NordArt : Von Moskau und China nach Büdelsdorf

Das pralle Leben: 'Die Kurtisanen von Vendedig' von Jorge Luis Carrillo Salazar. Foto: Sopha
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Das pralle Leben: "Die Kurtisanen von Vendedig" von Jorge Luis Carrillo Salazar. Foto: Sopha

Am Sonnabend öffnet die NordArt zum 11. Mal ihre Tore und präsentiert zeitgenössische Kunst. Stark vertreten sind China, Russland und Deutschland.

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15. Juni 2009, 11:40 Uhr

Wolfgang Gramm ist erleichtert. Der Container aus China ist rechtzeitig eingetroffen. Und die Werke aus Korea seien vorgestern angekommen, erklärt der NordArt-Ausstellungsmacher und Geschäftsführer. Noch wird in den Hallenschiffen der alten Büdelsdorfer Eisengießerei gehämmert und gefegt. Aber am Sonnabend wird alles sauber und beschriftet sein - ab dann wird für gut drei Monate auf dem ehemaligen Industriegelände wieder die Kunst im Mittelpunkt stehen.
Auch José Yutronic hat noch den Pinsel in der Hand. Der Chilene arbeitet seit vier Wochen auf dem Aco-Gelände. Seine "Sequence of Alme" ist fast fertig; jetzt führt er noch sorgsam kleinere Reparaturen aus. Anya Zholud dagegen hat jetzt Zeit für Interviews, nachdem sie in den vergangenen Wochen zwischen Venedig und Büdelsdorf gependelt ist. Denn die Moskauer Künstlerin, die bereits zum dritten Mal im Norden Schleswig-Holsteins ausstellt, ist auch auf der Biennale vertreten.
Gemälde, Installationen und Skulpturen
"218 Künstler aus 34 Ländern", lautet die stolze Bilanz von Wolfgang Gramm. "Wir werden überraschende Perspektiven und auch ungewöhnliche Begegnungen mit der Kunst bieten", verspricht er. Die Werke - Gemälde, Installationen und Skulpturen - werden auf 22.000 Quadratmetern Hallenfläche und 60.000 Quadratmetern im historischen Park präsen tiert.
Deutschland ist mit 94 Künstlern vertreten, davon kommen 21 aus Schleswig-Holstein: Skulpturen von Menno Fahl, der "Helix" aus Anröchter Dolomit - das neue Werk von Jo Kley und eine farbenfrohe Strohhalm-Installation von Ulrich Behl sind einige von ihnen. Stark vertreten sind auch die Chinesen und Ost-Europäer.
"Wir sind keine Biennale"
Vor allem die Begegnungen mit der Kunst aus Ländern wie China hält Gramm für faszinierend. "Wir haben oft eine andere Vorstellung von China, als das Land tatsächlich ist". Gleiches gelte umgekehrt. Der Chinese Hu Tong verbindet auf seinen Gemälden Elemente im traditionellen Stil mit ganz modernen - wie Coca Cola oder Zeitschriften - und verdeutlicht auf diese Weise, dass das "Land der Mitte" künstlerisch in der Neuzeit angekommen ist.
Allerdings "haben wir die Werke ganz bewusst gemischt", erläutert Gramm, der selbst Maler und Bildhauer ist, sein Konzept. "Wir sind keine Biennale." Darum hängen die unterschiedlichsten Stile in einem Raum.
Die hohen weißen Wände, die Oberlichter der Werkhallen oder auch die Enge der ehemaligen Sozialräume der Fabrik bieten jedoch eine einmalige Kulisse - genau wie der Park - sowie eine spannungsgeladene Schau mit faszinierenden Perspektiven. Also kein künstlerisches Fast Food: "Man braucht zwei Tage, um die NordArt zu sehen", erklärt Wolfgang Gramm.

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