zur Navigation springen

Silbermond im Interview : "Wir haben uns keine Grenzen gesetzt"

vom

Lange verschanzten sie sich im Studio, jetzt sind Silbermond mit einem neuen Album zurück. Im Interview verraten sie, warum sich auf "Himmel auf" durchaus auch Gesellschaftskritik findet.

shz.de von
erstellt am 29.Mär.2012 | 11:10 Uhr

Kiel | Wenn Musiker eine neue CD präsentieren, sprechen Sie in aller Regel von dem besten Album, das sie je gemacht haben. Wie ist es bei "Himmel auf"?
Thomas: Wir müssen das leider auch so sagen (lacht). Das ist in diesem Fall aber kein Klischeespruch. Das Schreiben der Songs und die Produktion des Albums waren noch intensiver und schöner denn je. Mit diesem Album sind wir wirklich in die Nähe des Kerns von Silbermond gekommen - vielleicht haben wir ihn sogar getroffen.
Die Songs sind zum Teil sehr tiefgründig und gesellschaftskritisch. War das beabsichtigt?
Stefanie: Bei uns passieren Dinge prinzipiell einfach. Wir sind keine Band, die sich bereits vor der Produktion hinsetzt und eine Liste mit Themen erstellt, die verarbeitet werden müssen. In unserem Fall baut sich vieles auf der Melodie auf, um die wir dann den Text herumbauen. Der Song "Weiße Fahnen" ist beispielsweise eine sehr emotionale Nummer, die von Kindersoldaten handelt. Thomas und ich waren vor dreieinhalb Jahren in Kamerun und haben dort dank unseres Benefizprojektes "Fans helfen" eine Frauenschule eröffnet. Bei der Einweihung hat uns ein Kriegsfotograf begleitet, der uns von seiner Arbeit erzählte und berichtete, wie es sich anfühlt, wenn einem ein zehnjähriger Junge eine Waffe ins Gesicht hält. Solche Gespräche bleiben hängen. Es ist aber nicht immer so, dass man sofort alles aufschreibt. Manche Themen müssen erst reifen. Und bei dieser Platte war es soweit, dass wir sie aufschreiben konnten.
Wie wehrt ihr euch gegen aufkommende Routine beim Schreiben und Produzieren?
Thomas: Das war eine Gefahr, die uns sehr bewusst war. Aus diesem Grund haben wir alles zugelassen, was uns in den Kopf kam. Wir haben uns keine Grenzen gesetzt, sowohl textlich als auch in der Produktion. Daher haben wir die CD "Himmel auf" genannt.
Im Song "Unter der Oberfläche" heißt es "Was wir von uns zeigen, ist nur kalte Fassade". Warum fällt es Menschen so schwer, ihren wahren Kern zu präsentieren?
Andreas: Die heutige Gesellschaft ist sehr abgelenkt von sich selbst. Man präsentiert sich durch soziale Netzwerke und befindet sich gar nicht mehr auf der wahren Seite des Lebens. Vielen fällt es schwer, anderen Menschen wirklich zuzuhören. Manchmal ist man einfach oberflächlich, das geht uns allen so. Es ist traurig, dass man mitunter ein Bild von sich zeichnet, das einem gar nicht wirklich entspricht. Vielleicht kommt irgendwann eine Gegenbewegung - eine analoge Liebe oder so (lacht).
Der Song "Gegen" handelt von prinzipieller Rebellion. Was steckt dahinter?
Stefanie: Es gibt einfach Menschen, die grundsätzlich alles doof finden, ohne es zu begründen. Das sind Leute, die ohne Perspektive denken. Denen geht es nicht darum, wie man eine Situation verändern oder verbessern kann. Wenn die Welt voll von solchen Menschen wäre, würden wir nicht vorankommen.
In dem Lied "Ans Meer" singt ihr "Wenn alles zuviel wird, bring mich hierhin". Das klingt, als wäre Schleswig-Holstein ein prädestinierter Rückzugsort.
Thomas: Auf jeden Fall. Für uns ist das Meer ein Zufluchtsort - das liegt wahrscheinlich daran, dass wir nicht vom Meer kommen. Wir empfinden es daher als etwas "exotisches". Das Meer als Bild kann natürlich für jeden etwas anderes bedeuten, das können auch die Berge sein. Es geht einfach darum, einen Rückzugsort zu haben und auch mal die "Pause"-Taste zu drücken.
Bevorzugt ihr das Entspannen am Strand oder die Aktivität auf dem Wasser? Thomas: Ich bin eher der Aktivitätstyp. Ich kann mich nicht einfach nur an den Strand legen und abhängen. Das wird nach einem Tag langweilig.
Johannes: Bei mir sieht es ähnlich aus. Das liegt vermutlich in der Familie. Paragliding würde mich wirklich reizen. Das funktioniert in Schleswig-Holstein bestimmt sehr gut.
Zurück zur Musik: Ihr habt monatelang an eurem neuen Album gearbeitet und präsentiert es jetzt den Fans und der Presse. Wie schwer fällt es, sich der Kritik der Öffentlichkeit zu stellen?
Stefanie: Alles, was mit Kunst zu tun hat, ist immer Geschmackssache. Wir hängen uns zu Hause auch nicht alle die gleichen Bilder auf. Es gibt so viele unterschiedliche Künstler und Musikrichtungen - und das ist toll. Daher finde ich es völlig in Ordnung, wenn jemand unsere Platte als belanglos bezeichnet oder die Musik kritisiert. Wir überlegen uns nicht, wie wir einen Song schreiben müssen, damit er jedem gefällt. Das ist auch gar nicht möglich. Wichtig ist, dass wir vier als Band dahinterstehen.
Ihr startet eure Tour im Mai mit Konzerten in Paris, Amsterdam, Brüssel und London. Erobert Silbermond jetzt das Ausland?
Andreas: Wir haben über die Jahre hinweg viele E-Mails von Menschen aus dem Ausland erhalten, die dort leben oder beispielsweise ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Und dann dachten wir uns einfach "Hey, lass uns diese vier Konzerte spielen". Es sind ganz kleine Clubs, in denen wir auftreten werden. Für uns wird das ein totales Abenteuer, aber wir freuen uns sehr darauf.
Das Interview wurde im Radiozentrum Kiel geführt.

Silbermond live
Silbermond treten am 30. November 2012 in der Sparkassen-Arena in Kiel auf. Tickets sind unter www.eventim.de oder an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen