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CD-Tipp der Woche : Vier Wiener auf der Flucht

vom

Lyrische Texte und immer mit viel Tempo voran. So versuchen die Österreicher von Bilderbuch ihre Schulzeit im Klostergymnasium zu verarbeiten. Das hat Vor- und Nachteile.

shz.de von
erstellt am 27.Mär.2010 | 01:11 Uhr

"Das Album mit den vielleicht meisten Hitsingles seit Michael Jacksons Thriller" - so steht es im Beipackzettel des Albums von Bilderbuch. Bescheidenheit geht anders.
Man erfährt: Die vier jungen Österreicher mussten ihre "feindliche" Schulzeit in einem Klostergymnasium fristen, was folglich natürlich zum Entladen aller aufgebauten Aggressionen in endlosen Proben führen musste. Was solls, immer noch besser als Prügeleien. Danach folgten hunderte regionale Auftritte, bis schließlich die Branche aufmerksam und das Debüt "Nelken & Schillinge" produziert wurde.
Räumen wir den Ballast beiseite und lauschen den Wahlwienern: Druckvoller, von den Arrangements her durchaus abwechslungsreicher Power-Poprock, den kaum eine Ballade aufhält. Saubere Produktion, guter Sound, perfekte Beherrschung der Instrumente und spürbare Spielfreude.
Die geradezu lyrischen Texte der Ösis stehen den Arrangements in puncto Ideenreichtum in nichts nach, nur eine kleine Probe: "Sie ist der Baum in meinem Garten. Sie wirft Schatten an sonnigen Tagen. Sie ist Liebe, sie ist Stolz. Wenn ich sie fälle, hab ich Holz." Das ist originell - ohne Frage.
Kommen wir zu den Nachteilen. Die Songs des Albums haben fast durchgängig ein einheitliches Tempo, welches man als gehetzt bezeichnen könnte. Immer weiter voran, wie beim Leistungssport oder bei der Flucht. Spätfolgen des Klosterlebens? Viel gravierender: Sänger Maurice gefällt sich trotz hörbar elastischer Stimme darin, im immer gleichen quengelig überdrehten Tonfall zu singen. Das geht für ein paar Songs ganz prima, dann ist allerdings der Lack ab.
Diese beiden Fakten machen es leider schwer, sich "Nelken & Schillinge" in einem Durchgang zu widmen, es stellt sich trotz aller positiver Anlagen dieser Band einfach irgendwann eine gewisse Erschöpfung ein. Was am Ende bleibt, ist der Eindruck, dass sie es doch irgendwie noch viel besser könnten.
Bilderbuch - "Nelken & Schillinge" (schoenwetter/Broken Silence)
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