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Goldschakale, Pumas, bunte Vögel : Kuriose Tierbegegnungen: Was sich in SH so alles herumtreibt

vom
Aus der Onlineredaktion

Wölfe, Waschbär, Enok und Wollhandkrabbe gehören schon zum Inventar. Hier geht es um Überraschungsgäste aus dem Tierreich, die einem in Schleswig-Holstein über den Weg laufen könnten - oder schwimmen.

Sprintende Goldschakale

Foto: imago/Nature in Stock

Die dänische Naturbehörde hat jetzt mit DNA-Analysen nachweisen können, dass ein Goldschakal im April Lämmer bei einem Schafzüchter in Nordschleswig gerissen hat. Er ist also in der Region, dieser eng mit dem Wolf verwandte, bis zu einen Meter lange Räuber (Canis aureus), der vor allem im Südosten Europas, im Mittleren Osten und in Südasien verbreitet ist. Auch in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern wurde der schnelle Langstreckenläufer in den letzten Jahren fotografiert. Nun bewegt er sich offensichtlich gen Norden. 2015 wurde ein solches Tier in Karup in Mitteljütland entdeckt, als es auf einer Straße totgefahren wurde. 2016 wurde im Lille Vildmose in Nordjütland ein lebendiger Goldschakal gesehen. Dass die Tiere hier sesshaft werden und sich fortpflanzen, darf durch die Einzelvorkommen jedoch als sehr unwahrscheinlich gelten.

 

Putzige Papageitaucher

Foto: Götz Bonsen

Diese schmucken kleinen Höhlenbrüter vermutet man eher auf Island oder auf den schottischen Inseln, doch in den letzten Jahren wurden Papageitaucher des Öfteren auch in Schleswig-Holstein gesehen. Bis 1830 zählten die Puffins sogar noch zu den heimischen Brutvögeln auf Helgoland. Einzelne der buntschnäbligen Meisterfischer statteten der Hochseeinsel in den letzten Jahren immer mal wieder einen Besuch ab – eine Heimat fanden die Durchzügler auf dem roten Vogel-Felsen jedoch nicht.

 

Gern gesehene Delfine

Die zwei Delfine Selfie und Delfie verirrten sich in die Ostsee– und sie blieben länger als erwartet. So schwammen sie immer wieder neben Segelbooten und Kajaks her, schienen mit Schwimmern zu spielen. Tausende Menschen sahen die Laien-Videos online. Das Unerwartete daran: Entstanden waren die Aufnahmen in unseren Breiten, vor Flensburg und Kiel. Viele Schaulustige sprangen zu den Tieren ins Wasser, um mit ihnen zu schwimmen.

Die großen Tümmler sind eigentlich in allen kalten und tropischen Meeren beheimatet. Denkbar ist, dass die Tiere über das Skagerrak und das Kattegat in die Ostsee gelangt sind.

Die erste Beobachtung in der deutschen Ostsee ist für den 6. Mai 1842 vor Stralsund verzeichnet. Zehn Jahre später verirrte sich gar eine „Schule“ - also eine Gruppe - in den Greifswalder Bodden. Weitere Beobachtungen sind 1870 vor Kiel und 1882 für Lübeck hinterlegt. Zuletzt war 2007 ein totes, in der Ostsee treibendes Tier von einem Schiff auf der Fahrt nach Eckernförde in Schlepptau genommen worden.

 

Riesige Wale

+++ Erwischt: Wal im Kasten +++Mit dem Smartphone lassen sich nicht nur Notrufe absetzen: Montag, 13.7.15, haben...

