Ausstellung „Kunst Schaffen“ 2020 : Oliver Berking: „Alle waren von der Idee begeistert“

Oliver Berking

Oliver Berking

Initiator und Kurator Oliver Berking über die Entstehung der Ausstellung „Kunst Schaffen“.

Martin Schulte ist Leiter der Kulturredaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags. von
27. Mai 2020, 00:00 Uhr

shz: Herr Berking, wie ist die Idee für die Ausstellung „Kunst Schaffen“ entstanden?

Oliver Berking: Ich hatte tatsächlich vor vier Wochen auf dem Fahrrad die Idee, so eine Ausstellung zu machen. Auch, weil ich gehört und nicht zuletzt bei der morgendlichen Lektüre des Flensburger Tageblatts immer wieder gelesen hatte, dass es besonders Kunstschaffenden in der Corona-Krise wirtschaftlich sehr schlecht geht – und dieses Problem nicht überall als solches wahrgenommen wird. Also wollte ich helfen.

Denn für mich persönlich ist Kunst sehr wichtig, weil man sich mit ihr in Ruhe auseinandersetzen muss, weil sie nicht beliebig reproduzierbar ist und weil wir uns ja auch bei Robbe & Berking schon seit Generationen mit der Kunst beschäftigen; seit fast 150 Jahren mit der Silberschmiedekunst und seit über zehn Jahren mit der Holzbootbaukunst.

Wie haben Sie die Künstler ausgewählt?

Ich habe mich mit dem ehemaligen stellvertretenden Direktor des schleswig-holsteinischen Landesmuseums, Thomas Gädeke, zum Kaffee getroffen. Anschließend haben wir entschieden: Wir machen das jetzt. Egal, wie schwer es wird. Mein erster Titel war übrigens – unabhängig von der Jahreszeit – Kunst-Frühling, weil wir alle die Corona-Zeit als inneren Winter empfunden haben. Das fanden meine Kinder nicht gut, und gaben der Ausstellung ihren nun richtigen Namen: „Kunst Schaffen“.

Was bestimmt der einfachere Teil der Planung war. Wie ging es dann weiter?

Wir haben dann vor drei Wochen zusammen eine Liste gemacht, da sind dann alle Künstlerinnen und Künstler drauf gelandet, die uns spontan eingefallen sind. Alle, die wir daraufhin kontaktiert haben, waren von der Idee sofort begeistert, teilweise sind dann von selbst noch Künstler auf uns zugekommen. Da war schnell klar, dass wir auch die Werfthalle dazunehmen müssen. Jetzt sind wir rappeldickevoll, was man zu Coronazeiten eigentlich gar nicht 1so sagen darf. Also: Beide Räume sind so gefüllt, wie sie nach den gesetzlichen Vorgaben gefüllt sein dürfen – mit insgesamt 60 Künstlern.

Aber während der Organisation der Ausstellung wussten Sie noch nicht, wann die ersten Lockerungen kommen könnten und wie diese aussehen?

Wir wussten tatsächlich nicht, wann die Ausstellung eröffnet werden kann. Deshalb hatte ich allen Teilnehmern lediglich gesagt, dass ich ihnen zehn Tage bevor wir anfangen, eine Mail schreiben werde. Mehr konnten wir zu dem Zeitpunkt nicht sagen. Wir wussten nur, dass es eine Art Initialveranstaltung werden sollte und wir den KünstlerInnen auch unter Corona-Bedingungen ermöglichen wollten, endlich ihre Arbeiten wieder präsentieren und natürlich auch verkaufen zu können. Außerdem wäre es später sicher schwieriger geworden, so viele Künstler zusammenzubringen, weil dann der normale Ausstellungsbetrieb wieder anläuft.

Oliver Berking
Michael Staudt

Oliver Berking

 

Gab es auch Künstler, die wegen der Corona-Thematik abgesagt haben?

Ja, es waren zwei, drei dabei, die es gesundheitlich gerade nicht so leicht haben und deshalb absagen mussten.

Was war die größte Herausforderung?

Wir sind ein winzig kleines Team. Alle mit der gleichen Vision im Kopf, bis auf Thomas Gädeke und meine Frau alles keine Kunstwissenschaftler. Aber wir haben hier ja schon einige gute und international wahrgenommene Ausstellungen organisiert. Schwierig war eher die reine Zahl der Künstler zusammenzubringen in dieser kurzen Zeit. Da hatte ich anfangs etwas Sorge, ob ich überhaupt so viele überzeugen kann. Das war aber glücklicherweise gar kein Problem, ganz im Gegenteil. Darauf folgte dann gleich die Frage, wie viele Menschen überhaupt in der Ausstellung erlaubt sein würden.

Die erforderlichen Genehmigungen haben Sie jetzt alle?

Ja, da haben wir mit der Stadt und dem Kieler Kulturministerium in engem Austausch gestanden. Die ganze Ausstellung in beiden Hallen wird vorher von den Behörden abgenommen. Aber ich kann jetzt schon sagen: Wir übererfüllen die Vorgaben. Jeder, der hier reinkommt, bekommt ein Paar weiße Silberschmiede-Handschuhe, damit er jedes Exponat anfassen kann und der Künstler das hinterher nicht immer desinfizieren muss. Wer keinen Mundschutz dabei hat, bekommt einen von uns. Und ich habe 2,2 Kilometer Tapeband mit dem Ausstellungs-Logo drauf bestellt, damit werden wir auf dem Boden ein Schachbrettmuster mit 1,50 mal 1,50 Meter großen Feldern abkleben. Damit jeder Besucher ein Gefühl für den notwendigen Abstand bekommt. Ich hatte mir vorher noch eine andere Lösung überlegt, aber die war dann doch zu kompliziert.

Welche war das?

Ich hatte mir zwei Hoolahoop-Reifen mit jeweils 75 Zentimeter Durchmesser gekauft, für die mir meine Frau dann Schultergurte genäht hat. Ich habe ernsthaft überlegt, ob wir jedem Gast so ein Ding umhängen, weil dann ja die automatisch die Mindestabstände von 1,50 Metern eingehalten werden müssten. Aber ganz ehrlich: Das sah ziemlich komisch aus.

Was hat Ihnen persönlich in den vergangenen Monaten am meisten gefehlt?

Ganz spontan: Aufträge. So lansam geht es wieder los, aber in den vergangenen Monaten hatten die Menschen verständlicher Weise andere Sorgen, als sich silberne Bestecke oder schöne Holzboote zu kaufen. Ich habe mir Sorgen gemacht, wie viele andere auch und habe jeden Tag an meinem Schreibtisch Konzepte entwickelt, was man in dieser Zeit tun kann. „Kunst Schaffen“ ist eines davon.

Und im persönlichen Bereich würde ich gern mal wieder ein Glas Wein mit Freunden trinken oder mit meiner Frau ins Kino oder in eine Ausstellung gehen. Aber die Organisation von „Kunst Schaffen“ hat uns allen viel Spaß gemacht, und wir hatten eine Reihe von leidenschaftlichen Freunden, Helfern und Unterstützern. Dazu gehören zum Beispiel auch die Firmen, die die Printbeilage vom 27. Mai unterstützt haben. Wir alle freuen uns einfach darauf, wieder mit Kunst und Künstlern ins Gespräch zu kommen.

KUNST SCHAFFEN

Ausstellung vom 27. Mai – 21. Juni 2020

ROBBE & BERKING WERFT
Am Industriehafen 5
24937 Flensburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr
(Montag Ruhetag)
Am Pfingstmontag ist geöffnet.

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