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Historisches Denkmal Burg Stegen : Wie aus einer vergessenen Burg eine Touristenattraktion werden soll

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Kaum einer weiß von der verborgenen Burg. Dabei liegt sie mitten im Naherholungsgebiet der Alster.

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erstellt am 10.Nov.2017 | 13:10 Uhr

Bargfeld-Stegen | Es wirkt wie jedes andere Erholungsgebiet. Ein gut gepflegter Wanderweg zwischen Wiesen und Wäldern, Leute gehen mit ihren Hunden spazieren und Reiter lassen ihre Pferde in der Alster baden. Doch es handelt sich bei dem Fleckchen Erde bei Bargfeld-Stegen um einen historischen Ort. Auch wenn kaum etwas darauf hindeutet, stand hier einmal eine Burg, die Burg Stegen. Zu Zeiten der Hanse war die Burg Stegen ein wichtiger Knotenpunkt auf der Handelsroute von Hamburg nach Lübeck und Bad Segeberg. Heute weist nur noch eine Brücke und eine Informationstafel auf das historische Denkmal hin. Doch das soll sich ändern. Hier soll eine neue Touristenattraktion entstehen.

<p>Die Brücke diente schon früher als Zugang zur Burg. Um Besuchern den Zugang zu ermöglichen, wurde am gleichen Ort erneut eine inzwischen verwucherte Brücke gebaut.</p>

Die Brücke diente schon früher als Zugang zur Burg. Um Besuchern den Zugang zu ermöglichen, wurde am gleichen Ort erneut eine inzwischen verwucherte Brücke gebaut.

Foto: Marle Liebelt

Ihre erste Erwähnung fand die Burg Stegen im Jahr 1302, als sie - mitten in der Alsterniederung- als Kontrollpunkt auf dem Handelsweg zwischen der Hansestadt Hamburg, der Hansestadt Lübeck und Bad Segeberg diente. Die wichtigsten Güter aus der Region (Gips vom Segeberger Kalkberg, Torf aus dem Niendorfer Moor und Holz aus den Wäldern) fanden so ihren Weg in die Welt. Auch Waren, die in Hamburg ankamen, wurden über die Alster und Trave weitergebracht. Um die Alster und die Trave miteinander zu verbinden, wurde, unter Einbindung der Alten Alster, der sogenannte Alster-Trave-Kanal geschaffen. An diesem Schneidepunkt wurde die Burg Stegen errichtet.

Die Burg war zur Hansezeit ein wichtiger Knotenpunkt auf der Handelsroute von Hamburg nach Lübeck und Bad Segeberg.
Die Burg war zur Hansezeit ein wichtiger Knotenpunkt auf der Handelsroute von Hamburg nach Lübeck und Bad Segeberg.
Die historische Burg Stegen

Die Burganlage bestand aus der Hauptburg, der Vorburg und einer Erhöhung im Nordosten (als „Garten“ bezeichnet) sowie Wällen und Gräben.

Wegen ihrer strategisch günstigen Lage in der Alsterniederung waren von der Burg Stegen aus die Handelsstraßen Hamburg - Lübeck und Hamburg - Segeberg zu kontrollieren.

Um ihren Verteidigungswert zu steigern, ließ Burgherr Johann von Hummersbüttel das Wasser in der Alsterniederung aufstauen. Das flußabwärts entzogene Wasser sowie Überfälle auf vorüberziehende Kaufleute führten 1347 zur Belagerung der Burg. Trotz des Angriffes mit schwerem Kriegsgerät (zum Beispiel Steinschleudern) konnte sie aber nicht eingenommen werden. Am 22. Juli 1348 gelang es jedoch König Waldemar IV, die Aufgabe der Burg und den Abzug des Burgherren vertraglich zu erreichen. Danach wurde die Burg Stegen zerstört, ein Wiederaufbau durfte nicht erfolgen.

Überwuchert von Gestrüpp, umgefallenen Bäumen und Unkraut lässt sich nur noch erahnen, dass hier einst eine Burg gestanden hat. Das soll sich ändern. Zumindest wünscht sich das die Gemeinde Bargfeld-Stegen, die der Burg ihren Namen zu verdanken hat. Die Burg war ein Geschenk des Kreises Stormarn. Um 1900 wurden einige archäologische Untersuchungen angestellt, die den vorderen Teil der Burg erahnen ließen. Bei den Ausgrabungen stieß man auf starke Felssteinfundamente und einzelne Backsteine.

Einer von ihnen liegt im Büro von Ulrich Bärwald, der für das Projekt „Kultur- und Erlebnisraum Burganlage Stegen“ im Bauamt vom Amt Bargteheide Land zuständig ist. Die Burganlage soll auf vier Hügeln gestanden haben, die von Wassergräben umgeben und geschützt wurden. Die Hügel und Gräben sind bei einem Besuch noch deutlich erkennbar. „Wir wissen, dass auf der Hauptburg ein Wohnturm gestanden hat“, erklärt Bärwald. Ansonsten weiß man noch nicht viel über die Burg. Lediglich der vordere Teil der Anlage wurde archäologisch erforscht.