Posted by Polizei Flensburg, Schleswig-Flensburg und Nordfriesland on  Mittwoch, 15. Juli 2015

Ein stattlicher Finnwal tastet im Sommer 2015 die kulinarischen Verlockungen der Flensburger Förde ab. Mal wieder muss man sagen, denn der nächste Verwandte des Blauwals, der täglich etwa 400 Kilo Fisch verschlingt, fühlen sich als kurzfristiger Gast in der westlichen Ostsee offenbar pudelwohl. Der junge Finnwal „Henry“, der 2006 dem Flensburger Innenhafen einen Besuch abstattete, ist unvergessen geblieben. Auch die Eckernförder Bucht hatte schon Besuch der Meeresriesen. 2012 tauchte vor Sonwik sogar ein seltener Weißwal (Beluga) auf.

Im Sommer 2014 traten erstmals seit der Aufzeichnung von Walbeobachtungen zwei Buckelwale gleichzeitig in der Ostsee ins Kameralicht, ebenfalls in der Flensburger Förde. Gut dokumentiert ist auch der Fall eines 1911 vor Westerholz (Kreis Schleswig-Flensburg) gestrandeten Finnwals.

Der gestrandete Wal: Für Besucher wurde ein Steg an den Körper herangebaut. Das Bild stammt aus dem Archiv des Naturkundlichen Museums Flensburg.
Der gestrandete Wal: Für Besucher wurde ein Steg an den Körper herangebaut. Das Bild stammt aus dem Archiv des Naturkundlichen Museums Flensburg. Foto: Naturkundliches Museum Flensburg
 

Er sorgte bundesweit für Aufsehen und bleibt bis heute eine der spektakulärsten Walsichtungen in Schleswig-Holstein. Am 8. März 1911 ward das Tier noch in der Flensburger Außenförde gesehen, in einer stürmischen Nacht strandete der etwa 20 Meter lange Koloss dann auf einer Sandbank vor Westerholz und verendete dort, nachdem er durch die kaiserliche Marine vom Zerstörer „Württemberg“ aus beschossen wurde.

 

Kalmare und Thunfische

Ein Kalmar über Seesternen. Dieses Foto hat Sönke Staack an der Mole an der Hafenspitze geschossen.
Ein Kalmar über Seesternen. Dieses Foto hat Sönke Staack an der Mole an der Hafenspitze geschossen. Foto: Sönke Staack

Nebenerwerbsfischer Matthias Bleibohm ist ein Glückspilz: Gleich zweimal innerhalb von drei Jahren ist es ihm gelungen, einen Thunfisch ins Netz zu bekommen. Ende Oktober 2015 fischte er einen knapp 60 Zentimeter langen Exoten aus der Eckernförder Bucht. Solche Pelamiden, die mit den Makrelen verwandt sind, kommen eigentlich im östlichen Atlantik, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer, und auch mal in der Nordsee vor. Doch ein Fang in der Ostsee ist sehr ungewöhlich.

Dass ungewohnte Arten die Ostsee beehren, hängt laut Experten mit dem erhöhten Salzgehalt des Meerwassers im westlichen Teil zusammen. Denn bei Thunfischen und Finnwalen ist es in der Eckernförder Bucht nicht geblieben, auch Tintenfische kehren ein. Taucher haben Anfang Dezember etwa ein Dutzend ca. sieben Zentimeter lange Kalmare an der Außenmole des Sportboothafens gesichtet und gefilmt. „Tintenfische in der westlichen Ostsee kommen immer wieder mal vor“, erklärte der Tintenfischexperte Uwe Piatkowski vom Geomar in Kiel. „In den 50er-Jahren ist in der Untertrave ein halber Meter langer Kalmar gefangen worden.“ Ob diese Tiere es sich längerfristig in der Ostsee gemütlich machen, hängt von Salzgehalt und Temperatur des Wassers ab.

 

Republikflüchtige Elche

Ein Elch steht zwischen hohen Brennesseln.
Ein Elch steht zwischen hohen Brennesseln. Foto: dpa

Zurück an Land: 1970 sorgte ein aus Polen kommender junger Elch in Schleswig-Holstein für Trubel. Er war im Spätsommer auf Wanderschaft gegangen und hatte es über die DDR-Grenze geschafft. Im Westen angekommen, spazierte er fünf Tage durch die Straßen Lübecks. Dann fiel er einer Narkosepatrone zum Opfer. Wenige Wochen später folgte ihm ein weiterer republikflüchtiger Jung-Elch über den Todesstreifen. Bei Lübeck-Herrnburg wurde er von drei Tretminen zerfetzt.

