Hintergrund und Analyse : Das Ende des AfD-Höhenflugs

Der Landesvorsitzende der AfD in Schleswig-Holstein, Jörg Nobis, bei der Veranstaltung in Aukrug mit AfD-Chefin Frauke Petry.
Den Landesvorsitzenden der AfD in Schleswig-Holstein, Jörg Nobis, kennen 77 Prozent der Befragten einer Umfrage im Auftrag des NDR nicht. AfD-Chefin Frauke Petry liefert sich innerparteiliche Grabenkämpfe mit der Gauland-Fraktion.

Die Wahl im Saarland war für die AfD enttäuschend. Für die Wahl in Schleswig-Holstein und im Bund sieht es mäßig aus.

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30. März 2017, 08:27 Uhr

Flensburg | Die AfD ist keine normale Partei. Das will sie auch gar nicht sein. Sie will eine Alternative sein. Anders. Sich abgrenzen vom Rest, der doch so gleich zu sein scheint. Dabei sagt sie nicht, was zu tun ist, sondern was nicht geht. Das klappt vor allem in problembeladenen Zeiten. In Zeiten, in denen die Menschen Angst vor Verlusten haben. Zum Beispiel im Herbst 2015, dem Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise. Es ist die Zeit des Aufstiegs der AfD. In den folgenden Monaten konnte die Partei in Umfragen bis auf 12,5 Prozent zulegen. Zuletzt im Oktober 2016. Blöd ist nur, wenn die Probleme nicht mehr so präsent sind, und wenn der Rest der Parteienlandschaft nicht mehr als Einheitsbrei daherkommt. Wenn Alternativen zu der Alternative wieder erkennbar werden. Die AfD verliert an Bedeutung.

 

Die Partei rutscht derzeit in der Wählergunst ab. In einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, lag sie bei sieben Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit November 2015. In einer Forsa-Umfrage für Stern und RTL zeigt sich das gleiche Bild: Die AfD verliert im Vergleich zur Vorwoche zwei Punkte auf sieben Prozent – ebenfalls der geringste Stand seit November 2015. Nun muss man, das haben die vergangenen Wochen und Monate gelehrt, vorsichtig mit Umfragen sein. Doch Fakt ist: Bei den Landtagswahlen im vergangenen Jahr hatte die AfD mehrfach zweistellige Ergebnisse erreicht. Im Saarland schaffte es die AfD zwar mit 6,2 Prozent in den Landtag, die parteiinternen Erwartungen waren jedoch höher.

Die Partei ist zerstritten, der Petry-Flügel kämpft gegen die Gauland-Fraktion. Die halbwegs Gemäßigten gegen die radikalen Rechten. Kein Parteitreffen ohne Zerwürfnisse. So wie am vergangenen Wochenende in Sachsen, Bayern und Niedersachsen. Zerstritten war die AfD schon immer, doch jetzt schaden ihr die Zerreißproben. Rechts zündelt Björn Höcke, der als Sinnbild des radikalen Flügels gilt, richtig zum Zug kommt er aber nicht. Der Bundesvorstand hat ihn kaltgestellt.

 

Außerdem hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz der AfD mit seinem Gerechtigkeitsmantra die Show gestohlen. Und auch die Debatte in der Union ist lebhafter geworden. Ohnehin hat die Kanzlerin – ohne ihr Vokabular zu ändern – ihren Flüchtlingskurs in eine neue Richtung gelenkt. Im Saarland konnte die CDU allein 28.000 Stimmen von Nichtwählern, der klassischen AfD-Zielgruppe, für sich gewinnen. Die Opposition der Unzufriedenen findet eine neue Heimat. Zumindest in Teilen. SPD und Union bekämpfen sich nicht nicht nur gegenseitig. Indirekt belebt das Duell auch den Kampf gegen die AfD, oder wie der Kieler Politologe Wilhelm Knelangen sagt: „Ich würde die Alternative für Deutschland nicht abschreiben, aber richtig ist, dass die AfD genau wie die anderen kleineren Parteien unter der Polarisierung der großen Parteien CDU und SPD leidet. Das ist eine neue Situation.“

 

Die Entwicklung gilt für den Bund, die Entwicklung gilt aber auch für die AfD in Schleswig-Holstein. In der letzten Umfrage von Infratest dimap für den NDR lag sie bei sieben Prozent. Den Spitzenkandidaten Jörg Nobis kannten 77 Prozent der Befragten nicht. All das spricht nicht für die AfD.

Nur darf man nicht vergessen, dass die AfD schon mal am Boden lag. Bei der Bundestagswahl 2013 scheiterte die Partei mit 4,7 Prozent nur knapp am Einzug ins Parlament. Damals nicht als Wächter des christlichen Abendlandes, sondern als EU-Kritiker. 2014 hatte die AfD eigentlich keine Zukunft mehr. 2015 kamen die Flüchtlinge. Und mit ihnen ein neues Thema. Ein Thema, das jetzt nicht mehr so präsent ist. Der AfD-Höhenflug ist damit vorbei.

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