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Flüchtlinge in SH : Leere Erstaufnahmen: Helfer sind frustriert

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nur ein Drittel der Flüchtlingsunterkünfte in SH ist noch belegt. Die Betreuer fühlen sich nicht mehr ausgelastet.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2016 | 15:46 Uhr

Unter den Mitarbeitern der Betreuungsverbände in den Erstaufnahmen für Flüchtlinge in SH beginnt es zu gären: „Viele sind frustriert, weil so wenig zu tun ist“, schildert Stefan Krause, Kreis-Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Lübeck. Hinzu komme Nervosität, weil sich Beschäftigte „Sorgen machen, wie es für sie mittelfristig weitergeht.“

Europa schließt seine Grenzen - und nach SH kommen weniger Flüchtlinge.

Mehr als 300 Sozialpädagogen, Erzieher, Hauswirtschafter, Dolmetscher, Arzthelferinnen, Mediziner und andere hat das DRK in 13 Landesunterkünften angestellt. In zwei weiteren sind die Johanniter tätig. Die Flüchtlinge leben dort rund sechs Wochen bis zur Verteilung auf die Kommunen. Ausgelegt ist diese Personalstärke auf 12.752 Plätze. Belegt sind jedoch angesichts der Abriegelung der Balkanroute nur 4313. Allein im Containerdorf auf dem Volksfestplatz in Lübeck kommen derzeit 70 Mitarbeiter auf nur 250 Flüchtlinge. 850 Plätze stehen leer.

Krause fürchtet eine „Ressourcenverschwendung“ und fordert vom Land „mehr Flexibilität“: Allein die Stadt Lübeck müsse noch 600 Asylbewerber in Notunterkünften und Hotels unterbringen – die sollten doch lieber länger in den Erstaufnahmen wohnen. Ebenso wie die 700 Flüchtlinge, die in Hamburg in einstigen Baumärkten und Hallen hausen. Schließlich appelliert Krause, auch Notleidende aus Idomeni nach Schleswig-Holstein zu holen – „die Plätze und Betreuer sind eh da und finanziert“.

Dieselbe Forderung hat Sibylle Lindenberg, eine pensionierte Ärztin, die das DRK regelmäßig in der Erstaufnahme Glückstadt einsetzt, gestern per Brief an Ministerpräsident Torsten Albig gesandt: „Die millionenschweren Investitionen müssen doch auch ihre Berechtigung haben“, argumentiert sie. Andreas Moll, DRK-Leiter der Landesunterkunft Kellinghusen, berichtet: „Die Führungskräfte sind damit beschäftigt, die Mitarbeiter jeden Tag extra zu motivieren“. Dass wenige Bewohner nachkämen, sei „durchaus mit Bauchschmerzen verbunden“.

Noch gebe es keine Langeweile. Genutzt werde die Zeit für Fortbildungen, bauliche Verschönerungen oder umfassendere Freizeitprogramme. Ähnliches schildert Lars Christophersen, DRK-Chef der Unterkunft im nordfriesischen Seeth. Auch bleibe Zeit für organisatorische Verbesserungen, individuellere Zuwendung und zum Abbau von Überstunden aus dem heißen Herbst. Die Glückstädter DRK-Koordinatorin Ortrud Michel findet es „schön, endlich mal zu agieren statt nur zu reagieren“.

Die Vertragslaufzeiten für Betreuungsverbände und Mitarbeiter schwanken zwischen diesem Sommer und 2019. Ob früher „Anpassungen“ nötig sind, hängt für DRK-Landes-Chef Torsten Geerdts von Entscheidungen der Küsten-Koalition ab. Dafür ist es laut Innenministeriumssprecher Hendrik Peters zu früh. Vorsorglich müssten die Kapazitäten aufrechterhalten werden; „ansonsten wird im Sommer neu nachgedacht“.

Für freiwillige Abnahmen aus Hamburg außer den bereits für eine neue Unterkunft in Bad Segeberg vereinbarten sieht Peters „den Ball im Spielfeld der Hansestadt“. Über eine Aufnahme von Idomeni-Flüchtlingen wurde laut Peters im Ministerium „diskutiert“. Ob es zu einer Initiative dafür komme, sei nur auf Ministerpräsidenten-Ebene zu entscheiden. Albig jedoch ist noch im Urlaub.

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