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Wahlbörse : Mathematik-Professor: „Küsten-Koalition gewinnt zu 65 Prozent die Landtagswahl“

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Wer gewinnt die Wahl in SH? Umfragen sagen einen Sieg der bisherigen Regierung voraus. Doch wie wahrscheinlich ist das?

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2017 | 17:11 Uhr

Es sind nur noch etwas mehr als zwei Wochen bis zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Die Spannung steigt. Aktuelle Umfragen sehen die regierende Küsten-Koalition vorn. Doch die Vergangenheit hat gezeigt: Ganz sicher kann man sich bei den Einschätzungen nicht sein. Zuletzt hatten Umfragen zum Beispiel bei der Saarland-Wahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD vorausgesagt. Am Wahlabend lag die CDU elf Prozent vor der SPD. Walter Mohr, Mathematik-Professor aus Handewitt und Leiter der sh:z-Wahlbörse, hat eine neue Methode entwickelt, um Wahlprognosen besser einschätzen zu können: den Wahlradar.

Mohr und das Forschungsinstitut Prognosys können damit die Wahrscheinlichkeit abgeschätzen, mit der die amtierende Küsten-Koalition in der Regierung bleibt. „Zu 65 Prozent schaffen es SPD, Grüne und SSW wieder an die Macht“, erklärt der Wahlbörsen-Leiter mit Blick auf die Daten, die er in den vergangenen zwei Wochen analysiert hat. Das sei kein knappes Resultat (Werte von 40-60%), aber auch kein klares Ergebnis (Werte deutlich über 80%), sondern liege im mittleren Bereich. „Zwei bis drei Wochen vor der Wahl sind wir jetzt in einer sensiblen Phase, in deren Folge sich diese Gewinnwahrscheinlichkeit deutlich nach oben oder unten verändern kann.“

Foto: Prognosys
 

Wie funktioniert der Wahlradar? Mohr erklärt das Prinzip: „Auf der Basis der aktuellen politischen Einschätzung in der Wahlbörse und früheren Prognosefehlern bei Landtagswahlen werden größere Mengen ähnlich wahrscheinlicher Wahlausgänge berechnet und ausgewertet.“ Grundlage der Berechnung sind also die Fehlerwahrscheinlichkeiten für die einzelnen Parteien. Die Werte gehen bis zur Landtagswahl im Jahr 2000 zurück. So könne man unter anderem die Siegwahrscheinlichkeit einer Partei, die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns einer Partei an der Fünf-Prozent-Hürde oder die Gewinnwahrscheinlichkeit für eine Koalition bestimmen.

Was ist eine Wahlbörse?

Bei der Wahlbörse wird mit virtuellen Partei-Aktien gehandelt. Das Planspiel ist ein relativ präzises Prognoseinstrument, um den Ausgang einer Wahl vorherzusagen. Die Wahlbörse für Schleswig-Holstein hat schon fast 140 Mitspieler angezogen. Schon etwa 100 Teilnehmer können sehr gute Ergebnisse erzielen, die denen von Umfragen ebenbürtig sind.

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Mit dem Wahlradar kann Mohr auch speziell die 35 Prozent der Fälle untersuchen, die zu einem Scheitern der Küsten-Koalition führen können. Dabei gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: „Die geringere von beiden besteht darin, dass die Linke mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa zehn Prozent doch noch in den Landtag kommen könnte. Die größere verdeutlicht die Sensibilität in der augenblicklichen Situation. Wenn die Küsten-Koalition insgesamt mehr als 1,5% verliert und CDU, FDP und AfD zusammen mehr als 1,5% gewinnen, geht das Pendel in die Verlustrechnung“, erklärt Mohr.

Daher wird es, wie fast immer in Schleswig-Holstein, bis zum Wahltag spannend bleiben.

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