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Schleswig : Zoff ums Landestheater: Sechs Probleme und ein Lösungsansatz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kann das Schleswiger Theater noch gerettet werden oder bleibt nur die Endstation Ausstieg?

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2015 | 09:42 Uhr

Schleswig | Wird das Drama um Schleswigs Theater ein „jämmerliches Trauerspiel“ oder ein Macht-Krimi um das Kräftemessen zwischen Kiel und Schleswig? Noch steht der letzte Akt bevor: Der endgültige Ausstieg Schleswigs aus dem Landestheater. Oder eine neue Spielstätte an der Schlei. 

dramatis personae

Arthur Christiansen, Bürgermeister von Schleswig
Peter Grisebach, Intendant des Landestheaters
Anke Spoorendonk, Kulturministerin des Landes Schleswig-Holstein
Pierre Gilgenast, Aufsichtsratsvorsitzender der Landestheater GmbH und Bürgermeister in Rendsburg
Wolfgang Buschmann, Landrat des Kreises Schleswig-Flensburg
Ein namenloser Unternehmensberater


Die Schleswiger Ratsversammlung
300 Mitarbeiter des Landestheaters
Tausende Theater-Fans

Ort der Handlung ist eine trostlose Ruine in Schleswig.

1. Pannen bei der Kommunikation

Grisebach (l.) und Gilgenast.
Grisebach (l.) und Gilgenast. Foto: dpa
 

Die Nachricht erreichte Pierre Gilgenast gestern im Urlaub. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Landestheater GmbH und Rendsburger Bürgermeister erfuhr aus der Zeitung, dass Schleswig den Vertrag zum 31. Juli kündigen und aus der Gesellschaft aussteigen wolle. „Ich halte weder den Zeitpunkt noch die Art und Weise, nämlich über die Zeitung, für geeignet, um den Mitgesellschaftern eine solche Nachricht zukommen zu lassen“, sagte Gilgenast. Aus seinem Ärger machte er keinen Hehl: „Schleswig hat sich damit keinen Gefallen getan.“

2. Zoff über den Standort

Anke Spoorendonk und Arthur Christiansen vor dem Standort Hesterberg.
Anke Spoorendonk und Arthur Christiansen vor dem Standort Hesterberg. Foto: oje
 

Einen Tag zuvor hatten Gilgenast und sein Schleswiger Kollege Arthur Christiansen noch mit Kulturministerin Anke Spoorendonk in Kiel an einem Tisch gesessen und die Situation des Theaters besprochen: Schleswig braucht eine neue Spielstätte und hatte dabei auf Geld aus Kiel gehofft. Die Ministerin aber blieb bei ihrer Aussage aus dem vergangenen Jahr: Das Land hätte nur einen Theaterbau auf dem Hesterberg finanziell unterstützt. Die Schleswiger Ratsversammlung hatte sich aber im Februar 2014 gegen das Projekt entschieden.

3. Streit um Entscheidungshoheit

Die Ruine des alten Theaters am Lollfuß. Foto: dpa
Die Ruine des alten Theaters am Lollfuß. Foto: dpa Foto: Scarlett Ludwig
 

Seitdem war alle Hoffnung des Schleswiger Bürgermeisters auf einen Neubau auf dem Gelände des alten Theaters am Lollfuß gerichtet: Mit den sechs Millionen Euro, die von der Stadt und vom Kreis Schleswig-Flensburg kommen sollten, mit Investorengeldern, mit Landes- und EU-Mitteln. Nach der Kieler Absage an dieses Konzept gab es deftige Worte des Bürgermeisters in Richtung Kulturministerin: „Ich habe den Eindruck, als ob nur noch Optionen ohne Schleswig untersucht werden sollen.“ Aus Kiel folgte gestern prompt die Antwort: „Die Empörung in Schleswig ist nur bedingt nachvollziehbar, denn am Montag hat es keine neue Entscheidung gegeben, sondern der Stadt Schleswig ist nur noch einmal verdeutlicht worden, was schon bekannt war: Das Land hat kein Geld, um einen Theaterneubau an alter Stätte zu fördern“, sagte Spoorendonk.

