Erinnerungen an Klauspeter Seibel : Trauer um einen verdienten Dirigenten

Klauspeter Seibel
Klauspeter Seibel

Kieler Musik- und Opernfreunde trauern um den kürzlich verstorbenen Dirigenten Klauspeter Seibel. Er prägte in den 90er-Jahren die Kulturlandschaft der Fördestadt.

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14. Januar 2011, 08:18 Uhr

Kiel | Die Nachricht vom Tode des 74-jährigen Dirigenten Klauspeter Seibel weckt in Kiel viele Erinnerungen. Von 1987 bis 1995 hat er hier als GMD amtiert, länger als jeder seiner zehn Vorgänger nach dem Zweiten Weltkrieg. Stets verknüpfte er in engem Zusammenwirken mit dem Generalintendanten Peter Dannenberg Opernspielplan und Konzertprogramme miteinander. So wurden der Finne Johann Rautavaara gleichzeitig mit der von Gogh-Oper "Vincent" und einem Klavierkonzert und Günter Bialas nach der Uraufführung des Heine-Liederspiels "Aus der Matratzengruft" mit einem Cellokonzert vorgestellt.
Über seine Einstudierung von Verdis "Don Carlos" sagte ein Zuschauer noch während der Premiere: "Ich glaub, das wird ne Rakete." Danach zündeten viele weitere Seibel-Raketen, teils als auf Hochglanz polierte Repertoire-Juwelen, teils als experimentelles Musiktheater. Die Weltraumoper "Planet 8" des Minimalisten Philipp Glass stellte das Orchester vor eine ungewohnte Aufgabe, und trotzdem verhalf Seibel ihrer suggestiven Monotonie zum Durchbruch. Wenn Friedhelm Döhls Medea-Oper auf wenig Gegenliebe stieß, so lag das gewiss nicht an Seibels Interpretation.
Fünf große Mozart-Opern als Zyklus
Über Seibels Engagement für die Moderne kamen Mozart, Wagner, Verdi und Richard Strauss als Säulen des Repertoires keineswegs zu kurz. Gemeinsam mit dem Regisseur Uwe Schwarz wurden die fünf großen Mozart-Opern als Zyklus neu einstudiert. Von Richard Strauss erzielten die drei wichtigsten und bekanntesten Opern, also "Salome", "Elektra" und "Rosenkavalier", große Erfolge. Überregionales Aufsehen erregte ferner die Wiederbelebung von Werken aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Das begann mit Zemlinskys Märchenoper "Es war einmal" und fand mit "Romeo und Julia auf dem Dorfe" von Delius und "Mona Lisa" von Max von Schillings so begeisterte Aufnahme, dass beide Werke auf CD eingespielt werden konnten.
Einen Schwerpunkt von Seibels Sinfoniekonzerten bildeten die Werke von Gustav Mahler. Dessen Frühwerk "Das klagende Lied" und die fragmentarisch hinterlassene 10. Sinfonie wurden unter Seibel in Kiel zum ersten und bisher einzigen Male aufgeführt. Mit dem "Lied von der Erde", einer vokalen Abschiedssinfonie, verabschiedete sich Seibel von Kiel. Die Bedingungen, unter denen er hier arbeitete, waren alles andere als ideal. Verärgert war er darüber, dass seinen Musikern der Aufstieg zum A-Orchester versagt blieb. Immer wieder mussten die Philharmoniker durch auswärtige Kräfte ergänzt werden. Trotzdem gelang es Seibel, die künstlerische Qualität auf hohem Standard zu halten oder sogar zu steigern. Seine Zusammenarbeit mit dem Städtischen Chor gipfelte in einer mustergültigen Aufführung von Verdis "Requiem".
Durch seine pädagogische Fähigkeit, komplizierte Werke mit klaren Worten durchschaubar zu machen und vor allem durch seinen unprätentiösen, nie auf Selbstdarstellung bedachten Dirigierstil erwarb sich Seibel dauerhafte Sympathien. Die Kieler Musik- und Opernfreunde werden immer wieder gern an seine Ära zurückdenken.

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