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Erfundene Sprachen : Wenn Klingonen zur Begrüßung höflich knurren

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Flensburger Linguist erforscht erfundene Sprachen. Er vergleicht unter anderem das wohlklingend-poetische Elbisch mit der Aggressivität des Klingonischen.

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erstellt am 20.Mai.2014 | 18:06 Uhr

Flensburg | Wissenschaftler müssen sich oft den Vorwurf anhören, ihre Forschung sei überflüssig. Dieses Problem hat Franz Januschek nicht, obwohl es erst einmal seltsam klingt, dass der Flensburger Linguist erfundene Sprachen wie Klingonisch oder Elbisch wissenschaftlich untersucht. Aber „Was soll das?“ fragt ihn niemand. „Das Klima hat sich verändert“, sagt der Sprachwissenschaftler, „die Leute interessieren sich heute sehr für solche Sprachen.“

Januscheks Seminare an der Flensburger Universität, die sich zum Beispiel dem Vergleich der deutschen und klingonischen Grammatik widmen, sind gut besucht. Während Menschen, die sich solche Sprachen ausdenken, früher als Außenseiter galten, werden sie heute von großen Produktionsfirmen beauftragt, um für Kinofilme oder Computerspiele exotische Sprachen zu entwickeln. Klingonisch wurde zum Beispiel 1984 vom Lingusiten Marc Okrand erfunden, um dem außerirdischen Volk der Klingonen in den „Star-Trek“-Filmen eine Sprache zu geben. „Heute gibt es eine große Fangemeinde dieser Filme“, sagt Januschek.

Der 64-Jährige ist kein „Star-Trek“-Fan. Über seine Töchter wurde der Linguist auf die Sprache der Außerirdischen aufmerksam. „Die beiden zeigten mir ein kleines Buch – ein Wörterbuch für Klingonisch“, erzählt Januschek. Er dachte, dass sei ja lustig, und von da an war sein Forscherinteresse geweckt. Dafür, dass es eine Aufmerksamkeit für diese oder die elbische Sprache aus der „Herr der Ringe“-Welt gibt, hat der Wissenschaftler eine Erklärung parat: „Die technologische Entwicklung hat für eine andere Wahrnehmung gesorgt. Im Internet sehen Einzelgänger, dass es noch andere Leute gibt, die ihre speziellen Interessen teilen.“

Januschek, der selbst einmal versucht hat, eine Sprache zu erfinden, mag es lieber, Sprachen anderer zu bewerten. Zwischen Klingonisch und Elbisch sind die Unterschiede offensichtlich: Elbisch hat J.R.R. Tolkien komponiert, um den Elben eine edle, wohlklingende Sprache zu geben. „Aiya!“ heißt „Hallo“. Dagegen soll Klingonisch auf Wunsch der Filmproduzenten fremdartig und aggressiv wirken. Januschek macht es vor: Er schnalzt, knarzt und knackt mit der Stimme: „NuqneH!“ ist die klingonische Begrüßung. Es ist die Sprache eines kriegerischen Volkes – mit Würgelauten, bei denen der Gesprächspartner bei korrekter Aussprache auch mal nass wird.

Klingonisch ist also ein Beispiel dafür, dass Sprachen und Grammatik kein trockenes Thema sein müssen. „Für grammatikalische Fragestellungen interessieren sich leider nur wenige Menschen“, sagt Januschek. „Die Auseinandersetzung mit Grammatik kann so spannend sein wie ein Rätsel zu lösen“, erklärt der Linguist, der untersucht, wie erfundene Sprachen Alternativen zum herrschenden Denken und Sprechen schaffen. „Sich mit Sprachen zu beschäftigen, ermöglicht es, um die Ecke zu denken – man wird beweglich im Kopf.“

Daher ist sein didaktisches Ziel, Studenten zu zeigen, wie unterschiedlich Sprachen sind, damit sie später als Lehrkräfte gut auf Kinder eingehen können, die aufgrund eines Migrationshintergrunds Probleme mit der deutschen Sprache haben. „Man muss nicht gleich eine andere Sprache sprechen können, man muss nur wissen, wie man auf Menschen, deren Sprache man nicht kennt, zugeht“, sagt Januschek.

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