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Landtagswahl in SH 2017 : Porträt: Daniel Günther (CDU) ist der Dauerläufer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Daniel Günther sollte eigentlich der Wadenbeißer seiner Fraktion werden. Doch dann wurde der 43-Jährige plötzlich Spitzenkandidat. Kein ganz leichtes Erbe.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 15:20 Uhr

Eckernförde | Daniel Günther hat es eilig. Er geht in Richtung Wasser, mit großen Schritten, für ein Foto an seinem Lieblingsplatz in Eckernförde. Günther hat nur eine gute Stunde Zeit für Gespräch und Bild, sein Zeitplan vor der Landtagswahl ist eng. Er bleibt kurz stehen und schaut. „Da vorne ist es schön und das Ostsee Info-Center ist ein cooler Ort“, sagt der CDU-Spitzenkandidat schließlich und marschiert weiter. Er nimmt die Sache mit dem Foto ernst, und wenn man damit auch noch ein bisschen Werbung für eine Einrichtung in der Heimatstadt machen kann – umso besser.

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Daniel Günther hat anstrengende Tage hinter sich, auch wegen des Eklats während seines TV-Duells mit Torsten Albig. Eine Frau aus dem Publikum hatte dem CDU-Spitzenkandidaten vorgeworfen, sie als „Verdi-Schlampe“ beleidigt zu haben, das sei auch protokolliert. Eine heikle Situation kurz vor der Wahl, auch wenn die Frau den Vorwurf nicht belegen konnte. Als nach der Sendung rauskam, dass die Dame auch noch SPD-Funktionärin ist, hing schnell der Vorwurf eines Komplotts in der Luft. Mittlerweile haben aber Günther und der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner die Sache am Telefon geklärt. „Für mich ist die Sache erledigt. Die Dame hat in der Wahlarena erwiesenermaßen die Unwahrheit gesagt und Herr Stegner hat sich von ihr distanziert“, sagt Günther.

Er ist seit einem halben Jahr im Wahlkampfmodus – und läuft dabei immer ein wenig der Zeit hinterher. Denn der 43-Jährige ist relativ spät in die Rolle des Spitzenkandidaten gerutscht; Ende Oktober war das, nachdem sein Vorgänger Ingbert Liebing sich selbst während einer Vorstandssitzung überraschend aus dem Rennen genommen hatte. Günther hätte diesen kurzfristigen Rollenwechsel vielleicht abgelehnt, wenn er denn eine Wahl gehabt hätte. Nur gab es in der CDU eigentlich keinen anderen möglichen Nachfolger für den glücklosen Liebing als den damaligen Fraktionsvorsitzenden. „Mir war klar, dass die Situation für die Partei noch schwieriger gewesen wäre, wenn ich abgelehnt hätte.“ Das spricht für Günther, aber nicht unbedingt für die Personalausstattung der CDU im Land.

Anruf aus dem Männerklo

Der neue Kandidat tat dann erstmal das Naheliegende und rief seine Frau Anke an, vom Männerklo der Landesgeschäftsstelle aus. Die beiden haben eine Tochter zusammen, Frieda ist gerade mal ein Jahr alt. Ein kurzer Moment der Privatheit, um die neue Lebenssituation zu besprechen. „Ich wollte ungestört mit meiner Frau reden, bevor sie es aus dem Radio erfährt.“ Nachdem auf dem Feld der Beziehungsdiplomatie („Sie war geschockt“) alles geklärt war, trat Günther als kommender Spitzenkandidat vor die Presse und sagte, dass die nächsten sechs Monate für alle in seiner Partei eine Menge Arbeit bedeuten würden.

Die Umfragewerte der CDU waren nicht gut, und innerhalb der Partei rumorte es: Schon wieder ein gefallener Spitzenkandidat, nach der „Lolita-Posse” um Christian von Boetticher und dem Polit-Aus des Spitzenkandidaten von 2012, Jost de Jager, der am Ende noch nicht einmal ein Landtags-Mandat erringen konnte, und für den niemand der anderen CDU-Kandidaten auf seines verzichten wollte. Eine Partei im Selbstzerlegungs-Modus – wieder mal. Daniel Günther drückt es anders aus: „Die Parteibasis war in den ersten Wochen etwas aufgewühlt.“ Mittlerweile aber, das ist auch ein Verdienst des Spitzenkandidaten, haben sich die CDU-internen Wogen wieder geglättet.