Der letzte wilde Elch in SH wurde vor 15 Jahren gesehen. Besagtes Tier marschierte 300 Kilometer durch Mecklenburg-Vorpommern bis nach Bäk im Kreis Herzogtum Lauenburg. Dort wurde es illegal von einem Jäger geschossen. In Dänemark werden derzeit wieder Elche ausgewildert. Experten halten die Wiederkehr des Elches nach Schleswig-Holstein für möglich, sofern sich aus eine Population in Meckenburg-Vorpommern etabliert.

 

Toastbrotfressende Kängurus

Zwei Wochen lang durchstreifte ein weißes Bennet-Känguru mit Namen „Skippy“ die Gegend rund um Schönkirchen im Kreis Plön. Durch ein Loch im Zaun eines Privatgeheges war das unternehmungslustige Tier ausgebrochen. Dann hüpfte es durch den Wald und Gärten, ließ sich von Anwohnern mit Toastbrot füttern – aber einfangen: keine Chance, der Freiheitswille des in Tasmanien beheimateten Beuteltiers war zu groß. Ein Haken, und es war weg – trotz Rosinenbrotes.

Ein Mitarbeiter des Wildparks Schwentinental streckte das Tier schließlich mit einem Betäubungspfeil nieder, nachdem Polizei und Besitzer es in eine Enge gelockt hatten.

„Svubbi“ erging es nicht gut. Das im letzten Sommer bei Apenrade ausbüxte und per Facebook gesuchte Känguru ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Da es auf Spezialfutter angewiesen ist, hat es seinen Trip durch Nordschleswig wahrscheinlich nicht überlebt.

 

Meterlange Pythons

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Foto: dpa

Pythons sind zwar ungiftig, doch bei der Begegnung mit Schlangen von mitunter mehreren Metern Länge hört der Spaß für die meisten irgendwie auf. Betrachtet man die Nachrichtenlage über Pythons in SH, fällt auf, dass die Würgeschlangen jährlich mehrfach irgendwo in SH in Erscheinung treten. Manche wurden ausgesetzt, manche entflohen ihrem Terrarium.

Im September 2012 wurden an einem Wochenende allein in Ostholstein gleich zwei Pythons entdeckt und schließlich eingefangen. Als 2014 in Flensburg ein Mann einen von der Leine heruntergefallenen Schal aufheben wollte, entpuppte sich das Textil eingerolltes Königspython. Auch in Leck trieb sich vor einiger Zeit ein Königspython herum. Die Winter überleben können die Reptilien nicht.

Die meisten Phythonarten sind in der Europäischen Artenschutzverordnung aufgeführt und dürfen ohne spezielle Genehmigung gehalten werden.

 

Yeti-artige Pumas

Foto: dpa

Sonntagvormittag, 6. Dezember 2015 in Flensburg-Weiche: Während die Spätaufsteher mit verklebten Augen den Inhalt ihres Nikolausstrumpfes prüfen, fallen dem Führer eines dänischen Personenzuges beinahe die Augäpfel aus. Was er vom Führerstand zu Gesicht bekommt, können zwei weitere Augenzeuge bestätigen: Ein braunes, großes Tier bewegt sich gen Dänemark und verschwindet dann. In der Luftfahrt würde man jetzt wohl von „Ufo“ sprechen. Anscheinend war es aber ein Puma. Schon 33 Jahre vorher soll sich ein amerikanischer Berglöwe durch Nordschleswig geschlichen haben. Manchmal steckt wohl auch etwas Fantasie dahinter.

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erstellt am 10.Dez.2015 | 19:30 Uhr

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