe Bußgelder zu erheben, ist neu, wie Innenministeriumssprecher Patrick Tiede und der FDP-Tierschutzexperte Oliver Kumbartzky, dessen Fraktion im Landtag das neue Hundegesetz angestoßen hatte, bestätigen. „Gerade diese Möglichkeit wurde auf Anregung der Ordnungsämter in das neue Gesetz mit aufgenommen“, sagt Kumbartzky.

Allerdings: Mit Blick auf einen festgelegten Bußgeldkatalog für Hundekothaufen befänden sich die meisten Kommunen im Norden noch in der „Findungsphase“, berichtet Flensburgs Sprecher Teschendorf. Er appelliert im selben Atemzug an die Vernunft eines jeden Halters: „Hundekot auf dem Bürgersteig ist immer ein Ärgernis.“

Immerhin: 3554 Hunde gibt es in der 93.000 Einwohner zählenden Stadt Flensburg. Und eine Stadt von dieser Größe „braucht nicht nur freundliche Hunde, sondern insbesondere rücksichtsvolle Menschen“, lässt der Oberbürgermeister in einem versöhnlichen Flyer die Hundehalter wissen. „Damit Fußgänger nicht Sorge haben müssen, in einen Haufen zu treten und Kinder nicht durch Hundekot in Spielanlagen und Sandkästen gesundheitlich gefährdet werden.“

Ähnlich vorsichtig äußert sich der Bürgeramtsleiter von Lauenburg, wo neben 11.800 Einwohnern auch 882 Hunde zu Hause sind: „Entlang der touristischen Gebiete wie dem Elbufer trifft man meistens auch auf vernünftige Hundehalter“, sagt Burmester. Und Ahrensburgs Stadtsprecherin Imke Bär beschwichtigt: „Hundekot ist auch bei uns kein übermäßiges Problem.“  Nicht zuletzt will der FDP-Tierschutzexperte Kumbartzky mit dem neuen Gesetz dies erreichen: „Ein gutes Miteinander von Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern.“

In Husum scheint das bereits gelungen – an der Marienkirche mitten in der Stadt gibt es sogar eine Hundetoilette.

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erstellt am 09.Apr.2016 | 12:50 Uhr

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