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TV-Duell gegen Albig : Daniel Günther zum Schlampen-Vorwurf: „Das ist ein echter Tiefpunkt“

vom

Der Wahlkampf in SH verlässt die Sachebene und wird zur Schlammschlacht. Auslöser ist ein Vorwurf in der NDR-Wahlarena, Daniel Günther habe eine Gewerkschafterin „Verdi-Schlampe“ genannt.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2017 | 18:20 Uhr

Lübeck | Daniel Günther (CDU) zeigt sich nach dem Vorwurf, eine Gewerkschafterin „Verdi-Schlampe“ genannt zu haben, enttäuscht vom Verhalten des politischen Gegners. „Das ist ein echter Tiefpunkt. Ich hätte nicht erwartet, dass wir zu einer Form der Auseinandersetzung kommen“, sagte Günther gegenüber dem sh:z. „Bisher fand ich es im persönlichen Umgang menschlich in Ordnung.“

In der NDR-Wahlkampfarena am Dienstagabend meldete sich eine Zuschauerin zu Wort und erhob den Vorwurf vor laufender Kamera gegenüber Günther. Beweisen konnte sie ihre Aussage allerings nicht.

„Sie haben mich mal Verdi-Schlampe genannt“ - Vorwurf und Reaktion im Wortlaut

Die Zuschauerin stellt sich als ehrenamtliche Gewerkschafterin aus Flensburg vor und leitet ihre Frage ein.

Gabriele Schwohn:  „Ich hab jetzt ein bisschen Schwierigkeiten, weil Herr Günther ja mit Gewerkschaften nicht so viel am Hut hat, kein Freund von Gewerkschaften ist.“

Daniel Günther schüttelt etwas irritiert den Kopf und guckt nach unten.

Moderator Andreas Cichowicz: „Das wissen wir nicht. Das wollen wir jetzt auch nicht klären, wir wollen zum Thema Flüchtlinge eine Frage haben.“

Schwohn: „Das ist leider so, da bin ich auch betroffen.“

Günther: „Aha.“

Foto:Screenshot: NDR

 

Schwohn: „Ja, Sie haben mich mal Verdi-Schlampe genannt. Im Landtag. Werde ich nicht vergessen.“

Günther: „Pfff“

Foto:Screenshot: NDR

 

Schwohn: „Aber wir kommen zu dem -“

Moderator unterbricht: „Ist das so gewesen? Einen Moment, ist das so gewesen?“

Jetzt sprechen alle gleichzeitig

Günther: „Also jetzt mal nun wirklich.“

Schwohn: „Das ist tatsächlich -“

Moderator: „Lassen Sie uns doch, lassen Sie uns doch -“

Schwohn: „Gut.“

Günther: „Na also. Bei aller Liebe.“

Moderator: „Wir können das jetzt nicht, wir können das jetzt nicht klären.“

Schwohn: „Ich komme zu meiner Frage zu den Flüchtlingen.“

Günther: „Eine solche Wortwahl, Frau Schwohn, ist mir nun wirklich fremd. Sowas zu behaupten, dass ich Sie als... so bezeichnet habe.“

Schwohn fällt ins Wort: „Das können Sie nachlesen.“

Günther: „Ne, das können sie - wo wollen Sie das nachlesen? Ich habe das in meinem Leben noch nie gesagt. Noch nie zu Ihnen, zu einem anderen Menschen. Also das finde ich wirklich ungeheuerlich, mir sowas vorzuwerfen.“

Moderator: „Wir werden, wir werden der Frage nochmal nachgehen.“

Schwohn: „Gern, ok. Gut.“

Moderator: „Ich würde trotzdem drum bitten, dass wenn ich Sie zu einer Frage aufrufe, Sie bei dem Thema auch bleiben. “

(Im NDR-Video sehen Sie die Passage ab Minute 52.30)

Im Anschluss an das folgende Gespräch über bezahlbaren Wohnraum setzt der Moderator Andreas Cichowicz noch einmal nach: „Danke für die Antwort. Sie haben einen heftigen, persönlichen Vorwurf gemacht. Den versuchen wir zu klären anschließend und werden den dann in unseren aktuellen Sendungen möglicherweise korrigieren, oder bestätigt machen können.“

Danach meldet sich Torsten Albig noch einmal zum Thema bezahlbarer Wohnraum, lässt den persönlichen Vorwurf aber unkommentiert.

