Museumsberg Flensburg : Was einen Museumsdirektor glücklich macht

'Litfaßsäule in Altona' von Harald Duwe.
"Litfaßsäule in Altona" von Harald Duwe.

"Bürgerstolz und Sammlerglück": Der Flensburger Museumsberg präsentiert Neuerwerbungen der letzten drei Jahrzehnte.

shz.de von
25. September 2009, 08:53 Uhr

Flensburg | Ein bisschen Rückschau ist schon dabei: "Das Sammeln ist die Basis eines jeden Museums", sagte Ulrich Schulte-Wülwer gestern bei der Präsentation seiner vorletzten Ausstellung. Und da der Etat für Neuanschaffungen des Flensburger Museums eher knapp bemessen ist, hat Schulte-Wülwer schon immer das gemacht, was man als Museumsmann dann macht: "Man muss sich mit Sammlern gut stellen, sie gelegentlich besuchen und ein Auge auf ihre Stücke werfen." So konnte er sich über die Jahrzehnte seiner Tätigkeit über Hunderte von Schenkungen und Stiftungen freuen; insgesamt kamen in seiner Amtszeit 3500 neue Stücke ins Haus. Ein sehr abwechslungsreicher Querschnitt ist ab Sonntag auf dem Museumsberg zu sehen - ein bunter Strauß an schönen, seltenen, kuriosen oder wertvollen Dingen.

Da ist ein Richtschwert des Scharfrichters Vitus Jeltzer, die Kurbel der letzten Flensburger Straßenbahn, eine Supraporte von 1750, eine Jugendstil-Vase von Hans Christiansen, Bilder aus der Flensburger Stadtgeschichte. Zu vielen Dingen kann der Sammler Geschichten erzählen, gelegentlich auch beklemmende: Zwei Gemälde von Klaus Fußmann schenkte dem Museum eine Kunstsammlerin, die sie im Bewusstsein des nahen Todes in guten Händen wissen wollte.

Eine schwarz-rot-goldene Fahne aus den Revolutionsjahren 1848/49, eine Kanonenkugel mit Gravur, eine dänische Flinte von den Düppeler Schanzen und passende Gemälde stehen für die Geschichte des 19. Jahrhunderts. Noch heute erinnert sich Schulte-Wülwer daran, wie ein 80 Jahre alter deutscher Nordschleswiger plötzlich in der Tür stand und ein wertvolles Gold-Collier von 1761 brachte - mit Original-Etui und Rechnung! Der Idstedt-Löwe ist zu sehen, eine Karaffe der Flensburger Glashütte, Wandteppiche aus Scherrebek, eine aufregende Schwerttänzerin von Adolf Brütt, Bilder aus der Ekensund-Zeit, ein großes Gemälde von Alex Eckener. Doch auch - wie kurios - eine kunstvoll gestaltete Rundgrafik mit einer Arbeitsmarkt-Statistik.

Inhaltlich und stilistisch sind die Wechsel in so einer Ausstellung abrupt, und gewiss ist nicht alles Kunst - aber alles ist interessant, vieles spannend, und das meiste sehenswert. Wie ein roter Faden zieht sich die Flensburger Stadtgeschichte durch die Schau, und von daher ist der Titel durchaus sinnfällig.."Bürgerstolz und Sammlerglück", Museumsberg Flensburg, 27.9.-10.1.2010, Di-So 10-17 Uhr, ab Oktober 10-16 Uhr.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen