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"Revolverheld" im Interview : "Wir haben unseren Traum verwirklicht"

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"In Farbe" heißt das neue Album von "Revolverheld". Im Interview sprachen Kristoffer Hünecke und Jakob Sinn über Fußball, Träume und das innere Kind in ihnen.

shz.de von
erstellt am 18.Mär.2010 | 02:22 Uhr

Euer letztes Album "Chaostheorie" erschien im Frühsommer 2007. Warum habt ihr euch mit der neuen CD so viel Zeit gelassen?
Kristoffer: Es gab einfach viel zu verarbeiten. Wir waren seit dem ersten Album wirklich durchgängig unterwegs, haben unfassbar viele Konzerte gespielt und hatten nie die Zeit, mal richtig zur Ruhe zu kommen. Direkt nach Erscheinen des ersten Albums haben wir angefangen, für das zweite zu arbeiten. Das hat ja dann auch nicht lange auf sich warten lassen. Wir mussten einfach mal eine kleine Auszeit nehmen. In den Urlaub fahren und realisieren, was in den letzten Jahren alles passiert ist. Man verändert sich ja auch. Als wir die Songs für unser erstes Album geschrieben haben, waren wir 18 oder 19. Wir mussten jetzt einfach mal ein bißchen Abstand haben und gucken, wo wir stehen und wer wir eigentlich sind. Das hat uns sehr gut getan. Die andere Seite war, dass wir viele neue Songs schreiben wollten. Die Plattenfirma wollte natürlich schnell ein neues Album haben, aber wir wollen wirklich zufrieden sein. Wir haben 50 oder 60 Songs für das Album geschrieben, bevor wir zur Plattenfirma gegangen sind und gesagt haben: "Hört mal rein."
Wie schwer fällt die Auswahl, wenn man sich am Ende auf 13 Songs beschränken muss?
Kristoffer: Relativ schwer. Wir entscheiden sowas mit demokratischen Abstimmungen in einem Meeting. Da gibt es natürlich Diskussionen und Tränen (lacht). Man ist natürlich enttäuscht, wenn ein Song, den man gerne mag, nicht aufs Album kommt. Aber die Titel, die es dann aufs Album schaffen, sind dann auch wirklich die, die wir fünf für die stärksten halten.
Wo wurde die CD aufgenommen?
Jakob: Wir sind extra für das Schlagzeug nach Dänemark gefahren. Wir haben uns im Vorfeld ein wenig umgehört, was andere Band-Kollegen empfehlen und da fiel immer wieder der Name "Puk"-Studio. Wir sind dann hingefahren und waren echt beeindruckt. Der Klang in diesem Aufnahmeraum war echt gigantisch. Danach ging es weiter nach Köln, wo unser Produzent Moritz Enders herkommt. Dort wurde dann der Rest eingespielt.
Wie ist der Album-Titel "In Farbe" entstanden?
Jakob: Das Album ist von der Grundaussage her sehr positiv. Unsere Vorstellung war, dass in Zeiten der Wirtschaftskrise, wo viele Leute schwarzmalen, durch unsere Musik ein bißchen Farbe in die Welt gebracht wird. Deswegen "In Farbe".
Der erste Titel der CD "Ich werde nie erwachsen" beschreibt das Gefühl, das innere Kind in sich niemals ganz loszuwerden. Wie viel Kind steckt in den Mitgliedern von "Revolverheld"?
Kristoffer und Jakob (gleichzeitig): Sehr viel.
Jakob: Das hast du absolut richtig gesagt. Egal, wie alt man ist, man sollte sich auf jeden Fall immer etwas Kindliches bewahren, sollte das machen, worauf man Lust hat und sich nicht von irgendwelchen Zahlen, die da vielleicht stehen, beeinflussen lassen. Und genau das machen wir. Wir sind schon so lange unterwegs und haben auf alle Fälle noch keinen Bock, jetzt aufzuhören. Und davon handelt das Lied.
Die erste Single-Auskopplung "Spinner" wirkt wie ein Mutmacher, seine Träume zu verwirklichen - allen Widerständen zum Trotz. Ist das eure Lebensphilosphie?
