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Schleswig-Holstein

14. Dezember 2017 | 14:32 Uhr

Kunst in allen Facetten

vom

Die Aabenraa Artweek hat begonnen: 16 Künstler aus aller Welt nehmen an einem ungewöhnlichen Kunstsymposium in der Region teil

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Apenrade | "Dieser Strand gehört mir!", jubelt Inga Momsen. An diesem Strand in Apenrade ist die Künstlerin in diesen Tagen sehr kreativ - noch bis zum 8. August. Inga Momsen aus Flensburg nimmt am Symposium Aabenraa Artweek teil, bei dem Künstler aus zwölf Nationen ihre Kunstwerke an verschiedenen Orten live vor den Augen der Zuschauer kreieren.

Rückblick: Bei einer ersten Ortsbegehung vor ein paar Tagen am Strand von Apenrade bekommt Inga Momsen viele Ideen: "Ich freu mich auf die Zeit hier in Apenrade. Auf Kunst am Strand, den Austausch mit den anderen Künstlern aus aller Welt und auf den Dialog mit Strandbesuchern und Interessierten."

Seit vorgestern ist die Artweek in vollem Gange. Inga Momsen arbeitet mit dänischer, pinkfarbener Maurerschnur. Mehrere Hundert Meter hat sie besorgt und wird das fast schon fluoreszierende Material nutzen, um den Raum Strand mit Kunst zu verbinden. "Dieses leuchtende Material gibt es nur in Dänemark. Vielleicht finde ich noch ein paar wilde Rosen, die ich farblich mit einbinde", erklärt die begeisterte Künstlerin. Rauminstallation in der Natur, Land-Art, Bildhauerei und Malen mit verschiedenen Materialien, so beschreibt Inga Momsen ihre künstlerischen Facetten: "Nur Malerei oder nur Bildhauerei, das hat mir nie gereicht. Bei der Bildhauerei fehlte mir die Farbe, bei der Malerei die dritte Dimension."

Als sie das erste Mal Maurerschnur und farbige Wollfäden in der Hand hielt, wusste sie sofort, dass sie daraus etwas kreieren will. "Ich habe mit meinen Fingern verschiedenfarbige Algen-Teppiche gestrickt und im Wattenmeer zwischen Ebbe und Flut ausgelegt. Die Natur als Raum reizt mich mehr als die Stadt, und deshalb ist es so wunderbar, hier zu sein." Inga Momsen versprüht ihre Leidenschaft.

Urlaubsgefühl für die Künstler


Das ungewöhnliche Kunstsymposium Aabenraa Artweek ist in diesem Jahr zum ersten Mal grenzüberschreitend organisiert. "Einige der 16 internationalen Künstler werden ihre Standorte wechseln und in Flensburg (Modul 1) auf den Centerplads in Tingleff und dem Torvecenter in Pattburg zu finden sein. Wir haben auch Klangkünstler dabei, die direkt an der Grenze in Krusau arbeiten werden", erzählt Anne Lilholdt Jensen. Sie ist selbst freischaffende Künstlerin und für die gesamte Organisation und Künstlerbetreuung zuständig: "Das mache ich natürlich nicht allein, während der Artweek gibt es viele helfende Hände, die ehrenamtlich dabei sind." Alle Teilnehmer sind in der Højskole Østersøen in Apenrade untergebracht, für Transport und Essen ist gesorgt. "Es soll ein Urlaubsgefühl aufkommen. Die Künstler arbeiten während der Zeit an ihren Projekten und müssen sich um andere Dinge nicht kümmern - dafür sind wir da", so die Organisatorin.

Kunst-Projekt mit kleinem Budget


Insgesamt 60 Künstler aus der ganzen Welt hatten sich für die Aabenraa Artweek beworben - 16 von ihnen bekamen einen Platz. In der Jury saßen Kunst- und Kultur-Experten aus der Region und ein Kopenhagener Galerist, die gemeinsam die Bewerbungsmappen bewerteten. "Für uns war ein sehr wichtiges Kriterium, dass der Künstler im öffentlichen Raum arbeiten kann und mit Passanten in den Dialog tritt. Außerdem sollten unterschiedliche Kunstrichtungen dabei sein", erklärt Anne Lilholdt Jensen. Die Künstler kommen unter anderem aus Texas, Israel, Dänemark, Deutschland, Serbien, Schweden, Spanien, Irland und England. Sie haben Installations-, Klang-, Foto-, Skulptur-, Textil-, und Performancekunst sowie Artwriting und im Gepäck. "Darunter sind auch Künstler, die bei Google Maps suchen mussten, um uns zu entdecken. So tragen wir Apenrade und die Umgebung auch ein bisschen in die Welt hinaus und bekommen Input von außen."

Anne Lilholdt Jensen war von Anfang an dabei und kümmert sich auch um die Kosten und das knappe Budget: "Wie jeder weiß, gibt es nur wenige Künstler, die von ihrer Kunst leben können. Auch wir zahlen keine Honorare, dafür bieten wir ihnen einen unbeschwerten Aufenthalt." Die Aabenraa Artweek hat ein Gesamtbudget von rund 300 000 dänischen Kronen (rund 40 000 Euro). Davon werden der Aufenthalt in der Højskolen, die Miete des Infobüros, Materialkosten und die Anreise-Kosten der Künstler bezuschusst. Die Kommune Apenrade stellt einen großen Beitrag aus ihrem Kulturbudget zur Verfügung und auch verschiedene Stiftungen und Fonds unterstützen die Artweek finanziell. "Wir freuen uns über diese Zuwendungen und wollen künftig die grenzüberschreitenden Events weiter ausbauen und auch auf deutscher Seite agieren", so Anne Lilholdt Jensen.

Klang-Aktion in Flensburg


Deshalb wird sich der spanische Klangkünstler Miguel Àlvarez-Fernandez am 5. August in Flensburg in der Roten Straße aufhalten. Dort zeichnet er Gesang, Klänge, Geräusche und Stimmen von Passanten auf. Außerdem wird sich eine deutsch-dänische Jugend-Kunstgruppe unter Anleitung der Flensburger Künstlerin Dany Heck und dem Sonderburger Künstler Jesper Kristiansen in Apenrade mit ihrer eigenen Identität und der Frage beschäftigen "Wer würde ich gerne sein?".

Zurück zu Inga Momsen. Die hat sich inzwischen am Strand den Apenrader Leuchtturm näher angesehen und läuft nun mit nackten Füssen durch den Sand - immer auf der Suche nach neuen Kunst-Ideen.

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