Buchbesprechung : Zutreffende Charakterisierung ohne neue Einblicke

Autor Wolfgang Börnsen (links) und Peter Harry Carstensen mit dem neuen Buch über ihn. Foto: dpa
Autor Wolfgang Börnsen (links) und Peter Harry Carstensen mit dem neuen Buch über ihn. Foto: dpa

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen hat seine Biografie über seinen Parteifreund Peter Harry Carstensen vorgestellt. Eine Besprechung von Erich Maletzke.

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01. September 2011, 11:37 Uhr

Zunächst muss festgestellt werden: Wenn ein aktiver Politiker über einen ebenfalls noch aktiven Parteifreund ein Buch schreibt, ist der Inhalt so spannend, als würde im Titel eines Kriminalromans der Mörder verraten.
Im vorliegenden Fall hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen aus Böns trup eine Art Biografie über den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen verfasst und kommt zu dem Ergebnis: Der Parteifreund hat in seiner langen politischen Karriere so gut wie alles richtig gemacht und ist zusätzlich ein origineller, humorvoller, heimatverbundener, stets aufrichtiger Mensch. Das bestätigt in seinem Vorwort auch der ehemalige Bischof Hans Christian Knuth.
Lobpreisungen zum 60. Geburtstag
Die persönliche Charakterisierung ist durchaus zutreffend, der Autor und der Gottesmann hätten die Botschaft dem Gelobten in einem freundlichen Brief übermitteln können. Doch es musste ein Buch sein und die Würdigung also ein wenig ausge weitet werden. Das führt notgedrungen zu Längen, zumal dort, wo über viele Seiten referiert wird, was Carstensen im Bundestag, im Landtag und bei anderen Gelegenheiten vorgetragen hat. Hinzu kommt, was andere über ihn gesagt haben, etwa bei Lobpreisungen zum 60. Geburtstag.
Also ein völlig überflüssiges Buch? Nicht unbedingt. Es gibt eine ganze Reihe von Kapiteln, die nützliche Informationen bieten. Ausgesprochen witzig ist außerdem der Vergleich von Carstensens Heimat im Elisabeth-Sophien-Koog mit dem gallischen Dorf in der Geschichte von Asterix und Obelix. Mögen die Passagen über das Leben auf Nordstrand oft auch reichlich pathetisch klingen, sie zeigen doch, was Carstensen geprägt hat, und zwar durchaus im positiven Sinn. Es trifft zu, wenn Börnsen schreibt, Carstensen ist "nie ein kalt kalkulierender Machtpolitiker gewesen, der Politik als Selbstzweck versteht". Und er war auch nie "ein Funktionär, der ungerührt und abgehoben an der Bevölkerung vorbei regiert".
Bisher unbekannte Einzelheiten erfährt der Leser allerdings nicht
Zu den Stärken des Buches gehören die Kapitel über die Rückkehr der CDU an die Macht in Kiel, zunächst mit der großen Koalition, dann mit dem schwarz-gelben Bündnis. Wer die dramatischen Stunden mit der Abwahl von Heide Simonis und schließlich den Bruch des Bündnisses mit der SPD noch einmal erleben will, der wird durch die sorgfältige Schilderung der Ereignisse gut bedient. Bisher unbekannte Einzelheiten erfährt der Leser allerdings nicht.
An einigen Stellen wagt Börnsen sogar vorsichtige Kritik an seinem Parteifreund. Die Art des Rauswurfs der vier SPD-Minister aus dem Kabinett habe ihn "viel Sympathie gekostet", schreibt er, räumt weiter ein, dass Carstensens Führungsstil auch in den eigenen Reihen kritisiert wurde. Etwa bei der im Alleingang vorgenommenen Ernennung des parteilosen Wirtschaftsministers Jörn Biel, der sich bald als Fehlbesetzung erwies. Nur referiert, nicht kommentiert wird dagegen der überraschende Abgang von Wirtschaftsminister Marnette, der heftige Kritik daran übte, wie die Landesregierung die Krise der HSH-Nordbank zu bewältigen versuchte. Auch die Suche nach einer "First Lady" über die "Bild"-Zeitung wird zusammen mit dem Satans-Gruß beim Wacken Open Air in die Rubrik "kleine Fehltritte" eingeordnet.
"Das Leben ist schön", zitiert Wolfgang Börnsen gleich mehrfach seinen "Helden". Das Gleiche darf Carstensen auch über das Buch-Geschenk sagen. Gewidmet hat Börnsen sein Werk übrigens Helmut Kohl und schlägt ihn gleichzeitig für den Friedensnobelpreis vor.

Wolfgang Börnsen (Bönstrup): Peter Harry Carstensen - Ein Schleswig-Holsteiner und die Rückkehr der bürgernahen Politik, Wachholtz Verlag, 256 Seiten, 16,80 Euro

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