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Gunga bei Facebook : Wie Huhn und Schwein ins Netz gingen

vom
Aus der Onlineredaktion

Mit bunten Tierchen im Sozialen Netz: Cartoon-Zeichner Gunga sieht die digitale Welt als Chance. Und zugleich auch als Problem.

von
erstellt am 04.Nov.2014 | 19:47 Uhr

Aumühle | So wirklich geheuer ist ihm das Internet nicht. Zwei Fotos von Gernot Gunga sind über Google auffindbar, mehr sollten es auch lieber nicht werden. Eines der Bilder zeigt den Cartoon-Zeichner aus Aumühle bei Hamburg ein bisschen gedankenverloren am Strand sitzend, mit seinen Lieblings-Zeichnungen auf den Knien. Dem rosa Schwein mit rotem Halstuch und dem schneeweißen Huhn mit breitem Grinsen. Mehrere Jahre ist das Bild schon alt und der heute 43-Jährige freut sich, dass er darauf noch etwas jünger aussieht.

Trotz aller Skepsis: So ganz ohne Internet geht es auch für Gunga nicht. Bei Facebook veröffentlicht der Zeichner regelmäßig neue Cartoons oder Bilder aus seinem Archiv – die bunten, oft harmlosen Tierbilder sind bei vielen Nutzern beliebt. Doch Gunga weiß: „Die schmutzigen Sachen, die so ein bisschen schlüpfrig sind, laufen am besten.“ Auf der Facebookseite von shz.de veröffentlicht er jeden Mittwoch einen Cartoon. Mehrere hundert „Gefällt mir“-Klicks und Kommentare kommen oft als Reaktion.

„Dieser Daumen hoch, das Lob, die kommen gut an“, sagt Gunga. So gut, dass manche dieses Lob gern lieber für sich einstreichen. Denn Urheberrechte werden in Sozialen Netzen nicht immer ernst genommen – für Künstler, die ohnehin oftmals um eine angemessene Bezahlung ihrer Arbeit kämpfen müssen, ist das ein permanentes Ärgernis. So hat Gunga eine seiner Zeichnungen in „einem dieser Spaßkanäle“ bei Facebook wiederentdeckt, bei der sogar die Signatur entfernt worden war.

Seine Cartoons fertigt Gernot Gunga schon seit Jahren digital. Dazu nutzt er ein riesiges Grafik-Tableau, auf dem er mit einer Art Stift direkt in Photoshop zeichnen kann. „Ich habe direkt zur digitalen Wende angefangen“, sagt er. „Da habe ich Glück gehabt, denn das macht vieles einfacher.“

Sein Zeichenkollege Joscha Sauer hat den Veröffentlichungen im Netz seinen großen Erfolg zu verdanken. Mit der Reihe „Nichtlustig“ eroberte er eine Fangemeinde, indem er seine Cartoons bereits kostenlos im Internet zu veröffentlichte, als Gunga vor diesem Schritt aus Angst vor Urheberrechtsverletzungen noch zurückschreckte. „,Nichtlustig' war gute acht bis zehn Jahre früher im Netz“, erinnert sich Gunga. „Seine Homebase war das Internet.“  Gungas Erfolg begann hingegen mit Cartoons in der Hamburger U-Bahn. Auf Monitoren wurden seine Zeichnungen von Pinguin, Fuchs und Co gezeigt, bis die Hamburger Morgenpost auf ihn zukam. Seitdem erscheinen seine Cartoons täglich in der Zeitung, allerdings seit Jahren schon lediglich von Sponsoren finanziert.

Auch wenn der Zeichner mittlerweile auf dem Lande lebt, seine Tierfiguren entwickelte er bereits, als er noch in Hamburg Illustration und Kommunikationsdesign studierte. „Tieren kann man manchmal Dinge in den Mund legen, ohne dass einer böse wird“, sagt er. „Das ist wie in der Fabel.“ Böse Kritik musste Gunga dennoch schon einstecken. Als er Hunde zeichnete, die eine Katze in der Waschmaschine beobachteten, zum Beispiel. Das Bild von einem Weihnachtsmann, der auf einem Minarett steht, hat er lieber nur im Bekanntenkreis veröffentlicht. „Da ist dann erstmal eine Zensur im Kopf“, sagt er.

Gern dreht Gunga die angestammten Rollen auch einmal um. Da wird der Fuchs vom bösen Huhn gestalkt oder das Schaf landet mit dem Wolf im Bett. Seine Lieblingsfiguren, das Schwein Horsti und das Huhn, kommen häufig vor. „Die haben in etwa eine Beziehung wie Ernie und Bert“, sagt Gunga lachend. Den größten kommerziellen Erfolg hat dem Zeichner aber ein Igel mit einem Herzluftballon eingebracht. Die Zeichnung ist auf Tassen, Schokoladenpackungen und Postkarten abgedruckt und bringt alljährlich –  als kleiner Erbe der Diddl-Maus – einen Ertrag ein. Über einen ähnlich großen Erfolg würde sich Gernot Gunga freuen. „Aber die nette Wertschätzung ist genauso wichtig wie das Honorar. Man rettet keine Leben, aber man sorgt für bessere Laune“, sagt Gunga. „Und ein Lächeln oder ein Schmunzeln am Tag ist schon wichtig.“ 

Den nächsten Gunga-Cartoon sehen Sie am heute um 21 Uhr auf unserer Facebook-Seite.

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