Brunsbüttel : Leben am Atommeiler

Jasmin Schiller. Foto: Brumm
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Jasmin Schiller. Foto: Brumm

Momentaufnahme: Die Menschen in Brunsbüttel leben seit 1976 mit einem Kernkraftwerk in ihrer Nähe. In einer Umfrage äußern sie ihre Meinung.

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13. März 2011, 02:10 Uhr

Brunsbüttel | Die Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima entsetzt auch die Menschen in Brunsbüttel. Auch bei ihnen steht ein Siedewasser-Reaktor, der als "Pannenmeiler" gilt. Haben die Brunsbütteler Angst? Wie leben sie mit dem Atommeiler in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Schleswig-Holstein am Sonntag fragte nach.
"Das ist traurig in Japan", sagt Frank Kählau (59), der sich Gedanken wegen der Strahlen macht - sie könnten vielleicht bis nach Deutschland reichen. "Man kann ja nie wissen", meint der Fest macher und fügt hinzu: "Von mir aus könnten alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden." Aber man könne ja selbst nicht tun.
Sein Freund Klaus Mann (53) ist ebenfalls entsetzt über den AKW-Vorfall in Japan, wundert sich: "Dass das so schnell passieren kann." Mit Blick auf das Kernkraftwerk in der Nähe hat er aber kein ungutes Gefühl. "Ich habe keine Bedenken, da ist alles richtig abgesichert", meint der Brunsbütteler, der als Facharbeiter selbst im AKW arbeitet.
"Lieber neues Kernkraftwerk als Kohlekraftwerk"
Beunruhigt ist ebenso wenig Horst Timmermann, der in der Sonne seinen Kaffee genießt: "Ich mache mir keine Gedanken, weil wir hier keine Erdbeben haben." Als Schlosser habe er selbst am Bau des Kraftwerks mitgebaut, erzählt der Brunsbütteler. "Für mich ist das in Ordnung", sagt der 63-Jährige und fügt hinzu, dass er sich über den Ökostrom ärgere, der den Strompreis verteuert. "Einen Kopf" macht sich Timmermann um die armen Menschen in Japan. "Das ist wirklich schlimm, gerade in Japan, damals die beiden Atombomben und jetzt das Atomkraftwerk."
Gleich nebenan sitzt Jasmin Schiller (27), Mutter eines kleinen Kindes: "Als ich das gehört habe, habe ich es mit der Angst bekommen", sagt sie und schaut dabei in die Kinderkarre: "Man muss ja auch an die Zukunft denken."
Ein "bisschen nachdenklich" werde man schon, doch beunruhigt ist Rüdiger Gaulke (30) nicht. "Wir haben bei uns ja keine Erdbeben." Der Familienvater arbeitet selbst im Kernkraftwerk Brunsbüttel, ist von der Technik überzeugt. "Ich hätte lieber ein neues Kernkraftwerk als ein Kohlekraftwerk, schon wegen der Umwelt."
(db, shz)

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