Nach Onlinepetition : Lehrerverbände sind gegen Winterferien in SH

Während es unter Vertretern von Schülern und Eltern in Schleswig-Holstein Befürworter und Gegner von möglichen Winterferien gibt, sieht das Stimmungsbild bei den Lehrergewerkschaft GEW und  dem Philologenverband anders aus. Sie sind gegen Winterferien.

Während es unter Vertretern von Schülern und Eltern in Schleswig-Holstein Befürworter und Gegner von möglichen Winterferien gibt, sieht das Stimmungsbild bei den Lehrergewerkschaft GEW und  dem Philologenverband anders aus. Sie sind gegen Winterferien.

Es gebe wesentlich wichtigere Probleme heißt es von der Lehrergewerkschaft GEW und dem Philologenverband.

fju_maj_0203 von
18. Juni 2018, 06:44 Uhr

Kiel | Es gibt durchaus glühende Befürworter, aber wenn die Idee von Winterferien in Schleswig-Holstein mehrheitsfähig werden soll – dann müssen noch viele Skeptiker überzeugt werden. So sieht das Stimmungsbild bei Schülern, Eltern und Lehrern aus.

Die Debatte über einwöchige Ferien im Februar oder Anfang März hat der Bildungsausschuss des Landtags zurück auf die politische Tagesordnung geholt. Vorausgegangen war eine Online-Petition von Wintersport-Begeisterten für eine solche Pause.

„Nicht wegen der Gelegenheit zum Skifahren“

Erklärte Anhänger von Winterferien sind die Landesschülersprecher der Gymnasien und der Berufsbildenden Schulen, Christin Godt und Konstantin von Gregory. „Allerdings definitiv nicht wegen der Gelegenheit zum Skifahren, denn das können sich die wenigsten Familien leisten“, betont Godt. Sie ist für Winterferien, „weil das den Schülern hilft, gut zu lernen“. Bei einem späten Ostertermin seien „14 bis 15 Wochen am Stück Schule – das ist eine wahnsinnig lange Strecke, auf der die Motivation verloren gehen kann“. Einsparen würde die oberste Vertreterin der Gymnasiasten die Woche eher in den Oster- als in den Herbstferien.

 

„Zermürbend“ findet von Gregory den langen Abschnitt zwischen Weihnachten und Ostern. „Winterferien sind deshalb eine hervorragende Idee. Diese Pause würde die Lernbereitschaft davor und danach fördern.“ Er schlägt vor, dafür von den Herbstferien nur zwei Tage und weiter drei bewegliche Ferientage zu nehmen, die hauptsächlich im Mai oder Juni vergeben werden. Seine Begründung: „Das Verhältnis zwischen andauernd frei zwischen Ostern und Sommer und nie frei in den Monaten vor Ostern stimmt nicht.“

Sein Amtskollege von den Gemeinschaftsschulen, Kjell Morten Florian, argumentiert genau andersherum: „Im Februar schon wieder Ferien zu haben, unterbricht zu schnell den Lernfluss. Das ist ungünstig, weil nach Silvester meistens neue Themen begonnen werden.“ Ebenso meint Florian: „Die Schule soll ja auch auf das spätere Leben vorbereiten – und im Beruf habe ich ja wohl auch nicht so oft frei.“

Sommerferien verkürzen?

Der Vorsitzende des Landeselternbeirats der Gemeinschaftsschulen, Thorsten Muschinski, würde am liebsten die Sommerferien verkürzen – die findet er „einfach zu lang“. „Nach den sechs Wochen brauchen die Kinder Wochen, bis sie wieder im Schulalltag drin und aufnahmefähig sind.“ Muschinski bereitet gerade eine Umfrage zu Winterferien unter den Elternbeiräten sämtlicher Gemeinschaftsschulen vor.

Das Gleiche kündigt Thomas Wulff, Landeselternbeiratsvorsitzender der Gymnasien, an. Bisher vernimmt er in den eigenen Reihen „total unterschiedliche Tendenzen“. Wulff persönlich findet: „Wir brauchen keine Winterferien.“ Schon allein, „weil die Woche im Gegenzug irgendwo anders gekappt werden müsste“.

„Die wenigsten haben Gelegenheit, im Februar wegzufahren“

Ablehnung kommt von den Lehrerverbänden: Da sind sich die Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft (GEW) und der Philologenverband ausnahmsweise einmal einig. Sowohl GEW-Vorsitzende Astrid Henke als auch Philologen-Vorsitzender Jens Finger betonen: „Es gibt wesentlich wichtigere Baustellen in der Bildungspolitik als Winterferien.“ „Eine erneute Unterbrechung schon drei, vier Wochen nach den Weihnachtsferien wäre negativ“ findet Finger. „Man ist auch mal für einen längeren Abschnitt dankbar, damit man wirklich mal was an einem Stück schaffen kann“, sagt der Repräsentant der Gymnasiallehrer.

GEW-Chefin Henke bekennt sich zwar dazu, dass sie persönlich Winterferien zum Langlaufen nutzen würde. Die Gewerkschaftsmeinung sei jedoch nach breiter Diskussion vor einigen Jahren ablehnend ausgefallen. „Wir sollten es aus Sicht der Kinder betrachten, und da haben einfach die wenigsten Gelegenheit, im Februar wegzufahren. Weil die Eltern zu der Jahreszeit auch kaum Urlaub nehmen, wären die Kinder dann auf sich allein gestellt.“ Trotzdem ahnt Henke, dass das Thema nicht so schnell wieder verschwindet: „Ich kann mir vorstellen, dass wir nochmal neu drüber nachdenken.“

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