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Kiel und Hamburg : Kurden besetzen Gleise auf Hamburger Hauptbahnhof

vom
Aus der Onlineredaktion

Die kurdisch-syrische Stadt Kobane droht in die Hände der Terrormiliz Islamischer Staat zu fallen. Hunderte Kurden gehen in Kiel auf die Straße – in Hamburg besetzten Demonstranten auch Bahngleise.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2014 | 16:22 Uhr

Hamburg/Kiel | Auf dem Hamburger Hauptbahnhof hatte eine Gruppe von Kurden für knapp eine Stunde mehrere Gleise besetzt und für massive Behinderungen im Zugverkehr gesorgt. Zwischenzeitlich habe die Bundespolizei alle Gleise gesperrt, sagte ein Bahnsprecher.

Später waren noch fünf Gleise gesperrt. Es kam zu erheblichen Verspätungen. Nach 18 Uhr hätten die Kurden die Gleise freiwillig verlassen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Die Blockade kam zu einer kritischen Zeit. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wollte von 21 Uhr an den Zugverkehr in ganz Deutschland für neun Stunden lahmlegen.

Nach jüngsten Angaben der Bundespolizei waren etwa 80 Kurden auf den Gleisen. Augenzeugen berichteten, dass einige von ihnen Fahnen geschwenkt hatten, auf denen Abdullah Öcalan abgebildet war, der Chef der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Vor der Gleisbesetzung waren etwa 500 Kurden durch die Hamburger Innenstadt gezogen. Sie forderten Solidarität mit den bedrängten Menschen in der umkämpften syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane.

Auch in Kiel haben am Nachmittag erneut rund 200 Kurden für Solidarität mit den Menschen in Kobane demonstriert. Nach einer spontanen Kundgebung vor dem Kieler Landeshaus zog am Dienstagnachmittag ein Demonstrationszug vor das Kieler Rathaus. Nachdem Politiker verschiedener Parteien und auch der Innenminister mit den friedlichen Demonstranten gesprochen hatten, formierten diese sich gegen 14.45 Uhr zu einem Demonstrationszug und marschierten in Richtung des Rathausplatzes. Die Polizei begleitete die Demonstranten. Um 15.30 Uhr ging die friedliche Demo auf dem Asmus-Bremer-Platz zu Ende.

„Ich gehe von einem friedlichen und störungsfreien Einsatzverlauf aus, aber natürlich sind wir auch für den Fall eintretender Störungen gewappnet“, sagte der Kieler Polizeichef und Gesamteinsatzleiter, der Leitende Kriminaldirektor Thomas Bauchrowitz.
Bereits in der vergangenen Nacht kam es aus demselben Anlass in Kiel zu einer friedlichen spontanen Versammlung von rund 200 kurdischer Personen. Am vergangenen Samstag demonstrierten etwa 600 Menschen friedlich in Kiel gegen den Islamischen Staat.

Bereits in der Nacht zu Dienstag hatten sich Kurden in Hamburg und Kiel versammelt. Am Rande der Demonstration in Hamburg kam es dabei zu mehreren Zwischenfällen. Türkischstämmige Passanten meldeten der Polizei, sie seien angegriffen und bedroht worden. Die Polizei nahm 14 Menschen vorübergehend in Gewahrsam. In Hamburg nach Angaben der Polizei rund 250 Demonstranten zu einem unangemeldeten Protestmarsch vom Hauptbahnhof zum Rathausplatz. Dem Zug folgten vereinzelt auch Teilnehmer linker Gruppierungen. Auch am Dienstagnachmittag gingen die Demonstrationen in Hamburg weiter. Ebenso wie aus Kiel meldete auch die Hamburger Polizei zunächst einen friedlichen Verlauf.

Vor dem Hamburger Rathaus hatten die Demonstranten am Vorabend Nachrichtenbilder aus der umkämpften Krisenregion an die Wand geworfen. Dabei schwenkten sie Fahnen und riefen Parolen zur Unterstützung der Kurden im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Auf einigen Fahnen war Abdullah Öcalan abgebildet, der Chef der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die sogenannten Volksschutzeinheiten, die Kobane verteidigen, stehen der PKK nahe, die auch in der EU und den USA als terroristische Vereinigung geführt wird.

Eine NDR-Sprecherin in Kiel sagte, wegen eines zu der Zeit erfolgten Wachwechsels habe es kurz vor Mitternacht zwar etwas Aufregung vor dem Landesfunkhaus des Norddeutschen Rundfunks in Kiel gegeben. Die Demonstranten seien aber nach kurzer Zeit wieder ganz friedlich aus dem Funkhaus herausgekommen. Konsequenzen aus dem Vorfall will der Sender nicht ziehen: „Wir werden keine Sicherheitsvorkehrungen verschärfen.“ 

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