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Tommy Jaud: "Hummeldumm" : Vollidioten im Funkloch

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Neun Trottel eiern im Bus durch die Wüste und finden ein entführtes Erdmännchen, ein liebestolles Warzenschwein - aber kein Handynetz. Tommy Jaud hat erneut zugeschlagen.

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erstellt am 12.Mär.2010 | 08:26 Uhr

Der verkniffene Technikfetischist Matze könnte so glücklich sein: Er hat eine liebe Freundin, er ist im exotischen Abenteuer-Urlaub in Namibia und zu Hause in Köln wartet die neue, absolute Traumwohnung auf das glückliche Paar - mit "Rhein-View".
Dummerweise entpuppt sich die Reisegruppe, mit der die Verliebten stundenlang - nein, tagelang - im klapprigen Kleinbus durch die Wüste gondeln sollen, als absoluter Fehlgriff: Darunter eine unterbelichtete Wetterfee, ein in die Jahre gekommener Franke, der den Urlaub eigentlich nur durch das Objektiv seiner Video-Kamera erleben möchte und ein asketischer Ossi, der einmal 1001. beim Iron Man auf Hawaii geworden ist - allesamt angeführt vom Namibianer Bahe, der die Marotten der schrägen Gang zunächst mit großer Geduld erträgt. Für Matze ist schon beim ersten Anblick klar: Das kann nur schief gehen.
Jagd nach dem Handynetz
Das tut es auch: Matze hat komplett vergessen, die Reservierungsgebühr für das neue Domizil zu überweisen. Doch seine Versuche, die Sparkasse Euskirchen zu erreichen scheitern entweder am spargeldürren Handynetz der Wüste, an seinem mit Waffelbacken beschäftigten Bankberater oder an der mitreisenden keifigen Österreicherin, die den einzigen Reiseadapter für das leere Handy bewacht wie ein Höllenhund. Für Matze ist der Trip durch Namibia eine einzige Suche nach Technik und ein Versteckspiel vor Freundin Sina, die vom Kummer mit der "Rhein-View"-Wohnung nichts wissen soll.
Immer wieder bringt einer der Mitreisenden die gesamte Gemeinschaft in Schwierigkeiten. Matze, der seiner Überweisung hinterherhechtet und dabei auch zu unappetitlichen Mitteln greift, die österreichische Höllenhündin, die gleich zu Beginn eine überdimensionale Holzgiraffe anschleppt, die fortan auf dem Dach des Kleinbusses herumkutschiert werden muss - oder auch Bahe, der die Gruppe in der eisigen Wüste draußen schlafen lässt.
Wortwitz und Situationskomik
Tommy Jaud hat nach "Vollidiot", "Resturlaub" und "Millionär" den vierten Bestseller-Garanten nachgelegt. Sein Wortwitz und Gespür für Situationskomik bestimmen auch "Hummeldumm - Das Roman", besonders aber "Hummeldumm - Der Hörbuch". Der Kölner liest die Geschichte selbst - und versteht es vorzüglich, die verschiedenen Dialekte und Akzente vom sächsischen Asketen bis zum namibischen Reiseleiter nachzuahmen.
Wer die Vorgänger-Romane lustig fand, wird sich auch bei "Hummeldumm" vor Lachen krümmen. Die Geschichte ist gespickt mit absurden Situationen, Slapstick und einer leicht dosierten Portion Fäkalhumor. "Der Hörbuch" lässt das Road-Movie samt der neun Trottel im Bus mit ihrer wechselhaften Gruppendynamik zwischen Zänken und Verbrüdern quasi im Kopf entstehen. Die Sprache ist bildhaft, die Charaktere entsprechen altgedienten Klischees und sind leicht zu erfassen.
Darin liegt aber auch die Schwäche der Geschichte: Ohne allzu viel Tiefgang wird sie lediglich für jede Menge Lacher und ein-zwei kurzweilige Nachmittage sorgen - bester Stoff also als Untermalung beim Bügeln. Der Schluss macht die etwas flache, allzu chronologisch erzählte Geschichte aber wieder wett: Überraschenderweise wechselt der nicht immer ganz politisch korrekte Humor in eine kleine Portion Sozialkritik um. Ein durchaus sympatischer Zug auf den letzten Metern.

Tommy Jaud: "Hummeldumm. Der Hörbuch", gelesen von Tommy Jaud, 5 CDs, 333 Minuten, Argon Verlag, Berlin 2010, ISBN: 978-3-8398-1002-6.

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