Erfolgsgeschichte : Wachholtz Verlag: Literatur für das Land

Führte die Geschäfte seit 1994: Gabriele Wachholtz.
Führte die Geschäfte seit 1994: Gabriele Wachholtz.

Vor 90 Jahren wurde der Wachholtz Verlag in Neumünster gegründet – eine Erfolgsgeschichte, die bis heute fortgesetzt wird.

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17. Juni 2014, 08:10 Uhr

Vor 90 Jahren gehörte viel Mut dazu, inmitten der Weltwirtschaftskrise einen Buchverlag zu gründen. Die Folgen des Krieges und vor allem der Volksabstimmung mit dem Verlust Nordschleswigs waren überall im Land zu spüren. Karl Wachholtz war in Eutin bereits Teilhaber einer Zeitung. Aber mehr noch als die Aktualität begeisterten ihn die Landeskunde, die Archäologie und vor allem auch die niederdeutsche Sprache. Eine seiner ersten Publikationen war das Holsteinische Wörterbuch von Otto Mensing, das bis heute im Verlagsprogramm angeboten wird.

Als Karl Wachholtz 1962 starb, übernahm sein Sohn Ulf den Verlag, der durch Erbschaft und Zukauf bald in einer Hand war. Bereits 1948 hatte er die am Eutiner Kreiskrankenhaus als Ärztin beschäftigte Gisela Brinkmann geheiratet. Erst zwei Jahre vorher war er, gesundheitlich schwer angeschlagen, aus russischer Gefangenschaft entlassen worden. 1969 starb er überraschend, und seine Witwe musste den Verlag übernehmen, der inzwischen über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden war. Die Entscheidung, von allen Bundesländern sowie für Skandinavien und Österreich Luftbildatlanten herauszugeben, brachte Ansehen und wirtschaftlichen Erfolg.

Wie schon ihr Mann war auch Dr. Gisela Wachholtz stark an der Landeskunde interessiert. Hinzu kam ihre Begeisterung für Kunst und Kultur. Dies führte dazu, dass sie in zahlreiche Gremien berufen wurde. Dazu zählte der Kulturring der Studien- und Fördergesellschaft der schleswig-holsteinischen Wirtschaft. Ihm verdankt das Landesmuseum Schloss Gottorf den Ankauf nicht finanzierbarer Kunstwerke. 25 Jahre lang führte Gisela Wachholtz den Verlag und übergab ihn 1994 an ihre Schwiegertochter Gabriele.

Die gelernte Pädagogin stürzte sich mit großem Engagement in die neue Aufgabe und trug entscheidend dazu bei, dass sich das Angebot des Verlags noch einmal erweiterte. Zugute kam ihr, dass sie wie ihre Vorgängerin an der Spitze des Unternehmens eng mit dem kulturellen Leben des Landes verbunden ist. Etwa als Vorsitzende des Freundeskreises Schloss Gottorf.

Ein Blick in das Jahresprogramm des Verlags macht deutlich, wie breit die Spannweite des Angebots ist. Es gibt Titel über das Sammeln von Strandsteinen, über Kartoffelanbau, über bronzezeitliche Forschung, historische Personen und über das Leben im Wattenmeer. Hinzu kommen Lexika, wissenschaftliche Publikationen über Zeit- und Regionalgeschichte, Festschriften für renommierte Persönlichkeiten des Landes, in jüngster Zeit sogar regionale Krimis.

Zu den Standardwerken, die das Ansehen des Verlags geprägt haben, zählt die vierbändige Literaturgeschichte des Flensburger Germanisten Prof. Horst Joachim Frank, dessen Tod leider verhindert hat, dass diese geradezu spannend geschriebene Reise durch die schleswig-holsteinische Literaturlandschaft nicht die Neuzeit erreichte. Ebenso bedauerlich ist das Ende des Biografischen Lexikons, dessen 13 Bände in überaus sachkundigen Beiträgen Leben und Wirken mit dem Norden verbundener Frauen und Männer schildern.

Im Jahr 2012 fand mit der Übernahme des Verlags durch Dr. Sven Murmann erneut ein Generationswechsel statt. Der in Kiel geborene neue Eigentümer, der sich mit seinem Hamburger Verlag auf Bücher zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft spezialisiert hat, will das traditionelle Neumünsteraner Unternehmen in seiner jetzigen Ausrichtung weitgehend erhalten.

Auf dem 90. Geburtstagsfest heute wird auch Ministerpräsident Torsten Albig die Bedeutung des Jubilars würdigen.

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