Glückstädter Palais : "Wir machen dann nicht weiter"

Bedrohtes Kunstforum: Das Palais für aktuelle Kunst kämpft nach den neusten Streichungen um seine Existenz.  Foto: GDM
Bedrohtes Kunstforum: Das Palais für aktuelle Kunst kämpft nach den neusten Streichungen um seine Existenz. Foto: GDM

Neues Opfer der Sparpläne: Mit dem Glückstädter Palais für aktuelle Kunst steht eines der schönsten Kunstforen des Landes vor dem Aus.

shz.de von
11. August 2010, 03:57 Uhr

Glückstadt | Die Ausstellungen der letzten zehn Jahre haben es erwiesen: Das historische Glückstädter Palais am Hafen ist eines der schönsten Kunstforen des Landes. Viele internationale Künstler, die zuerst skeptisch die kleine Elbestadt auf der Karte suchten, sind vor Ort hellauf begeistert, wenn sie die Präsentationsmöglichkeiten sehen.
Das denkmalgeschützte Adelspalais aus dem 17. Jahrhundert ist ein architektonisches Juwel der Spätrenaissance und Teil der historischen Innenstadt. Im klaren Raumgefüge aus Sälen und Kabinetten haben sich farbenprächtige Wandmalereien und originale Kachelöfen erhalten. "Hier wirken die sprödesten Bilder, auch mit vielen Arbeiten entsteht kein Durcheinander, alles sieht gut aus", beschreibt die Kunstvereinsvorsitzende Christiane Gehner die Wurzeln ihres ebenfalls zehnjährigen Engagements für das "Palais für aktuelle Kunst" (PAK). "Es ist ein schönes, erfolgreiches, aber mühsames Projekt. Die Schönheit des Hauses ist unser Antrieb. Eine andere Nutzung ist nicht vorstellbar."
"Ein ganzjähriger Betrieb allein auf ehrenamtlicher Basis ist nicht möglich"
Doch genau diese droht derzeit. Denn die Stadt hat im Zuge der Sparmaßnahmen die halbe Stelle für die Kuratorin gestrichen. Das bedeutet das Aus im März 2011 - wenn keine andere Lösung gefunden wird. Und an dieser arbeitet der Verein weiterhin hartnäckig: Ziel ist es, über Spenden die Stelle der Kuratorin zumindest für das nächste Jahr zu sichern. Ein Drittel der Summe hat sich bereits auf einem notariellen Anderkonto angesammelt - um die restlichen zwei Drittel geht es in den nächsten Wochen.
Denn rein ehrenamtlich seien das Niveau der Ausstellungen und der gute Ruf des Hauses weit über die Landesgrenzen hinaus nicht zu halten, macht Jan Wallraf als Gründungsmitglied des von Glückstädter Bürgern gegründeten Vereins deutlich. Die Stadt stelle zwar das Gebäude mietfrei zur Verfügung, für den Unterhalt sorge jedoch der Verein. Auch die Kosten der Ausstellungen wirbt die Kuratorin über Sponsoren ein. Dazu fließen schon jetzt jährlich rund 1000 Stunden ehrenamtlicher Hilfe ein. "Ein ganzjähriger Betrieb allein auf ehrenamtlicher Basis ist nicht möglich. Wir würden dann nicht weitermachen", sagt Wallraf. "Zwei Drittel des Budgets werden durch Sponsoren aus der freien Wirtschaft, welche das PAK augenscheinlich für wertvoll genug erachten, bestritten. Für sie ist die Streichung der Fördermittel eine deutliche Ohrfeige, eine Missachtung ihres kulturellen Engagements", mahnten auch Wiebke Logemann und Heinrich Kröger als Vorsitzende des Künstlerbundes Steinburg die Stadtvertreter.
Die Region verlöre nicht nur eine der wenigen hochrangigen Präsentationsstätten für zeitgenössische Kunst. Auch der besondere Schwerpunkt des PAK im Bereich der Fotografie würde fehlen. Christiane Gehner hat ihn als frühere Bildchefin des Magazins "Der Spiegel" mit ihren vielfältigen Kontakten aufgebaut, Hochschullehrern mit ihren Klassen ein Forum für Gruppenausstellungen geboten und auch immer wieder viele Pressevertreter zu den Ausstellungen nach Glückstadt gezogen.

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