SHMF in Kiel : Türkisch-deutscher Klarinettengipfel

Solo für Sabine Meyer. Foto: Lukas
Solo für Sabine Meyer. Foto: Lukas

Das Bilkent Symphony Orchestra aus Ankara war in maximaler Besetzung angetreten. Im Kieler Schloss bot es ein furioses Konzert zum SHMF.

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18. Juli 2011, 10:26 Uhr

Kiel | Viele gute Worte wurden den fünfzig Konzerten zum Schwerpunkt Türkei mit auf den Weg gegeben: Von Festival-Intendant Beck mit einer Erinnerung an die Aufführung von Haydns "Schöpfung" in Ankara; von Kulturminister Klug mit der Neugier auf eine akustische Entdeckungsreise; vom türkischen Botschafter Al Ahmet Acet mit dem Hinweis auf den humanen Wert des Kulturaustausches.
Die beste Botschafterin der Türkei aber war die Musik selbst. Wie schon das in maximaler Besetzung angetretene Bilkent Symphony Orchestra aus Ankara vermuten ließ, kam sie am Sonnabend im Kieler Schloss nicht türkisch-unvermittelt daher. In der einleitenden Tanz-Rhapsodie "Köçekçe" hat Ulvi Cemal Erkin denn auch Folklore und westliche Kunstmusik ähnlich wie Bartók verschmolzen. Inhaltlich bezogen ist diese Rhapsodie auf die "Köçek", die weiblich gekleideten, akrobatisch-erotische Tänze aufführenden Knaben der osmanischen Haremskultur. Doch braucht man das gar nicht zu wissen, um sich von der Suite locker aneinander gereihter Melodien mitreißen zu lassen. Hatte sie eingangs als Eisbrecher fungiert, so entfaltete sie die volle Wirkung zündender Rhythmen erst in der Wiederholung als Zugabe. Da hatte man sich warmgehört, und der Dirigent Isin Metin wurde nunmehr selbst zum anfeuernden Tänzer.
Klarinette repräsentiert den Titelhelden
Bei Fazil Says Klarinettenkonzert, einem Auftragswerk des Festivals, konnte man schnell manche anderen hochgestelzten Auftragswerke vergessen, deren erste Aufführung häufig auch die letzte war. Denn der als Pianist in der ganzen Welt hochgeschätzte Say hat in drei Sätzen das Leben des persischen Mathematikers und Dichters "Khayyam" musikalisch so faszinierend nacherzählt, dass einen diese exotisch gefärbten Klänge nicht wieder loslassen. Dabei repräsentiert die Klarinette den Titelhelden.
Ein halbstündiges, ununterbrochenes Solo, in dem Sabine Meyer sehr virtuos und melodiös fabulierte und dabei Schwingungen ihres ganzen schlanken Körpers auf ihr Instrument übertrug. Eine in jeder Hinsicht überragende Leistung. In der Endphase gesellte sich Solocellist Hayreddin als Stimme der Frau dazu. Ohne Stab modellierend, führte Isin Metin sein Orchester sicher durch die taufrische Komposition. Repertoiretest glänzend bestanden! Auch der leise Ausklang imponierte und verdiente den tosenden Beifall, der auch dem anwesenden Komponisten galt.
In Rimsky-Korssakoffs sinfonischer Suite "Scheherazade" legten dann alle Instrumentengruppen noch einmal so richtig los. Konzertmeister Ganioglu sogar mit einem brillanten Violinsolo als Stimme der Märchenerzählerin. Man staunt darüber, mit wie wenigen Motiven der Komponist auskommt, um uns mit magischen Klängen in "Tausendundeine Nacht" zu versetzen. Dem Bilkent-Orchester unter Isin Metin gelang das vorzüglich. Ein furioser Erfolg!

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