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„Tatortreiniger“ : Weißer Anzug – schwarzer Humor

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ab heute sendet der Norddeutsche Rundfunk drei neue „Tatortreiniger“-Folgen. Darsteller Bjarne Mädel stößt eine Qualitäts-Debatte an.

Hamburg | Er trägt wieder Schnauzer und Zöpfchen und putzt sich im weißen Schutzanzug und mit schwarzem Humor eifrig in skurrile Situationen hinein. Der „Tatortreiniger“ rückt zu seinen nächsten Einsätzen an. „Schotty“ (Bjarne Mädel) trifft diesmal in der Wohnung eines toten Zauberers auf den Schwulen „Fanny Fee“, der die Leiche seines Geliebten vor dessen Ehefrau versteckt. Er muss sich mit einer Veganerin streiten. Und er steht plötzlich einem Konkurrenten gegenüber: ein Schamane kümmert sich um die spirituelle Reinigung eines Tatorts. Drei neue Folgen und drei alte Episoden des preisgekrönten Comedyformats zeigt das NDR Fernsehen von heute an jeweils im Doppelpack an drei Abenden (ab 22 Uhr) hintereinander. Das „Erste“ hat keine neuen Aufträge für „Schotty“.

„Im Ersten sind im Augenblick keine Folgen geplant“, berichtet NDR-Sprecherin Iris Bents. Ein Mal durfte der „Tatortreiniger“, der zwei Grimme-Preise abstaubte, bislang im „Ersten“ ran – bei schlechten Einschaltquoten.

Auch bei seinem Heimatsender NDR kann „Schotty“ nur selten aufräumen. „Eine der neuen vier Folgen, die wir jetzt gerade gedreht haben, läuft im Januar, die anderen meines Wissens leider erst im Januar 2015“, sagt Hauptdarsteller Mädel, der mit Regisseur Arne Feldhusen jüngst eine dritte Staffel mit vier Geschichten nach den Drehbüchern von Mizzy Meyer umgesetzt hat.

„Wir haben noch eine Menge Ideen und auch das Gefühl, dass wir immer besser und eingespielter werden“, sagt der Hamburger Mädel, den viele TV-Zuschauer als „Ernie“ aus der ProSieben-Serie „Stromberg“ kennen. „So lange wir nur vier Folgen im Jahr machen, kann das schon noch ein paar Jahre weitergehen“, meint er. „Wir hätten zwar Ideen für noch mehr, aber wir sind nicht diejenigen, die entscheiden, wie viele gesendet werden können.“

Wenige Monate nach dem Start hatte der „Tatortreiniger“ 2012 den Grimme-Preis erhalten – und der Norddeutsche Rundfunk (NDR) Kritik für seine „schlechte und lieblose“ Platzierung der ersten Folgen im Nachtprogramm. „So darf man mit gutem Fernsehen, das man selbst in Auftrag gegeben hat, nicht umgehen“, sagte Fernsehkritiker Hans Hoff damals.

Auch Mädel betont: „Es gibt meines Erachtens nach wie vor wenig Mut zu Neuem bei den Programmverantwortlichen. Und auch leider nicht immer Rückhalt. Es ist ja nicht so, dass man uns jetzt den roten Teppich ausrollt und uns ein grenzenloses Budget gibt.“ Aber das Team wolle weiter für seine Qualität kämpfen. „Die Hauptsache ist doch, dass wir es überhaupt machen können“, sagt der Hauptdarsteller. Er mag seinen „Schotty“, der sehr direkt und ehrlich sei und das Herz auf der Zunge trage.

„Und er hat ein großes Herz“, meint Mädel. „Die Arbeit, die er macht, sieht er ja auch eher als soziale Arbeit an. Den Leuten eben in Zeiten der Trauer den Dreck wegzumachen – das gibt ihm das Gefühl, etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun.“

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erstellt am 07.Jan.2014 | 15:52 Uhr

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