<p>Auf Hügel eins und zwei wurden schon einmal Ausgrabungen gemacht. Drei und Vier sind noch völlig unerforscht.</p>

Auf Hügel eins und zwei wurden schon einmal Ausgrabungen gemacht. Drei und Vier sind noch völlig unerforscht.

Foto: Marle Liebelt

Nun sieht sich die Gemeinde in der Pflicht, das historische Denkmal für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Erste Anstrengungen, den Ort wieder „begehbar“ zu machen, wurden in den 1980er Jahren unternommen. Man hat das Fundament des Wohnturmes wiederhergestellt. Auch gibt es eine Brücke mit einer Infotafel, die zu dem überwucherten Gelände führt. Die letzten beiden Stürme haben allerdings für noch mehr Chaos gesorgt und einige Bäume umgestürzt. „Darüber sind wir eigentlich ganz froh“, so Bärwald. Denn, alles was jetzt schon umfällt, muss nicht mehr gerodet werden.

<p>Hier soll einst die Hauptburg mit Wohnturm der Burganlage gestanden haben.</p>

Hier soll einst die Hauptburg mit Wohnturm der Burganlage gestanden haben.

Foto: Marle Liebelt
 

Er ist zuversichtlich, was das Projekt angeht. Die Gemeinde bewirbt sich für Fördergelder, um das Projekt stemmen zu können. Erste Schätzungen kommen auf eine halbe Million Euro. Wie genau das Projekt umgesetzt werden soll, ist noch in der Findungsphase. Aber alle sind sich einig: Es soll etwas geschehen. Finanziell musste die Gemeinde Bargfeld-Stegen sich vorerst auf die Sanierung des Ortskerns konzentrieren. „Das ist aber alles in trockenen Tüchern und wird voraussichtlich im Herbst nächsten Jahres fertiggestellt“. Nun kann die Ideenfindung für die Burganlage konkretisiert werden.

Erste Pläne sehen vor, einige Bäume zu roden, Gestrüpp wegzuschneiden und das Gelände überhaupt ersteinmal zugänglich zu machen. Dann könnten Picknickplätze und ein Hauptweg über das Gelände entstehen, und die Wassergräben, die einst die Burg umgaben, wieder geflutet werden.

<p>Die Anordnung der Anlage wurde historisch rekonstruiert.</p>

Die Anordnung der Anlage wurde historisch rekonstruiert.

Foto: Marle Liebelt
 

Eine Instandsetzung würde auch bedeuten, dass der hintere Teil der Burganlage archäologisch erschlossen werden muss, um herauszufinden, was dort verborgen lag. Eventuelle Fundamente wieder frei gelegt werden. Ulrich Bärwald könnte sich vorstellen, dass dort ein Gemüsegarten angelegt war.

Bis aus dem kulturellen Erbe der Gemeinde jedoch eine nutzbare Touristen-Attraktion werden kann, sind einige Hürden zu nehmen. Die anstehenden Maßnahmen müssen mit der Naturschutzbehörde, dem archäologischen Landesamt, dem Denkmalschutz und der Wasserschutzbehörde abgestimmt werden. „Bislang waren aber alle wichtigen Träger von dem Vorhaben begeistert und stehen hinter uns“, sagte Bärwald. Die Burg würde in ein Netz von Ausflugsorten in der Region eingebunden.

Die interaktive Karte zeigt die wichtigsten Ausflugsorte, die die Burg Stegen umgeben.

 

Der Alsterwanderweg geht bis Kayhude und könnte bis zur Burg erweitert werden. Ebenso könnten Wander-, Rad-, Reit- oder Kanu-Touren angeboten werden. Nicht weit entfernt liegt das Nienwohlder Moor, das Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook und das Gut Jersbek. „Die Idee ist, die Burg Stegen zu einem weiteren lukrativen Ausflugsziel zu machen, und sie so in das kulturelle und historische Angebot in der Region einzubinden“, beginnt Bärwald.

Das nicht weit entfernte Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus habe bereits seine Kooperationsbereitschaft angekündigt. Hier könnte ein Parkplatz für die Besucher entstehen, und die Kantine und das hauseigene Schwimmbad genutzt werden. Vom Krankenhaus aus, kann die Burg fußläufig erreicht werden und auf dem Rückweg könnte auf dem Gut Stegen eine Rast eingelegt werden. Ulrich Bärwald könnte sich auch vorstellen, die Arbeit von Menschen mit Behinderung des Gutes auf die Instandhaltung der Burganlage auszuweiten. „Man könnte hier zum Beispiel eine Schafherde halten, die das Gelände regelmäßig abgrast“. Aber das sind alles Zukunftsideen, die gesammelt werden. Vorerst soll die Finanzierung geklärt werden. Bis zum 31. März müssen alle Unterlagen für Bewerbungen um Förderprogramme raus.

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