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Pflegefamilien : Landidylle in Bereitschaft

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Hanna und Peter Wulff sind Pflegeeltern in Bereitschaft. Wenn es in Familien schwierig wird, nehmen sie die Kinder bei sich auf.

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erstellt am 02.Aug.2010 | 02:53 Uhr

Plön | Momentan ist die achtjährige Sarah* bei Ehepaar Wulff untergebracht. Aufgrund von Problemen in ihrer Ursprungsfamilie, konnte sie dort nicht länger bleiben. Bis geklärt ist, welche konkreten Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden müssen, findet sie bei den Wulffs eine liebevolle Bleibe. Zuvor gehörte acht Monate lang ein Neugeborenes zur Familie.
Die Entscheidung, für fremde Kinder eine Familie auf Zeit zu sein, fiel bei Hanna Ewers-Wulff und Peter Wulff vor 17 Jahren. Nach drei schon fast erwachsenen Kindern, kam mit einem Abstand von zehn Jahren Nesthäkchen Annelie zur Welt. "Wir wollten nicht, dass unsere Jüngste wie ein Einzelkind aufwächst und meldeten uns auf eine Anzeige, in der Pflegeeltern gesucht wurden. Der zuständige Sozialarbeiter sagte, dass er dringend Bereitschaftspflegeeltern für akute Notfälle bräuchte", schaut Hanna Ewers-Wulff zurück. Nach einer Bedenkzeit war den Eheleuten klar, dass sie gerade diesen Kindern eine Chance geben wollen.
165 Kinder und Jugendliche
Mittlerweile haben sie 165 Kinder und Jugendliche mit offenen Armen empfangen. "Es ist ein Geschenk, wenn wir sehen, dass die aufgenommenen Kinder bei uns endlich zur Ruhe kommen", erzählt Peter Wulff. Dabei hilft es, dass die Familie einen Bauernhof mit vielen Tieren betreibt. Wenn die Pflegekinder ihr eigenes Kätzchen versorgen oder mit dem Hofhund schmusen dürfen, ist das Eis schnell gebrochen, sind Sorgen und Nöte für einen Moment vergessen. Auch die ruhige ländliche Umgebung des Hofes ist Balsam für geschundene Kinderseelen und hilft, das innere Gleichgewicht wiederzufinden.
Oft kommen traumatisierte Kinder und Heranwachsende auf den Hof, die keine geregelte Tagesstruktur und kein intaktes Familienleben kennen. Ihnen sind teilweise die normalen Verhaltensweisen und Umgangsformen abhanden gekommen. Ohne das Verständnis für Verhaltensauffälligkeiten und einen langen Atem, wäre ein Zusammenleben mit ihnen nicht möglich.
Hilfe vom Allgemeinen Sozialen Dienst
Familie Wulff stellt sich dieser großen Herausforderung jeden Tag aufs Neue. Sie nimmt jedes Kind so an, wie es ist - ohne wenn und aber. Das setzt die unbedingte Bereitschaft voraus, sich mit den eigenen Grenzen kritisch auseinanderzusetzen, eigene Erziehungsschritte und -absichten immer wieder zu hinterfragen und aus Fehlern zu lernen.
Dabei wird die Familie vom Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des Kreises Plön unterstützt. Mehrmals im Jahr nimmt Ehepaar Wulff an Fortbildungsveranstaltungen teil. Alle sechs Wochen gibt es Treffen mit anderen Bereitschaftseltern zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch. In Krisensituationen können sich die Wulffs außerdem jederzeit an die professionellen Helfer des ASD wenden.
Fortbildungen und Hausbesuche
Dass die Pflegefamilien sorgfältig ausgewählt, geschult und begleitet werden, dafür zeichnet Kaire Lage verantwortlich. Sie arbeitet beim Amt für Jugend und Sport des Kreises Plön in der Abteilung Pflegestellenwesen. "Unser Ziel ist es, die Pflegefamilien bestmöglich kennenzulernen. Wir wollen ein Partner für sie sein und eine individuelle Unterstützung im Erziehungsalltag geben", betont die Sozialpädagogin.
Die Wulffs nehmen diese professionelle Hilfe gern in Anspruch. Sie empfinden sie keineswegs als Kontrolle oder Einmischung in das Familienleben. Eines geben die engagierten Bereitschaftseltern, mit Blick auf das Schicksal der kleinen Anna, aber zu bedenken: "Die Hilfen und Angebote für Pflegeeltern laufen auf einer freiwilligen Basis. Was ist, wenn Pflegeeltern sich nicht in die Karten schauen lassen wollen und Hilfe ablehnen?" Für Hanna Ewers-Wulff und ihren Mann wäre es deshalb vollkommen in Ordnung, wenn für sie der Besuch von Fortbildungen oder monatliche Hausbesuche des ASD verbindlich vorgeschrieben wären. "Schließlich geht es hier um das Wohl von Kindern".
* Name geändert

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