Kristoffer: Ein bißchen schon, auf jeden Fall. Wir haben alle schon früh die Angst gehabt, dass wir uns irgendwann mal fragen "Warum haben wir es damals nicht gewagt?" Deswegen standen wir auch vor sieben oder acht Jahren im Proberaum und haben gesagt: "Wir wollen das jetzt hunderprozentig machen!". Einfach so viel Musik machen, wie es nur irgendwie geht - weil wir uns mit diesem Leben einfach alle am wohlsten fühlen. Das war eine gute Entscheidung. Der Song "Spinner" kam dann durch eine Diskussion mit meiner Freundin zustande. Sie wollte ein Café aufmachen und viele ihrer Freundinnen haben ihr geraten, lieber ihren sicheren Job weiterzumachen, weil es in Zeiten der Wirtschaftskrise gerade so schwierig ist. Ich habe ihr immer Mut zugeredet und gesagt: "Ich habe vor acht Jahren auch eine Band gegründet und es hat geklappt! Du wirst dich später ärgern, wenn du es nicht gemacht hast." So ist dieser Song entstanden. Ich habe mich dann mit Johannes (Sänger der Band) zusammengesetzt und er hat seine Erfahrungen mit hereingebracht. Wir haben an diesem Punkt festgestellt, dass wir in unserem Freundeskreis viele Spinner haben.
Gegen wie viele Widerstände musstet ihr ankämpfen, als ihr die Band gegründet habt?
Jakob: Gar nicht so viele. Unsere Eltern haben uns dabei immer unterstützt. Es ist natürlich viel wert, wenn du in diesem Alter so einen großen Rückhalt hast. Natürlich gibt es im Umfeld immer Leute, die sagen: "Lern mal was Vernünftiges!" oder "Mach dein Studium fertig!". Wir haben uns dagegen entschieden und unseren Traum verwirklicht.
Gibt es noch weitere Träume, die ihr unbedingt verwirklichen möchtet?
Kristoffer: Auf jeden Fall. Es ist auch mit der Musik ein ständiger Kampf. Man muss viel dafür tun, dass man diesen Traum weiterleben kann. Das Geschäft, in dem wir unterwegs sind, ist wahnsinnig schnelllebig. Wenn wir in zehn Jahren immer noch am Start sind und Interviews geben können, dann haben wir viel geschafft. Das ist einer unserer größten Träume. Dass es so weitergeht, wie bisher. Dass wir weiter Alben machen können und die Leute auch in Zukunft zu unseren Konzerten kommen. In den Bandpausen haben wir alle ganz unterschiedliche Träume. Wir wollen alle noch viel von der Welt sehen, neue Kulturen kennenlernen. Das ist ein Traum, der uns verbindet.
Habt ihr Pläne für eine Live-Tournee?
Jakob: Ja. Die Tour startet am 13. April und endet am 25. April mit einem großen Abschluss-Konzert in Hamburg.
Wie wichtig ist euch das Feedback der Fans?
Kristoffer: Das ist für uns das Allerwichtigste. Das ist der Grund, warum wir uns zweieinhalb Jahre ins stille Kämmerlein einsperren, proben und produzieren. Wir stecken wahnsinnig viel Herzblut in unsere Arbeit und möchten danach natürlich die Reaktionen sehen. Und die direktesten Reaktionen bekommt man von den Fans. Deswegen kommen wir nach unseren Shows auch immer noch mal raus und unterhalten uns mit den Leuten. Viele sind von Anfang an dabei und kennen uns bereits seit dem ersten Album. Die wissen ganz genau, welche Entwicklung wir durchgemacht haben. Deshalb ist es so wichtig für uns, zu checken, wie die finden, was wir neues auf CD herausgebracht haben. Wir freuen uns riesig auf die Tour und darauf, all diese Leute wiederzusehen.
Ihr hattet vor zwei Jahren mit "Helden 2008" eine sehr erfolgreiche EM-Hymne am Start. Ist zur Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr auch etwas geplant?
Kristoffer: Nein, wir werden jetzt nichts Neues veröffentlichen. Der Song hat natürlich nach wie vor Gültigkeit. Jeder, der Fußball-Feeling haben möchte, sollte sie in den CD-Player werfen und hören. Wir sind selbst große Fußball-Fans und freuen uns sehr auf die WM. Wir denken auch, dass Deutschland eine große Chance hat, ganz oben mitzuspielen. Aber eine neue Single werden wir diesbezüglich nicht veröffentlichen. Wir haben so viel Arbeit in das neue Album gesteckt und legen unseren Fokus eindeutig darauf.

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