zur Navigation springen

"Die Frau des Zeitreisenden" : Zwischen Romantik und Science Fiction

vom

Das Hörbuch "Die Frau des Zeitreisenden" von Audrey Niffenegger bewegt sich zwischen Science Fiction und trauriger Romantik. Doch die spannende Romanidee wird sehr langatmig umgesetzt.

von
erstellt am 09.Dez.2009 | 05:17 Uhr

Henry ist Zeitreisender - immer wieder reißt ihn sein Gendefekt das "Chrono-Syndrom" ungewollt in die Vergangenheit oder Zukunft. Eines Tages landet er bei Clare, einem kleinen Mädchen - seine Frau als Kind. Immer wieder treffen sich der erwachsene Henry und die kleine Clare auf einer Lichtung bei ihrem Elternhaus. Die ahnt irgendwann, dass der komische Fremde irgendwann ihr Mann sein wird. Doch Henry will zunächst nichts verraten.
Kaum eine Liebesgeschichte spinnt sich so verworren wie "Die Frau des Zeitreisenden". Der Roman von Audrey Niffenegger ist jetzt als Hörbuch erschienen, gelesen von Maja Schöne und Ulrich Noethen.
Science Fiction und Romantik scheinen nur wenig zusammen zu passen, doch in der Liebesgeschichte verwebt Niffenegger die Genre gekonnt. Die ungewöhnliche Liebesgeschichte kommt nur zustande, weil sich Gegenwart und Zukunft ineinander verschlingen. Henry landet nur bei der jungen Clare, weil die beiden später verheiratet sind. Das geschieht aber wiederum nur, weil Clare den jungen Mann, der sie so oft besucht hat, als Erwachsene wieder erkennt. Soweit, so kompliziert.
Erst philosophisch dann langatmig
Das ist am Anfang auch recht amüsant und streckenweise philosophisch. So wirft das Hörbuch zu Beginn metaphysische Überlegungen auf: Was passiert, wenn der erwachsene Henry seinem kindlichen Ich begegnet? Kann Henry seine Zukunft in der Vergangenheit ändern? Man muss zwar durchgehend aufmerksam zuhören, um die Zeitebenen nicht durcheinander zu bringen, sollte das Hörbuch also lieber nicht als Einschlafhilfe missbrauchen. Doch Niffenegger schafft es, die Verworrenheiten einigermaßen schlüssig und ohne allzu große Logikprobleme darzustellen.
Leider deutet sich die zweite Hälfte des Hörbuchs bereits in der ersten Hälfte an - und in der Welt des Zeitreisenden bedeutet das, dass diese Andeutungen dann auch passieren. Denn das Buch ist streng deterministisch. Nichts kann am Lauf der Zeit geändert werden. Keine Parallelwelten splitten sich auf, weil sich Henry, die Zukunft kennend, nicht in die Vergangenheit einmischt. Und so ist die Geschichte am Ende doch recht zäh, wirkt zunehmend wie eine Ausformulierung der Andeutungen. Zu sehr fügt sich Henry in seinen Glauben an die gesehene Zukunft. So bleibt der Science-Fiction-Part der Geschichte nur halbgar, und scheut sich zu sehr vor einem Aufwerfen von Paradoxien.
Ruhig und nachdenklich
Bleibt die Liebesgeschichte. Die allerdings wirkt neben all der Problematik mit den unfreiwilligen Zeitsprüngen Henrys allzu brav und alltäglich zwischen Heirat, Hauskauf und Kinderkriegen. Für das Hörbuch hätte man die Liebesgeschichte etwas mehr straffen können. Die Geschichte konzentriert sich sehr auf die Hauptfiguren, andere Personen werden nur oberflächlich umrissen. Szenen, die aus dem melancholischen Einheitsbrei herausstechen würden, zum Beispiel wenn Henry Ärger mit seinen Mitmenschen bekommt, weil er plötzlich in deren Zeit auftaucht - nackt, denn seine Kleider reisen nicht mit - werden fast gar nicht beschrieben.
Maja Schöne und Ulrich Noethen lesen sehr ruhig und nachdenklich, was zur melancholisch geschreibenen Geschichte besonders gut passt. Denn die "Die Frau des Zeitreisenden" kommt nahezu ohne Action aus. Die gesprochenen Einleitungen der einzelnen Kapitel, die kurz erklären, wann die Szene spielt und wie alt Henry und Clare dann sind, haben allerdings lediglich den Charme einer Bahnhofsdurchsage. Allerdings sind diese Sätze notwendig, um die komplizierte Geschichte zu verstehen.

Audrey Niffenegger: "Die Frau des Zeitreisenden", Hörbuch gelesen von Maja Schöne und Ulrich Noethen, 5 CDs, Argon Hörbuch 2009, ISBN: 978-3-86610-963-6

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen