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Projekt aus Kiel : Kultursphäre.sh: Wie eine App zwei Welten vereinen soll

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

An der Fachhochschule Kiel entsteht eine Anwendung, die Übersicht über die Kulturlandschaft geben soll.

Kiel | Theater, Museen, Parks – in Schleswig-Holstein gibt es viel zu sehen. Doch auf jene, die sich aus dem Internet Hilfe für ihre Entscheidung erhoffen, was sie denn am Wochenende unternehmen sollen, prasselt viel ein: die eigene Webseite der Institution, Einträge bei den verschiedenen Suchmaschinen, Nutzerbewertungen oder Seiten in den sozialen Netzwerken. „Das digitale Angebot ist zerfleddert und schwer zu fassen“, sagt Christian Möller, der an der Fachhochschule Kiel im Fachbereich Medien lehrt. Das Ziel: Alle Informationen in einer „Kultursphäre“ bündeln, die Suche auf einer Vielzahl von unübersichtlichen Internetseiten soll entfallen.

Außerdem wolle man das kulturelle Angebot mobil erlebbar machen. Aber nicht, um den Museums- oder Konzertbesuch überflüssig zu machen. Im Gegenteil, bekräftigt Möller: „Kultur lebt vom Erleben vor Ort.“ Ein abgefilmtes Theaterstück sei „schlechtes Fernsehen, nicht digitalisierte Kultur“. Ein Angebot wie die „Kultursphäre SH“ könne vorhandene Angebote der Einrichtungen also nicht ersetzen – ihnen aber nützlich sein: „Die wirkliche Welt wird ergänzt durch das Digitale.“ Man wolle eine Anlaufstelle schaffen – für junge Leute ebenso wie für Familien, für Touristen wie für Schleswig-Holsteiner, und ihnen einen einfachen Einstieg geben in die vielfältige Kulturlandschaft. Und das zunächst über eine Webseite und eine App. Man wolle experimentieren mit virtueller Realität, mit den Möglichkeiten zum Beispiel smarter Brillen und das bestehende Angebot der Institutionen wie Audioguides in die mobile Plattform integrieren. Augmented Reality könne ebenfalls sinnvoll eingesetzt werden:

In den kommenden Monaten soll das Projekt der Fachbereiche Medien sowie Informatik und Elektrotechnik an der FH Kiel Gestalt annehmen: Nach einer im vergangenen März abgeschlossenen Konzeptionsphase gehe es nun bis März 2018 darum, einen funktionstüchtigen Prototyp zu entwickeln. Das Angebot werde nur deswegen als App umgesetzt, weil die Nutzer aktuell eben Smartphones nutzten, so Möller. Das könne in ein paar Jahren schon ganz anders aussehen.

„Wir stehen am Anfang eines Prozesses, der nie zuende sein wird“, sagt Möller. Aussichten, die ihn nicht frustrieren. Im Gegenteil: Nicht nur die technischen Anforderungen würden sich stetig wandeln, auch die Inhalte würden sich verändern. Damit die Umsetzung in jeder Phase gut funktioniere, müsse es immer wieder eine Rückkopplung mit den Kultureinrichtungen geben.

Die meisten Rückmeldungen, die die Macher bislang erhalten haben, seien positiv, so Möller. Für die Idee der „Kultursphäre SH“ gibt es inzwischen sogar schon zum zweiten Mal Unterstützung vom Land. Natürlich gebe es Skeptiker und die Sorge, dass die Digitalisierung den Kultureinrichtungen mehr schade denn nutze. „Die Neugier und das Interesse überwiegen aber.“ Erste Institutionen seien inzwischen als Pilotpartner mit im Boot – und weitere dürften sich gern melden und mitreden, so Möller. „Wir hängen niemanden ab. Jeder kann jederzeit einsteigen.“

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erstellt am 10.Jun.2017 | 14:51 Uhr

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