Schleswig-Holstein Musikfestival : "Zaide" - ein nahezu unbekannter Mozart

Zwischen Tod und Liebe: Mozarts 'Zaide' in Kiel. Foto: lukas
Zwischen Tod und Liebe: Mozarts "Zaide" in Kiel. Foto: lukas

Aufführung des Opernfragments "Zaide": Theaterbeitrag zum Schwerpunkt Türkei und Homage an einen unbekannten Mozart.

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08. August 2011, 12:16 Uhr

Kiel | Zwei Fliegen mit einer Klappe schlug das Musik-Festival mit der Aufführung des Opernfragments "Zaide": es leistete einen Theaterbeitrag zum Schwerpunkt Türkei und es holte einen nahezu unbekannten Mozart aus der Versenkung. In seiner Personenkonstellation nimmt das Stück die "Entführung aus dem Serail" schon vorweg. Wie später Bassa Selim ist Sultan Soliman ein barbarischer Herrscher, der um die Liebe einer Sklavin wirbt. Diese Zaide aber will mit ihrem Geliebten Gomatz aus dem Serail entfliehen. Gefangenenaufseher Osmin heißt auch hier schon so, hat aber viel weniger Spielraum. Solimans Vertrauter Allazim wird zum zwielichtigen Fluchthelfer, dennoch werden die beiden Sklaven erwischt und zum Tode verurteilt. Ob Soliman sie hinrichten lässt oder begnadigt, bleibt offen.
Die Rolle des Erzählers, der die Personen vorstellt und in die Handlung mit alternativen Möglichkeiten eingreift, übernahm in Kiel Julia Sternberger. Als vorzügliche Sprecherin hatte sie sichtlich Spaß daran, alle Fäden in der Hand zu behalten und das Ganze ironisch einzufärben. Auf der von 24 farbigen Stangen umgrenzten Drehbühne (Entwurf: Peter Schmidt) genügte ein Haufen von rosa Kissen, um schwülen Haremskomfort anzudeuten. Auf die himmelblaue Rückwand projizierte Michael König zur jeweiligen Szene passende Embleme oder magische Zeichen. Zwei Augen in Dreiecken konnten sogar blinzeln. Das hätte dem Spaßvogel Mozart gefallen.
Flotte Inszenierung von Daniel Karasek
Daniel Karasek hielt in seiner flotten Inszenierung das Ensemble buchstäblich auf dem Laufenden, was dem ohnehin untypisch jungen und schlanken Sultan noch mehr von seiner Würde nahm. Die wechselnden Beziehungsnuancen kamen aber sehr gut heraus. Im Hin und Her zwischen Gomatz und Allazim von erstklassiger Komik.
Sängerisch konnte sich der altgediente Salzburger Mozartdirigent Leopold Hager auf ein tüchtiges Ensemble verlassen. Mit Agata Wilewska als Zaide, dem auch melodramatisch versierten Tenor Thomas Blondelle als Gomatz, Paul Armin Edelmann als Allazim, Eric Stoklossa als Soliman und Peter Marzalán als Osmin. In ihrem Terzett am Ende des ersten und im Quartett am Ende des zweiten Aktes, den musikalischen Juwelen der "Zaide", glänzte bereits Mozarts einmalige Kunst, solistische Individualität und Ensembleharmonie zu verbinden.
Dem Schleswig-Holstein Festival Kammerorchester, jungen Musikern aus aller Welt, entlockte Hager federnde Präzision und glasklare Transparenz. Mit Pauken und Trompeten schuf die einleitende Sinfonie G-Dur KV 318 eine Atmosphäre optimistischer Festlichkeit, die am ganzen Abend weiterwirkte. Damit hätte die Aufführung auch schließen können, ohne die Offenheit aufzuheben. Aber auch so bedankte sich das Publikum mit stürmischem Beifall.
(shz)

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