Yoko Ono schreit, spuckt und keucht auf Kampnagel

shz.de von
12. August 2013, 03:59 Uhr

Hamburg | "Mal sehen, was passiert", hatte Yoko Ono im Interview gesagt und dabei gekichert. Gemeint war das seit Wochen ausverkaufte Konzert auf Kampnagel. Viel geprobt hatte die Witwe von John Lennon nicht, aber das wäre bei Ono auch eher ungewöhnlich gewesen.

Sonnabend um 21 Uhr. Die Spannung in der knallvollen K6 ist mit Händen zu greifen. Wie wird sie sein, diese vielfach angefeindete Frau, die nach Lennons Tod nicht nur dessen Erbe verwaltet, sondern auch weiterhin ihre radikale Kunst vertritt? Und die im Februar 80 Jahre alt geworden ist?

Die Antwort mag verblüffen: Unverkrampft ist sie, sympathisch, ungewöhnlich jung und offen. Ihre Show beginnt mit einem Loop aus nackten Hintern, die als Video auf eine Leinwand projiziert werden. Yoko Onos Stimme ist kräftig und fest, wenn sie zusammen mit dem Gitarrist Thurston Moore und der Percussionistin Shayna Dunkelman zu den Videoeinspielungen improvisiert. Oft sind es nur aneinandergereihte "Ahs" oder "Ohs", die sie schreit, ausspuckt, keucht oder fast melodiös singt.

Im Zugabenteil schleicht sich Ono mit einer Gitarre wie ein Indianer an Moore heran, der ihr mit seiner Gitarre entgegenkommt. Je näher sie sich kommen, desto lauter die Rückkopplung. Bei der Umarmung eskaliert sie in ohrenbetäubendem Fiepen. Moore und Ono strahlen, das Publikum auch. Genau das hatte man sehen und hören wollen.

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