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Untergang vor Helgoland : Wer plünderte das Wrack des Kutters "Hoheweg"?

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Ende 2006 sank der Fischkutter "Hoheweg" vor Helgoland. Jetzt ist ein Buch über den Untergang erschienen. Kay Müller sprach mit dem Autor Lars Schmitz-Eggen.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2010 | 05:46 Uhr

Helgoland / Bremerhaven | Kaum ein Unglück hat die Menschen an Nord- und Ostsee in den vergangenen Jahren so betroffen gemacht wie der Untergang des Fischkutters "Hoheweg", der am 8. November 2006 zwischen der Wesermündung und der Insel Helgoland sank. Die vier Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Drei Leichen wurden bei Pellworm, im Kaiser-Wilhelm-Koog nahe Brunsbüttel und südlich von Helgoland angespült, der Kapitän wurde später für tot erklärt. Jetzt hat der Journalist Lars Schmitz-Eggen (44) das Unglück in einem Buch aufgearbeitet.
Herr Schmitz-Eggen, warum haben Sie dieses Buch geschrieben?
Der Untergang der "Hoheweg" hat viele Menschen getroffen. Das ist kein Fall, den die Leute ruckzuck vergessen. Und mich hat es auch persönlich interessiert, warum das Schiff unterging.
Können Sie denn nach Einsicht aller Unterlagen sagen, was an dem Unglückstag an Bord des Fischkutters passiert ist?
Genaues weiß man nicht, weil alle, die dabei waren, tot sind. Die Untersuchung ergab aber, dass in stürmischer See der Motor ausgefallen ist, der Kapitän in den Maschinenraum ging und das Schiff anschließend kenterte - so schnell, dass die Mannschaft keinen Notruf mehr absetzen konnte. Letztlich sind wohl Umbauarbeiten am Schiff dafür verantwortlich gewesen, dass der Kutter für dieses stürmische Novemberwetter mit Windböen in Stärke 9 nicht mehr seetauglich war. 2003/04 wurde das Schiff von einem Seitentrawler in einen Heckfänger umgebaut. Besonders tragisch ist dabei, dass der Sohn des Reeders, gegen den später die Staatsanwaltschaft ermittelte, als Kapitän der "Hoheweg" selbst beim Unglück ums Leben kam. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden.
Gibt es Schuldige an dem Untergang?
Rund eineinhalb Jahre nach dem Untergang der "Hoheweg" hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg die Ermittlungen gegen den Reeder wegen fahrlässiger Tötung eingestellt. Man war sich nicht sicher, dass die "Hoheweg" auch ohne die Veränderungen an den Aufbauten gekentert wäre. Auch dem Sachverständigen der See-Berufsgenossenschaft konnte keine Fahrlässigkeit bei der Abnahme des Kutters nach dem Umbau nachgewiesen werden.
Sie haben etwas Ungewöhnliches bei den Recherchen zu Ihrem Buch herausgefunden...
Ja. In der Öffentlichkeit ist meines Wissens nicht bekannt geworden, dass offenbar unbekannte Taucher am und im Wrack waren, bevor das Schiff gehoben werden konnte. Beim ersten Tauchgang waren die Brückenfenster des Schiffes alle noch intakt. Als die "Hoheweg" dann gehoben wurde, fehlten einige von diesen Fenstern. Sie wurden offenbar sauber herausgetrennt.
Haben Sie noch mehr Anhaltspunkte für diese These?
Ja, im Fahrstand der "Hoheweg" haben die Unbekannten kreuz und quer Netzgarn gespant, unter anderem auch am Gashebel der Maschine. Ein Taucher hat mir erklärt, dass man das macht, um sich besser unter Wasser orientieren zu können. Das müssen auf jeden Fall Profis gewesen sein. Denn sie müssen getaucht sein, als es das Wetter eigentlich nicht zuließ.
Wer kann das gewesen sein?
Unklar. Wrackräuber, die wir aus anderen Zusammenhängen kennen, nehmen in der Regel Trophäen wie die Schiffsglocke oder den Kompass mit. Die sind aber im Wrack der "Hoheweg" gefunden worden. Der Bordcomputer hingegen fehlte. Wer dort unten war und was er dort wollte - das wird wohl nie endgültig zu klären sein, weil die Beteiligten kaum ein Interesse daran haben werden, darüber zu reden.
Ist Ihnen so ein Fall in Ihrer langen Erfahrung als Fachjournalist für maritime Zeitgeschichte schon einmal untergekommen? Nein. Es gab viele Spekulationen darüber, warum die "Hoheweg" sank - von Monsterwellen über Torpedos bis hin zu treibenden Containern, mit denen das Schiff kollidiert sein soll...
...dafür gibt es keine Hinweise.
Was bleibt für Sie persönlich nach einem Buch, für das Sie zwei Jahre recherchiert haben?
Es war mir wichtig, mit diesem Buch etwas Bleibendes zu schaffen. Es gibt so viele Katastrophen in unserer Welt, dagegen ist der Untergang der "Hoheweg" nur ein "kleines Unglück". Und doch hat es etwas wie einen kleinen Gedenkstein verdient, und wenn es nur in Form eines Buches ist.

Lars Schmitz-Eggen: Das Schicksal der "Hoheweg", books on demand, Norderstedt, ISBN 978-3-8391-1996-9; 24,90 Euro

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