Schureformen : Keiner kennt die Zahl der Änderungen

Kurzschuljahr, Regionalschulen, Turbo-Abi: Fast jeder hat in seiner Schullaufbahn mindestens eine grundlegende Änderung des Bildungs-Systems mitgemacht.

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22. April 2012, 04:18 Uhr

Kiel | Seit dem von der Kultusministerkonferenz 1950 verabschiedeten "Hamburger Abkommen" hat nahezu jeder Deutsche mindestens eine gravierende Änderung im Bildungssystem am eigenen Leib erfahren. Damals wurden den Ländern "pädagogische Versuche, die von der … vereinbarten Grundstruktur des Abkommens abweichen", ermöglicht; dazu kamen bundesweite Phänomene wie das Kurzschuljahr, die Abschaffung der bis 1968 achtjährigen Volksschule, ein System mit Grund- und anschließenden weiterführenden Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien.
Inzwischen gibt es bundesweit rund 90 unterschiedliche Bezeichnungen für Lehranstalten. Und darüber, was allein im Norden in den vergangenen 20 Jahren alles geändert wurde, gibt es nicht einmal im Kieler Bildungsministerium eine Übersicht.
Turbo-Abi
Den letzten großen Einschnitt in Schleswig-Holstein brachte die von der SPD angeschobene Schulstrukturreform von 2007, in deren Folge Haupt- und Realschulen zu Regional- beziehungsweise Gemeinschaftsschulen wurden, letztere als integrierte Gesamtschulen; Gymnasien blieben bis auf das in Burg auf Fehmarn, das zur Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe wurde, außen vor. Dort hatten sich Schüler und Lehrer für das Turbo-Abi (G8) zu rüsten. G9 blieb Gemeinschaftsschülern vorbehalten.
Als in Kiel 2009 das schwarz-rote Bündnis brach, stand die Reform von 2007 gleich wieder im Visier. FDP-Bildungsminister Ekkehard Klug brachte eine Schulgesetz-Änderung in Gang, mit der Gymnasien nun selbst entscheiden sollen, ob sie das gerade eingeführte Prinzip G8 beibehalten oder zu G9 zurückkehren oder beides anbieten. "Über das Angebot entscheiden Schulleitung, Schulkonferenz und Schulträger - und im Zweifelsfall das Bildungsministerium", hieß es dazu in der Parlamentszeitung "Landtag Schleswig-Holstein".
Gymnasien stärken oder eine Schule für alle?
Weitere Änderungen: "Gemeinschafts- und Regionalschulen sollen mittelfristig zu einer einzigen Schulart verschmelzen. Der Grundsatz des binnendifferenzierten Unterrichts wird gelockert: Abschlussbezogene Klassen sind wieder möglich. Prophylaktische Abschlussprüfungen fallen weitgehend weg."
Vor der Wahl im Mai 2012 stellen sich die Parteien wie folgt auf: Die CDU will das Gymnasium weiter stärken, die SPD zielt langfristig auf eine Schule für alle und ist sich im Wesentlichen einig mit den Grünen (G8 für Gymnasiasten, G9 für Gemeinschaftsschüler).

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