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SHMF 2015 : Trommel-Legende Martin Grubinger rockt Kiel

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Er ist der König der Percussion: Am Donnerstagabend versetzte Grubinger 6000 Zuhörer in Extase.

Kiel | Ein klassischer Schlagzeuger rockt die Kieler Sparkassen-Arena: Als sich am späten Donnerstagabend 19 Musiker nach mehr als zweistündigem Trommelwirbel vor ihrem Publikum verneigen, applaudieren 6000 Menschen bestens gelaunt stehend und fast ehrfürchtig. Ehrfürchtig ob der unglaublichen Fingerfertigkeit, die der Percussion-Virtuose Martin Grubinger gerade noch einmal mit seinem Zugabestück „Planet Rudiment“ demonstriert hat.

„Wir wollen Spaß haben und die Bühne und die Halle zum Brennen bringen“ - das hatte Grubinger vor Beginn des diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) angekündigt. Es hat geklappt. Mit den Trommlern und Blechbläsern des Percussive Planet Ensembles liefert der Österreicher das versprochene „Feuerwerk der Schlagzeugkunst“ in der ausverkauften Sparkassen-Arena.

Es war ein kurzweiliger Streifzug durch Jazz, Bossa Nova, Salsa, Samba, Tango, Rock und Funk. Die Musiker liefern dem Publikum einen weiteren Höhepunkt des SHMF, der nicht zum Klassik-Repertoire gehört - mit Dutzenden Schlaginstrumenten von der Triangel bis zur großen Schlagzeug-„Bude“.

Besonders heiß geht es her, als Grubinger mit einer Fünfer-Runde zum Taiko Drumming aufspielt. „The Wave“ heißt das Stück von Keko Abe, der japanischen Marimba-Queen. Vier Schlagzeuge und Marimba sind dabei. Zwischendurch gibt es hier auch ganz leise, zärtliche Töne, doch dann liefert Grubinger eine irrsinnige Tempohatz auf dem Marimbaphon. Mit einem Begeisterungssturm entlassen die 6000 den schweißgebadeten 32-Jährigen und seine Truppe in die Pause.

2007 hatte Grubinger beim SHMF den Leonard Bernstein Award für Nachwuchsmusiker bekommen, in dieser Saison prägt er das Festival als Porträtkünstler mit gut einem Dutzend Auftritten. „Wir bringen ganz neue Projekte nach Schleswig-Holstein, alle sind speziell für das Schleswig-Holstein Musik Festival entwickelt“, hatte Grubinger zu seinem Engagement als Porträtkünstler gesagt. „Wir freuen uns so sehr, dass wir in diesem Handballtempel spielen dürfen“, gesteht er an dem Ort, an dem Rekordmeister THW Kiel fast immer so triumphiert wie der Tausendsassa an den Schlaginstrumenten.

„Schon im Alter von dreieinhalb Jahren wusste ich: Das Schlagzeug ist mein Instrument“ steht auf Grubingers Internet-Seite. Der gebürtige Salzburger studierte am Bruckner-Konservatorium in Linz und am Mozarteum in Salzburg. Das Überwinden musikalischer Genregrenzen ist für ihn Standard, das SHMF schon seit langem eine Heimatbühne für den Mann, der weltweit die Zuhörer fasziniert. „Als klassischer Musiker träumt man immer davon, vor solch einer Kulisse spielen zu dürfen“, gesteht er an diesem Abend in Kiel.

Sein Auftaktstück „L.A. Fusion“ ist von Papa Martin Grubinger sen., der das Ensemble dirigiert. Energiegeladen, voller Tempo und musikalischer Perfektion geht es durch das Programm. Bei „Birdland“ des österreichischen Jazz-Musikers Joe Zawinul beweist Grubinger jun.auf dem Marimbaphon ebenso hohe Percussion-Kunst wie bei „One more once“ des Latin-Jazz-Pianisten Michel Camilo oder „Teen Town“ des Bassisten Jaco Pastorius (Weather Report, Blood Sweat and Tears).

Warum das alles so blendend funktioniert? „Wir sind Dauerprober“, sagt Grubinger. „Wir proben meist so 13, 14, 15 Stunden am Tag.“ In diese SHMF-Saison war der Porträtkünstler mit einer Sympathie-Erklärung für das nördlichste Bundesland gegangen, in dem er seit Jahren eine treue Fan-Gemeinde hat: „Hier hat man das Gefühl, dass eine echte Symbiose entsteht zwischen dem Land, der Landschaft, den Menschen, dem Festival und seinen Künstlern.“

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erstellt am 21.Aug.2015 | 07:51 Uhr

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