Landtagswahl : So kämpfen die kleinen Parteien

Die Grünen ätzen gegen die Piraten, der SSW ringt um Beachtung und der FDP-Spitzenkandidat setzt sich medienwirksam in Szene. Für die kleineren Parteien geht es um alles.

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22. April 2012, 04:47 Uhr

Kiel | "Wir sind die einzige Partei, die ihre Wahlkampfstrategie öffentlich macht." Während er diesen Satz sagt, schwenkt der Wahlkampfleiter der Linkspartei, Uli Schippels, eine dicke Mappe, in der "alle Fakten" der Kampagne zu lesen seien. Doch viel Strategie findet sich dort nicht. Nur, dass die Partei auf Personenplakate verzichten will, die "nötige" Personalisierung erfolge über die Medien. Blöd nur, dass die Linke dort kaum wahrgenommen wird.
Gleiches gilt auch für den SSW, deren Spitzenkandidatin Anke Spoorendonk zwar bei vielen Wahlberechtigten laut jüngster NDR-Umfrage eine hohe Anerkennung genießt, allerdings vielen Menschen südlich des Nord-Ostsee-Kanals unbekannt ist. "Wir haben das Problem, dass viele Wähler gar nicht wissen, dass sie uns auch in Holstein ihre Stimme geben können", sagt Martin Lorenzen, der für den SSW bereits den vierten Landtagswahlkampf koordiniert. Von Angriffen auf den politischen Gegner hält der Geschäftsführer wenig. "Wir stellen lieber unsere eigenen Stärken heraus."
Grüne gegen Piraten
So oder so ähnlich argumentieren alle Wahlkampfleiter - dennoch: Der Grüne Robert Habeck posaunt öffentlich gegen die Piratenpartei, der FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki lästert gegen seinen eigenen Bundesvorsitzenden - und die Linke holzt einfach mal gegen alle Parteien, weil keine mit den Sozialisten koalieren will. Und natürlich belauern sich die Parteien gegenseitig. Gegnerbeobachtung nennen sie das, allerdings beschränkt sich das schon aufgrund des mangelnden Personals meist auf die Auswertung von Zeitungen, Berichten und des Internets.
Der Online-Wahlkampf spielt bei allen Parteien eine Rolle, aber nicht die wichtigste. "Wenn man bei uns auf die Homepage klickt, ist das so als würde man an unsere Haustür klopfen", sagt der Spitzenkandidat der Piratenpartei, Torge Schmidt. Er verfügt über den geringsten Etat der Parteien, die sich eine reelle Chance darauf ausrechnen können, in den Landtag zu kommen. "Wir haben keine große Strategie, wir laden einfach nur alle zur Mitarbeit ein", sagt Schmidt.
Wahlkampfscharmützel in den Medien
Auch die Grünen setzen auf den Einsatz ihrer Mitglieder, vor allem in ihren Hochburgen - den großen Städten. "Hier wollen wir nochmal hinzugewinnen", so die Parteivorsitzende Eka von Kalben, die sich jeden Tag mit den Spitzen von Partei und Fraktion über die Ausrichtung des Wahlkampfes berät. In der Wahlkampfzentrale arbeiten wie in den anderen Parteien auch nur rund sieben Menschen, viele in Teilzeit. Und die beschränken sich oft auf die Koordination von Terminen.
Doch vieles gestalten die Spitzenkandidaten in eigener Regie, vor allem ihre kalkulierten Wahlkampfscharmützel in den Medien. Keiner beherrscht das so perfekt wie der FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki. "Dabei äußert auch manchmal nur seine persönliche Meinung, aber er ist unser Vorteil im Landtagswahlkampf", sagt Parteimanager Friedrich Hass. Er kämpft für die Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition - auch wenn das nahezu ausgeschlossen ist.

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