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Mehr Stallhaltung : Landwirtschaft: Der große Weide-Schwund

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holstein hat seit 2000 fast ein Fünftel Dauergrünland verloren.

von
erstellt am 16.Jan.2016 | 17:02 Uhr

Kiel | Grasende Kühe auf Wiesen und Weiden – das ist ein Bild, das Schleswig-Holstein vielerorts prägt und sozusagen eine Win-win-Situation ist. Den Kühen tun frische Luft und frisches Gras gut, gleichzeitig sorgt der Bewuchs dafür, dass der starke Wind dem Boden relativ wenig anhaben kann. Fast ein Drittel der Agrarfläche in Schleswig-Holstein wird in dieser Form als Dauergrünland genutzt. Doch der Anteil ist in den letzten Jahren dramatisch geschrumpft, wie der in dieser Woche von Heinrich-Böll-Stiftung und Umweltschutzorganisation BUND veröffentlichte „Fleischatlas 2016“ zeigt.

Die Landwirtschaft hat sich auch wegen der schlechten Milchpreise immer weiter industriealisiert. Verbraucher entscheiden sich oftmals gegen Produkte, die ökologisch hergestellt werden.

In keinem anderen Bundesland ging die als Dauergrünland, also ohne Bodenbearbeitung bewirtschaftete Fläche, seit dem Jahrtausendwechsel so stark zurück wie im nördlichsten. Knapp 90.000 Hektar Wiesen und Weiden wurden zwischen 2000 und 2010 umgebrochen, wie Zahlen des Statistikamts Nord zeigen. Das entspricht einer Abnahme von über 20 Prozent. Die Autoren der Studie sprechen von einem „besorgniserregenden Trend“. Allerdings gibt es auch eine gute Nachricht: Mittlerweile hat es eine Trendumkehr gegeben. Seit einigen Jahren nimmt der Flächenanteil wieder zu – zwar langsam, aber stetig.

Dauergrünland in SH
2000 403.264 ha
2007 342.427 ha
2010 313.892 ha
2015 319.700 ha
Zum Vergleich: Die Grundfläche der Bahnsteighalle des Hamburger Hauptbahnhofs misst gut 1 ha.

Gründe für den dramatischen Rückgang sind in erster Linie die zunehmende industrielle Tierhaltung, bei der Tiere in Ställen statt auf Weiden gehalten werden, sowie der wirtschaftlich attraktive Maisanbau. Dieser hat sich zwischen den Jahren 2000 bis heute flächenmäßig mehr als verdoppelt, knapp 100.000 Hektar sind hinzugekommen – also etwas mehr, als Dauergrünland verloren ging. Im vergangenen Jahr ging der Maisanbau in Schleswig-Holstein laut „Fleischatlas“ allerdings um etwa fünf Prozent zurück. Auch der Mais-Anteil, der für die Energiegewinnung in Biogasanlagen verwendet wird, ist auf 47 Prozent gesunken – die Mehrheit geht also als Futtermittel in die industrielle Tierhaltung. Dieses Verhältnis war zuletzt umgekehrt.

Die Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland ist in Schleswig-Holstein seit 2013 per Gesetz verboten, und dieses zeigt nun offenbar Wirkung. „Wir hatten in der Tat in den Jahren davor dramatische Rückgänge von Dauergrünland, insbesondere wegen des starken Maisanbaus, der es lukrativ machte, umzubrechen“, räumt Nicola Kabel, Sprecherin des Kieler Umweltministeriums, ein. „Dieser Umbruch hatte enorme negative Auswirkungen auf die Umwelt, weil Dauergrünland Klima, Gewässer, Artenvielfalt und Böden schützt. Beim Umbruch verkehren sich diese Schutzfunktionen ins Gegenteil: Treibhausgase werden freigesetzt, Nährstoffe wie Nitrat können leichter in unsere Gewässer gelangen.“

Apropos Gewässer: „Alarmierende“ Werte bescheinigt der „Fleischatlas“ deren Zustand in Schleswig-Holstein und macht als wesentlichen Verursacher die Intensivtierhaltung mit ihrem hohen Gülleaufkommen verantwortlich. 15,9 Prozent der sogenannten Wasserkörper im Ostseeküstenbereich und 3,6 Prozent der Wasserkörper im Küstenbereich der Nordsee sind demnach bereits in – nach amtlicher Terminologie – „schlechtem“ Zustand.

 

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