Eröffnungskonzert : Vogt eröffnet SHMF: Heimspiel für den Heldentenor

Besonderer Moment: Klaus Florian Vogt singt beim SHMF.
Besonderer Moment: Klaus Florian Vogt singt beim SHMF.

Ein besonderes Engagament: Heute wird in Lübeck das Schleswig-Holstein Musik Festival mit dem NDR Sinfonieorchester und dem Brunsbütteler Tenor Klaus Florian Vogt eröffnet.

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05. Juli 2014, 15:39 Uhr

Lübeck | Heute ist ein besonderer Tag für Klaus Florian Vogt – aber auch für das SHMF. Der weltweit gebuchte Wagner-Tenor singt beim Eröffnungskonzert in Lübeck. Ein Heimspiel. „Das ist schon etwas Besonderes für mich“, sagt Vogt.

Zumal er mit dem NDR Sinfonieorchester auftritt, das er früher bei einigen SHMF-Eröffnungsveranstaltungen als Hornist verstärkte. Er war nämlich Orchestermusiker, bevor er Tenor wurde. Der Wechsel von der zweiten in die erste Reihe war anfangs gar nicht so einfach: „Im Orchestergraben ist man geschützter. Ein Sänger trägt mehr Verantwortung und gibt viel von sich preis.“

Inzwischen hat er sich damit arrangiert, er genießt es, auf der Bühne zu stehen – sei es in der Oper oder im Konzertsaal. Besonders der Liedgesang liegt ihm am Herzen, darum interpretiert er demnächst Schuberts „Die schöne Müllerin“ im Kieler Schloss, bevor er sich wieder Wagner widmet.

Der gebürtige Heider gastierte bereits an der New Yorker Metropolitan Opera, natürlich gibt er auch in diesem Sommer wieder in Bayreuth den Lohengrin. Obwohl Vogt sehr gefragt ist in diesen Tagen, beantwortet er geduldig Frage um Frage. Nur ein Thema behagt ihm überhaupt nicht. Ob er in seinem Kollegen Jonas Kaufmann seinen schärfsten Konkurrenten sieht, dazu möchte er sich nicht äußern. Schließlich gelten seiner Ansicht nach heutzutage andere Regeln als im vorherigen Jahrhundert. In den 1950er Jahren zum Beispiel zoffte sich Maria Callas gnadenlos mit Renata Tebaldi: „Solche Grabenkämpfe gibt es nicht mehr. Die Opernwelt ist toleranter geworden.“

Also zurück zur Arbeit. Ein Sänger brauche einen gewissen Ehrgeiz nebst Disziplin, sonst schafft er es nicht bis ganz nach oben: „Man muss wissen, was man will, und dafür ziemlich hart arbeiten.“ In seinem Falle hat sich diese Philosophie längst bezahlt gemacht. Er zählt zu den besten Heldentenören weltweit. Umso erstaunlicher ist es, dass er sich auf seiner CD „Favorites“ der Operette und dem Musical zugewendet hat. Beides gilt ja gemeinhin als leichte Muse, doch der Dithmarscher teilt diese Einstellung nicht. Die Operette, sagt er, verlange einem technisch einiges ab: „Gerade ‚Land des Lächelns‘ hat eine anspruchsvolle Tenorpartie. Bloß die wenigsten können sie gut meistern.“ Er selbst legte den Grundstein dafür schon während seines Studiums in Lübeck. Seinen ersten Auftritt hatte er bei einer „Gräfin Mariza“-Sommerproduktion, während seiner Zeit am Flensburger Landestheater gab er die Titelrolle in „Zarewitsch“ oder sang in „Wiener Blut“. Das empfand er als optimale Vorbereitung auf seine späteren Wagner-Rollen.

So weit zur Operette. Seine Liebe zum Musical entdeckte Vogt, als er als Hornist mal in „Cats“, mal im „Phantom der Oper“ aushilfsweise in Hamburg spielte. Vor allem an die „Phantom“-Aufführungen denkt er unheimlich gerne zurück: „Ich saß im Orchestergraben und oben auf der Bühne hat meine Frau die Christine gesungen. Das waren immer tolle Erlebnisse.“ Aber jetzt ist er der Erfolgreichere, damit er sich auf seine Karriere konzentrieren kann, steckt seine Frau zurück.

Sie kümmert sich zuhause in Brunsbüttel um die vier Söhne, er reist von einem Engagement zum nächsten. Nach Möglichkeit mit dem eigenen Wohnmobil, manchmal sogar mit seinem Flugzeug, einer Mooney. Seine häufige Abwesenheit wirbelte anfangs das Familienleben durcheinander. Es dauerte eine Weile, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt war: „Wenn ich nach Hause komme, habe ich normalerweise frei. Trotzdem versuche ich, mich dem Alltag der anderen anzupassen, der ja in geregelten Bahnen verläuft.“

Das ist die Voraussetzung dafür, dass Klaus Florian Vogt diese besonderen Momente wie heute Abend in Lübeck genießen kann.

> SHMF-Eröffnung mit Klaus Florian Vogt heute und morgen jeweils um 20 Uhr in der Lübecker Musik- und Kongresshalle, Restkarten an der Abendkasse. Mi, 16. Juli, 20 Uhr, gastiert er im Kieler Schloss, Karten: 0431/237070

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