Nord-Art 2014 : Warten auf Russlands Kunst

Schwieriger Transport:  Skulptur „Geheime Räume“ von Alexander Rukavishnikov.
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Schwieriger Transport: Skulptur „Geheime Räume“ von Alexander Rukavishnikov.

Am kommenden Sonnabend beginnt die Nord-Art 2014. Viel Arbeit für das Team um Chefkurator Wolfgang Gramm – und manchmal auch eine Geduldsprobe.

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10. Juni 2014, 09:49 Uhr

Büdelsdorf | Die Zeit des Wartens ist vorbei, der Lastwagen ist da. Ein Lastwagen angefüllt mit russischer Kunst. Endlich. Wolfgang Gramm, Chefkurator der Nord-Art, steht im russischen Pavillon der internationalen Kunstausstellung und schaut sich die Bilder an, die gerade ausgeladen werden. Über 150 Werke, überwiegend großformatig.

„Ich bin froh, dass der Laster endlich da ist, wir haben lange gewartet. Und jetzt haben wir noch einiges zu tun“, sagt er und schaut die langen weißen Wände entlang, die alle noch behängt und beschriftet werden müssen. Die Nord-Art 2014 ist noch im Aufbau, das ist unverkennbar.

In den Hallen der ehemaligen Eisengießerei Carlshütte sind – nicht nur im russischen Pavillon – noch unzählige Wände zu füllen bis zur Eröffnung einer der größten Kunstausstellungen Europas am kommenden Sonnabend. Viele Bilder sind bereits an ihrem Platz, aber noch nicht gehängt, Skulpturen zur Hälfte ausgepackt, andere unter ihrer Plastikhülle nur zu erahnen.

Gramm spricht trotzdem ruhig und unaufgeregt von dieser Mammutaufgabe, die er und seine Mitarbeiter innerhalb der nächsten Tage vollbringen müssen. „Dann bleiben wir eben jeden Tag bis Mitternacht hier, am Ende wird alles an seinem Platz sein.“ Es ist gewiss nicht das erste Mal, dass Gramm improvisieren muss.

Die Ecken der Ausstellung – sofern man diesen riesigen Hallen überhaupt noch von Ecken sprechen kann –, die bereits fertig sind, geben ein Versprechen auf das, was die Besucher erwartet. Ein Querschnitt nicht nur durch die weltweite Kunst, sondern auch ein Konzept, das einen mit seiner ganzen visuellen Fülle mitunter erschlagen kann. „Die Nord-Art ist ein Gesamtkunstwerk“, sagt Gramm mehrere Male. Er will es nicht anders aufgefasst sehen: „Mir geht hier nicht um einen musealen Blick, die Werke stehen alle in Verbindung zueinander und fügen sich zu einem Gesamtwerk zusammen.“ Das macht die Sache mit der eiligen Hängung vermutlich nicht einfacher.

Zu dem Begriff Gesamtkunstwerk passt auf jeden Fall auch der architektonische Hintergrund. Die alten Produktionshallen mit ihren nahezu unberührten Räumen und Hallen entwickeln aus sich selbst eine unmittelbare Ästethik – auch wenn die Räume leer blieben, gäbe es viel zu zu sehen. Und wer mit Johanna und Hans-Julius Ahlmann, denen Gelände und Gebäude gehören und die außerdem den Großteil des Kunstwerks Carlshütte finanzieren, durch die Hallen läuft, bekommt einen Eindruck davon, wie hier gearbeitet wird: Mit großer Begeisterung und ziemlich gleichberechtigt. „Bei der Festlegung der Schwerpunktländer ringen wir zwar immer lange miteinander, am Ende aber werden wir uns immer einig“, sagt Hans Julius Ahlmann und Wolfgang Gramm stimmt zu. Er habe in den all den Jahren noch nie eine Einschränkung erfahren. Man versteht sich offensichtlich gut. Auch im vergangenen Jahr wurde natürlich um das Schwerpunktland gerungen, am Ende wurde es Russland.

Als die Entscheidung gefallen war, konnte niemand ahnen, dass die Ukraine-Krise einige Monate später große diplomatische Spannungen zwischen dem Westen und Russland bringen würden.

„Wir machen hier aber keine Politik, sondern schaffen Kontakte zwischen den Künstlern verschiedener Länder“, sagt Gramm. Künstler aus 55 Nationen stellen in diesem Jahr bei der Nord-Art aus. Die Politik will Gramm dabei draußen halten. Oder es zumindest versuchen.

Auf ihn wartet gerade ohnehin ein ganz anderes Problem. Einige Werke aus dem Lastwagen mit der russischen Kunst sind beschädigt worden. Kein Wunder, immerhin waren sie mehrere Woche unterwegs. Noch ein Problem, das gelöst werden muss. Und nur noch ein paar Tage Zeit.

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