Ulf Döhring : Landesamts-Chef muss nach 18 Jahren ins Ministerium wechseln

Ulf Döhring.

Ulf Döhring.

Döhring wird ab 2019 als Referatsleiter tätig werden. Seine aktuelle Stelle wird neu ausgeschrieben.

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08. November 2018, 08:44 Uhr

Kiel | Das Landesamt für Ausländerangelegenheiten bekommt im kommenden Jahr einen neuen Chef. Ulf Döhring, der die Behörde mit Sitz in Neumünster seit 18 Jahren leitet, wird ins Innenministerium versetzt und dort als Referatsleiter in der Abteilung Integration und Zuwanderung und für die Umsetzung des Landesaufnahmeprogramms und die Erarbeitung eines Integrations- und Teilhabegesetzes zuständig sein.

Man freue sich über Döhrings Bereitschaft, „eine neue und herausfordernden Aufgabe“ im Ministerium übernehmen zu wollen, wird Staatssekretär Torsten Geerdts in einer Mitteilung zitiert. Über Gründe für die Versetzung Döhrings schweigt sich das Innenministerium aber aus. Offenbar hat es viele und dauerhafte Beschwerden über den Amtsleiter gegeben. Dieser sei cholerisch gewesen und ausfallend gegenüber Mitarbeitern geworden, heißt es aus dem Umfeld. Zudem habe er Aufgaben nicht schnell genug abgearbeitet und sei nicht gut organisiert gewesen.

Pläne für Ablösung schon 2010

Seit 2010 hat es Versuche gegeben, Döhring eine andere Aufgabe zu übertragen. Der damalige zuständige Justizminister Emil Schmalfuß (parteilos) hatte bereits vor acht Jahren versucht, Döhring als Leiter des Amtes abzulösen. Der wehrte sich aber erfolgreich vor Gericht dagegen. Während der Hochphase der Flüchtlingskrise gründete Innenminister Stefan Studt (SPD) eine „Besondere Aufbauorganisation Flüchtlinge Land Schleswig-Holstein“ der Landespolizei, die für Unterbringung von Zehntausenden sorgte, offenbar auch, weil man der Behörde die Aufgabe nicht mehr allein zutraute.

Das Innenministerium wollte die Personalie am Mittwoch nicht weiter kommentieren. Döhring hat seiner Versetzung offenbar zugestimmt, wollte sich aber gestern auf Anfrage nicht dazu äußern. Von der Stadt Neumünster hieß es, man habe an der Zusammenarbeit mit dem Landesamt nichts auszusetzen und arbeite gut mit diesem zusammen. Hartmut König, Bürgermeister von Boostedt, wo das Landesamt für den Betrieb der zuletzt in die Schlagzeilen geratenen Erstaufnahmeeinrichtung zuständig ist, erklärt, er betrachte die Personalie ganz neutral. Zur Zusammenarbeit mit Döhring sagt König: „Wenn ich Kontakt haben wollte, habe ich den bekommen.“

Dirk Gärtner übernimmt interimsmäßig

Das Innenministerium hatte den Boostedtern zugesagt, die Zahl der Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung bis Ende kommenden Jahres von 1200 auf maximal 700 zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten unter anderem die Verfahren zur Ausreise oder Abschiebung von Menschen ohne Bleiberecht beschleunigt werden. Außerdem plant Kiel, die Landesunterkunft für Flüchtlinge in Neumünster zu einem „Ankerzentrum“ auszubauen und die Kapazität von 800 auf 1500 Plätze zu erweitern.

Die Leitung des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten wird ab dem 1. Januar 2019 interimsmäßig der stellvertretende Leiter der Abteilung Integration und Zuwanderung, Dirk Gärtner, übernehmen. Die Stelle wird neu ausgeschrieben.

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