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Einzelhandel : Ladendiebe werden immer dreister und brutaler

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Organisierte Banden bereiten Einzelhandel erhebliche Probleme - und verursachen Millionenschäden.

Über 13.100 Ladendiebstähle hat die Polizei im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein registriert, der Schaden für die Einzelhändler liegt bei 83 Millionen Euro. Alarmierend: Laut einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI werden die Täter immer dreister und brutaler. „Diesen Trend müssen wir leider auch für Schleswig-Holstein bestätigen“, sagt Mareike Petersen, Geschäftsführerin des Handelsverbandes Nord in Kiel. „Besonders traurig ist, dass die Zahl der durch Angriffe verletzten Mitarbeiter stark gestiegen ist.“

Bislang setzte der Handel auf Überwachungstechnik und Detektive, um Diebe abzuschrecken. „Die neue Entwicklung zwingt nun dazu, sichtbar mehr Sicherheitspersonal einzusetzen“, sagt Petersen. Zudem würden Mitarbeiterschulungen darauf ausgerichtet, durch richtiges Verhalten Gefahren für die eigene Person abzuwenden.

Die Kriminalstatistik für Schleswig-Holstein weist für das vergangene Jahr 1061 Fälle von „Ladendiebstahl unter erschwerenden Umständen“ aus. „Das ist ein Anstieg von 47,6 Prozent“, sagt Carola Jeschke, Sprecherin im Landeskriminalamt (LKA). „Erschwerende Umstände“ liegen vor, wenn zum Beispiel die Ware besonders gesichert war oder der Täter eine Waffe benutzt oder zuschlägt, wenn er erwischt wird.

Bei den Dieben handelt es sich längst nicht mehr nur um Gelegenheitstäter. „Die großen Probleme entstehen durch organisierte Banden“, sagt Frank Horst, Leiter der EHI-Studie. „Sie begehen Auftragsdiebstähle, bei denen zuvor Artikel gezielt bestellt wurden.“ Und: Würden die Täter erwischt, komme es immer häufiger zu gewalttätigen Konflikten mit dem Personal.

Besonders beliebt bei den Tätern ist alles, was klein, teuer und leicht wieder zu verkaufen ist: Parfüm, Kosmetik, Alkohol, Konsolenspiele, Smartphones und Markenkleidung. Schlagen Profis zu, liegt der Schaden bei 1000 bis 2000 Euro, während beim Durchschnittsdiebstahl Artikel im Wert von 83 Euro geklaut werden.

Auch im Norden treten organisierte Banden verstärkt auf. „Ein typisches Muster ist, dass Täter in Gruppen in einen Laden gehen. Einer lenkt die Verkäuferin ab, andere greifen in der Zwischenzeit zu“, so Mareike Petersen. In Schleswig-Holstein auffällig: Sogenannte „Nichtdeutsche“ haben in der Statistik einen Anteil von 41 Prozent bei den Ladendiebstählen (Vorjahr: 35 Prozent). Der Anteil von Zuwanderern liegt bei 20 Prozent (15 Prozent). Die Gründe für den Anstieg sind unklar. LKA-Sprecherin Carola Jeschke: „Derzeit arbeitet das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen an einer Studie zur Kriminalität von Zuwanderern. Wir hoffen auf Erkenntnisse, mit denen wir Handlungsleitfäden erarbeiten können.“

Bundesweit sind 2016 mehr als 378.000 Ladendiebstähle angezeigt worden. Die Kölner Studie rechnet jedoch mit einem hohen Dunkelfeld und schätzt, dass es tatsächlich 26 Millionen Diebstähle mit einem Schaden von 3,4 Milliarden Euro gegeben hat. Der Handel will deshalb dieses Jahr 1,3 Milliarden Euro in Sicherheit investieren. Ärgerlich: Sowohl die gestohlenen Waren als auch die Investitionen müssen die ehrlichen Kunden zahlen, denn die Mehrkosten werden eingepreist.

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erstellt am 04.Jul.2017 | 19:09 Uhr

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