4. Frage nach der Schuld

Peter Grisebach ist nicht amüsiert über die Schleswiger Entscheidung gegen den Hesterberg. Foto: Dewanger
Peter Grisebach ist nicht amüsiert über die Schleswiger Entscheidung gegen den Hesterberg. Foto: Dewanger Foto: Dewanger

Auch beim Landestheater-Intendanten Peter Grisebach stießen Christiansens Worte auf Unverständnis: „Der Bürgermeister macht es sich zu einfach, wenn er die Schuld bei anderen sucht“, sagte er gestern. Auch Grisebach saß bei der Kieler Runde mit am Tisch, auch für ihn war immer klar, dass es kein Geld vom Land geben werde. „Da muss ich doch als Stadt mal realistischere Lösungen suchen.“ Und überhaupt: Die Investoren, von denen Christiansen immer spreche, habe es nie gegeben: „Wenn überhaupt, gab es Interessenten.“

5. Ringen um Geld

Nur eine Notlösung: Das Slesvighus muss als Theater herhalten. Foto: Windmann
Nur eine Notlösung: Das Slesvighus muss als Theater herhalten. Foto: Windmann Foto: oje

Der Schleswiger Bürgermeister ruderte gestern ein wenig zurück. Er könne ja ohnehin nur Handlungsempfehlungen für die Ratsmitglieder formulieren: „Und wir werden natürlich bis zum 31. Juli mit der Kündigung des Gesellschaftervertrages warten. Bis dahin arbeiten wir weiter an Lösungen.“ Eine nahe liegende prüfe er derzeit, sagte Christiansen: „Wir müssen versuchen, die Vereinbarung mit der Ausweichspielstätte im Slesvighus über 2016 hinaus zu verlängern“, sagte Christiansen. Sollte das nicht gelingen, würde Schleswig nicht über eine Spielstätte verfügen, müsste aber trotzdem bis zum Vertragsende im Jahr 2019 jährlich rund 500.000 Euro an die Landestheater GmbH zahlen.

6. Ringen um Zeit

Wolfgang Buschmann (l.) möchte lösungsorientiert weiter machen. Foto: Clasen
Wolfgang Buschmann (l.) möchte lösungsorientiert weiter machen. Foto: Clasen
 

Zahlen ohne Spielstätte: Ein unglückliches Szenario für eine klamme Kommune wie Schleswig. Das sieht auch der Landrat des Kreises Schleswig-Flensburg, Wolfgang Buschmann, so: „Wir sollten weniger über Fristen, sondern über Lösungen reden. Und ich meine Lösungen mit Schleswig als Landestheater-Gesellschafter.“ Auch Buschmann war irritiert über die Äußerungen aus Schleswig: „Die Ministerin hat ihren Standpunkt schon vor langer Zeit klar gemacht.“ Der Landrat hatte zuvor in einem Schreiben, das auch an Christiansen adressiert war, klargestellt, dass der Kreis seine Zukunft als Gesellschafter nicht mit dem Verbleib Schleswigs verbinde. „Derzeit gibt es im Kreis keine Diskussionen darüber“, sagte der Landrat gestern.

7. Ansätze für eine Lösung

Grisebach und Theater-Freunde demonstrierten in Schleswig für den Erhalt des Standorts.  Foto: Dewanger
Grisebach und Theater-Freunde demonstrierten in Schleswig für den Erhalt des Standorts. Foto: Dewanger Foto: Dewanger
 

Landrat Buschmann versucht unterdessen, Lösungsansätze ins Gespräch zu bringen – er plädiert für eine Verschiebung der Kündigungsfrist, die am 31. Juli endet: „Dann hätte Schleswig mehr Zeit, und die Chancen auf einen Verbleib der Stadt im Landestheater würden steigen.“ Möglicherweise können auch die Unternehmensberater von Actori zur Lösung des Konflikts beitragen. Sie präsentieren am 8. Mai ihre Strategien für die Zukunft des Landestheaters. In einigen dieser Strategien ist nach wie vor die Stadt Schleswig als Gesellschafter vorgesehen.

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