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Nach Schlampen-Vorwurf : Mimikexperte liest Gesichter von Daniel Günther und Gabriele Schwohn

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Hat einer von beiden gelogen oder sind ihre Aussagen ehrlich? Ein Gestik- und Mimikexperte findet es heraus.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2017 | 19:59 Uhr

Sind die Aussagen der Gewerkschafterin Gabriele Schwohn, die den CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther beim TV-Duell mit Torsten Albig bezichtigte, sie eine „Verdi-Schlampe“ genannt zu haben, stimmig? Und was lässt sich im Gesicht von Daniel Günther in Reaktion darauf ablesen? Für shz.de hat der Gestik- und Mimikexperte Dirk W. Eilert die beiden Gesichter analysiert.

Gabriele Schwohn zeigt Freude in ihrer Mimik.

Gabriele Schwohn zeigt Freude in ihrer Mimik.

Foto: Screenshot NDR
 

Dirk Eilert analysiert: „,Weil Herr Günther ja mit Gewerkschaften nicht so viel am Hut hat', sagt Gabriele Schwohn, dabei zeigt sie Freude in ihrer Mimik. Erkennbar daran, dass der äußere Augenringmuskel kontrahiert, die Augen lachen mit. Dies kann hier unterschiedliche Gründe haben. Gabi Schwohn könnte amüsiert darüber sein, wie sie die Beleidigung umschreibt, die ihrer Aussage nach Daniel Günther formuliert hat. Ein weiterer Hinweis, der diese Hypothese verstärkt, ist, dass sie anschließend nach unten schaut und mehrmals hintereinander schnell blinzelt – ein Zeichen für Stress.“

Daniel Günther reagiert mit einem „Facial Shrug“.

Daniel Günther reagiert mit einem „Facial Shrug“.

Foto: Screenshot NDR
 

Dirk Eilert meint: „Als Daniel Günther die Aussage hört, dass er mit Gewerkschaften ja nicht so viel am Hut habe, zeigt er kurz den sogenannten Facial Shrug – er zieht die Mundwinkel auseinander und runter, hebt den Kinnbuckel und die Augenbrauen an. Ein Zeichen dafür, dass er keine Ahnung hat, wovon Gabi Schwohn gerade spricht.“

Daniel Günther schaut nach unten.

Daniel Günther schaut nach unten.

Foto: Screenshot NDR
 

Dirk Eilert: „Kurz nach dem Facial Shrug schaut Daniel Günther nach unten, während eine kurze Mikroexpression von Ärger über sein Gesicht huscht – er zieht die Augenbrauen zusammen und presst die Lippen. Hier denkt er möglicherweise etwas wie: ,Was soll denn jetzt diese Aktion? Keine Ahnung wovon sie spricht!'“

Gabriele Schwohn lächelt und unterbricht Blickkontakt.

Gabriele Schwohn lächelt und unterbricht Blickkontakt.

Foto: Screenshot NDR
 

Dirk Eilert: „Als Gabi Schwohn sagt, dass Daniel Günther sie als „Verdi-Schlampe“ bezeichnet habe, lächelt sie, dabei hebt sie nur die Mundwinkel an, die Augen lachen nicht mit, gleichzeitig unterbricht sie den Blickkontakt zu Daniel Günther. Das ist ein Zeichen dafür, dass ihr die Situation unangenehm ist. Denn wir lächeln nicht nur, wenn wir uns freuen – hier würden die Augen mitlachen –, sondern auch in Situationen, die uns stressen.“

Eilert erklärt weiter: „Als Daniel Günther auf diesen Vorwurf antwortet, sagt er: ,Solche Wortwahl Frau Schwohn ist mir nun wirklich fremd. Also so was zu behaupten, dass ich sie als... so bezeichnet habe...'. Er wiederholt hier bewusst nicht die Worte ,Verdi-Schlampe'. In diesem Moment zeigt er eine erhöhte Blinzelrate, die auf Stress hinweist. In dieser Situation wirkt Daniel Günther sehr kongruent, so dass man ihm glauben kann, dass er solche Worte nicht benutzen würde.“

Nach seiner Analyse kommt Dirk Eilert zu dem Schluss, „dass sowohl Gabi Schwohn als auch Daniel Günther in ihrer Körpersprache sehr stimmig wirken und keinerlei Hinweise auf eine Täuschung zeigen. Ich gehe deshalb davon aus, dass es sich um ein Missverständnis zwischen den beiden handelt, Frau Schwohn in der damaligen Situation vielleicht Worte falsch verstanden hat.“

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