 

Pikant: Die Zuschauerin Gabriele Schwohn ist Mitglied im SPD-Kreisvorstand in Flensburg. „Herr Albig muss die SPD-Politikerin und Gewerkschafterin kennen. Ich kannte sie auch vom Sehen her als SPD-Funktionärin“, sagt Günther. „Da kann mir keiner erzählen, dass der Spitzenkandidat der eigenen Partei sie nicht kennt.“ Das streitet der Ministerpräsident allerdings auch gar nicht ab. Albig sagte, „jeder im Land, der in öffentlicher Funktion ist, kennt Gabi Schwohn“. Sie sei „eine der bekanntesten und umtriebigsten Verdi-Funktionäre in Schleswig-Holstein“.

Gabi Schwohn wirft Daniel Günther vor, sie beleidigt zu haben.
Gabi Schwohn wirft Daniel Günther vor, sie beleidigt zu haben. Foto: Screenshot: NDR
 

In der TV-„Wahlarena“ schwieg Albig allerdings zu dem Punkt. „In der Situation hätte ich erwartet, dass Herr Albig in die Bütt geht und was sagt“, kritisiert Günther. „Wenn ich es mir umgekehrt vorstelle, ich hätte da jemanden aus dem Kreisvorstand Pinneberg gesehen, hätte ich sowieso schon gedacht: Mensch, wir hatten eigentlich abgemacht keine Funktionäre. Und wenn der sich dann auch noch meldet, wären bei mit die Alarmglocken angegangen. Und wenn der dann Albig so angegriffen hätte, dann hätte ich in der Situation gesagt: ,Ich kenne den. Der ist bei uns im Kreisvorstand. Das ist lieb gemeint, hilft mir aber überhaupt nicht. Das ist nicht unser Stil.' Das aber einfach laufen zu lassen und sich danach auch nicht zu entschuldigen, ist nicht in Ordnung.“

Der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Tobias Koch stellte sogar ein Ultimatum für eine Entschuldigung seitens der SPD: „Wir erwarten die öffentlichen Erklärungen und Distanzierungen der Herren Albig und Stegner bis heute um 17 Uhr.“

Die SPD ließ die von der CDU gesetzte Frist für Entschuldigung verstreichen. Daniel Günther teilte daraufhin in einer Pressemitteilung mit: „Ich nehme zur Kenntnis, dass sowohl SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig als auch SPD-Landeschef Ralf Stegner die öffentliche Diskreditierung eines demokratischen Mitbewerbers unter Verwendung unwahrer Behauptungen durch eine Funktionsträgerin ihrer Partei offenbar als normalen Wahlkampfstil empfinden. Sonst hätten sie die Chance genutzt, dazu Stellung zu nehmen.“

Der Landesgeschäftsführer der SPD Schleswig-Holstein, Christian Kröning, gab allerdings in einer Klarstellung an, dass sich der Vorwurf, Günther habe Gabriele Schwohn „Verdi-Schlampe“ genannt, sich als falsch herausgestellt habe. Die CDU kündigte an, man werde angesichts der erfolgten Klarstellung von rechtlichen Schritten absehen, man wolle „der SPD nicht auf den Leim gehen“.

Der SPD-Landesgeschäftsführer sagte auch: „Wir führen die Auseinandersetzung mit der CDU und ihrem Spitzenkandidaten in der Sache. An derlei persönlichen Auseinandersetzungen beteiligen wir uns grundsätzlich nicht“, so Kröning. „Die Auswahl des Publikums der NDR-Wahlarena wurde ausschließlich vom NDR vorgenommen. Auf die Auswahl hatten wir weder Einfluss noch hatten wir Kenntnis davon.“ Alles Weitere müssten die Beteiligten von CDU und Verdi untereinander klären.

Der Vorwurf, die SPD habe den Auftritt gar inszeniert, bleibt allerdings ebenfalls unbewiesen. Im Kreisvorstand der SPD sei ihre Teilnahme als Zuschauerin an dem TV-Duell Albigs mit Günther überhaupt kein Thema gewesen, sagte der Kreisvorstandsvorsitzende Florian Matz am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. „Wir hatten parallel Kreisvorstandssitzung und Frau Schwohn hatte sich abgemeldet. Von ihren Äußerungen in der Fernsehsendung erfuhren wir erst beim Public Viewing.“ Schwohn selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Politikwissenschaftler Wilhelm Knelangen von der Uni Kiel geht sogar davon aus, dass der Auftritt der Gewerkschafterin der SPD eher geschadet denn genützt habe. „Sollte die Absicht bestanden haben, Herrn Günther mit dieser Äußerung zu schaden, ist das auf jeden Fall nach hinten los gegangen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Glaubwürdigkeit der Gewerkschafterin sei durch den bislang fehlenden Beleg für diese Aussage erschüttert. Sein Eindruck sei, die Funktionärin habe sich vor laufender Kamera „hinreißen lassen“.

(mit dpa)

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