Das Foto am Strand ist gemacht, jetzt sitzt Günther in einem Eckernförder Café. Vor ihm ein Teller mit Schwarzbrot, Speck und Spiegeleiern. Er ist direkt von zuhause gekommen und hat noch kein Frühstück gehabt. „Ich habe mit meiner Tochter gespielt, die hat morgens immer Priorität.“ Seit Frieda auf der Welt ist, stellt sich Günther, wenn möglich, keinen Wecker mehr. „Das übernimmt jetzt meistens die Kleine.“ Wahrscheinlich sieht er auch deshalb etwas müde aus.

Daniel Günther hat in den vergangenen Monaten viele Termine gehabt, so viele, dass dabei auch sein geliebter Lauf-Sport zu kurz gekommen ist. Er hat in Diskussionsrunden gesessen, er hat Veranstaltungen besucht und er hat an Haustüren geklingelt. Der Herausforderer von Torsten Albig muss bekannter werden, in diesem Punkt ist ihm der Ministerpräsident immer noch voraus. „Das ist der Bonus des Amtsinhabers, von dem lebt Herr Albig, und den möchte er erhalten. Deshalb weicht er mir bei öffentlichen Diskussionen auch konsequent aus.“

Auf Augenhöhe mit der SPD

Daniel Günther ist im Gespräch freundlich und verbindlich, ein angenehmer Gesprächspartner. Und er wirkt, auch wenn er das nicht mehr hören mag, immer noch sehr jung. Manche sagen: zu jung. Seine 43 Jahre könnten ihm gerade von älteren Wählern auch als mangelnde Lebenserfahrung ausgelegt werden. „Ich werde mir jetzt keine künstlichen Ecken, Kanten oder Falten zulegen, nur damit alle zufrieden sind“, sagt Günther. Sein Tonfall verrät, dass ihn dieses Thema nervt. Aber nicht nur in seiner Partei hätten ihm viele noch mindestens eine Legislatur im Landtag gewünscht, um sich als kommender Kandidat zu etablieren. Als Fraktionsvorsitzender – als „Wadenbeißer“, wie Günther selbst diese Rolle umschreibt – kann man die Regierung angreifen und an Profil gewinnen.

Nun aber ist es anders gekommen und er hat seinen Wahlkampf aus der Rolle des Außenseiters bislang mehr als respektabel gestaltet, die Christdemokraten stehen laut den Umfragen mittlerweile auf Augenhöhe mit der SPD. Der Trend spricht derzeit für die CDU und die ist nach aktueller Wahrnehmung zu einem wesentlichen Teil: Daniel Günther. Das ist seine große Stärke – und gleichzeitig seine große Schwäche. Als zentrales Gesicht dieses Wahlkampfes darf er sich keine Fehler und keine Schwächen erlauben. Er muss polarisieren, ohne als Krawallmacher dazustehen. Öffentliche Diskussionen um „Verdi-Schlampen“ sind dabei wenig hilfreich.

Außerdem muss er die personellen Ressourcen in seiner Partei optimal einsetzen. Daniel Günther hat ein erstes Schattenkabinett präsentiert, durchaus vorzeigbar, wenn auch nicht der ganz große Wurf. Aber das ist ja ohnehin nur eine erste Absichtsbekundung, denn im Falle einer Regierungsbeteiligung kämen weitere Kandidaten hinzu, auch von den möglichen Koalitionspartnern.

Wen hätten Sie denn im Fall der Fälle gern dabei, Herr Günther? „Für mich zählt nur eines: Ich will den Regierungswechsel. Jamaika mit den Grünen und der FDP wäre dafür eine realistische Option, wenn wir uns mit den Grünen in der Energiepolitik einig werden. Eine Große Koalition wäre nur die absolute Notlösung.“ In Großen Koalitionen können die Parteien im besten Fall ein paar ihrer Positionen durchdrücken, Profil entwickeln können sie nicht. Da werden Wadenbeißer schnell zu Schoßhunden. „Aber ich bin sehr optimistisch, dass wir das Rennen gewinnen.“ Der Dauerläufer Daniel Günther will keine Zweifel aufkommen lassen.

Dann muss er los. Er hat Termine in Kiel, anschließend möchte er noch an ein paar Türen klingeln. Günther will auf den letzten Metern bis zur Landtagswahl noch möglichst viele Wähler treffen. Damit am Ende der Fehlstart seiner Partei in das Wahlkampf-Rennen keine Rolle mehr spielt.

 

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