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Schleswig-Holsteinisches Landestheater : Wut und Trauer nach dem Neubau-Aus

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Schwarzer Tag: Nach der Sondersitzung des Schleswiger Stadtrates beschäftigt die Zukunft des Theaters noch immer Politik und Bürger. shz.de fasst die Reaktionen zusammen.

Schleswig | Kein neues Theater für Schleswig – diese Nachricht lässt die Wellen im Land hoch schlagen. Nachdem die Ratsversammlung in Schleswig sich am Donnerstagabend in einer Sondersitzung gegen einen Neubau auf dem Hesterberg entschied, herrschen am Tag danach in der Politik sowie im Internet Trauer, Fassungslosigkeit und Unverständnis. Nüchtern kommentierte das Schleswig-Holsteinische Landestheater und Sinfonieorchester in der Nacht auf seinem Facebook-Profil:

 

Die traditionsreiche Kulturstadt Schleswig geht nun schweren Zeiten entgegen. Sie droht künftig ohne Theater dazustehen, nachdem die Ratsversammlung mit einem 13:13-Patt einen 14 Millionen Euro teuren Neubau auf dem Hesterberg verweigert hat. Ob das wegen Einsturzgefahr seit 2011 geschlossene 122 Jahre alte Theater am Standort Lollfuß nun doch noch saniert werden soll und kann, steht in den Sternen, und es würde fast neun Millionen Euro kosten.

Das Theater trägt Trauer: Auf der Facebook-Seite wurde in der Nacht nach der Entscheidung der Auftritt geändert. Das Titelbild zeigt jetzt einen tristen, wolkenverhangenen Himmel, eine schwarze Fläche ziert das Profilbild – die Stimmung ist eindeutig.

 

Unter den Facebook-Freunden des Landestheaters herrscht Fassungslosigkeit. 15 Facebook-Freunde äußern ihr Bedauern und versuchen, den Betroffenen Mut zu machen.

 

Auch Theater-Intendant Peter Grisebach reagierte schwer enttäuscht, gab sich aber kämpferisch: „Ich will dieses Konstrukt retten, ich will die Theaterversorgung im nördlichen Schleswig-Holstein retten“, sagte er. In Schleswig muss momentan das Slesvighus als Spielstätte herhalten.

Und auch auf Twitter werden Ohnmacht, Schockstarre und Frustration deutlich.

 

Überschattet wird die Kultur-Tragödie von politischem Theaterdonner und Schuldzuweisungen zwischen den Parteien. Nur SPD und SSW stimmten für den Neubau; CDU und Grüne scheiterten mit einem Sanierungsantrag für den Lollfuß. Auf Twitter kocht die Debatte zwischen Ralf Stegner (SPD) und einem Twitternutzer hoch.

 

SSW-Fraktionschef Lars Harms schlug in die gleiche Kerbe: „Wenn Schleswig jetzt nicht schnell eine neue Lösung präsentiert, wird sich die CDU wohl endlich damit rühmen können, die fast 400-jährige Theatertradition in Schleswig zu Grabe getragen zu haben.“ 

„Der Ball liegt im Moment bei der Stadt Schleswig“, sagte Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) am Freitag. Spoorendonk sieht das Landestheater insgesamt gefährdet. Sie erwarte von den Gesellschaftern deutliche Signale, wie sie sich die Zukunft vorstellen. „Es wäre für mich ein Horrorszenario, wenn im Ergebnis dieser Abstimmung von gestern Abend das Landestheater in seiner Konstruktion zusammenbrechen würde.“ Das würde bedeuten, dass es im nördlichen Landesteil dann kein flächendeckendes Theaterleben mehr gäbe.

„Es geht um das Landestheater Schleswig-Holstein, nicht um ein Spoorendonk-Gedenktheater in Schleswig“, sagte Fraktionschef Johannes Callsen. Wenn die Sanierung am Lollfuß günstiger sei als ein Neubau, müssten die für einen Neubau vorhandenen Landesmittel in die Sanierung fließen.

Auch auf shz.de und dem shz.de-Facebook-Profil spalten sich die Gemüter.

 

Klare Stellung bezieht auch eine junge Landestheater-Sympathisantin: „Sobald ich wählen darf, werde ich diese Parteien nicht wählen, denn sie haben unsere Kultur auf dem Gewissen“, kommentiert Jasna Waloch auf der shz.de-Facebookseite. „Arbeitsplätze gehen verloren und viele werden ans andere Ende Deutschlands verfrachtet, wenn sie Glück haben.“

Mit dpa

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erstellt am 28.Feb.2014 | 16:51 Uhr

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